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Anschlag von Magdeburg: Taleb A. will sich vor Gericht auf „Notstand“ berufen

2541163 (CC0), Pixabay

Zum Auftakt des Prozesses um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt zeichnet sich ab, welche Verteidigungsstrategie der mutmaßliche Täter Taleb A. einschlagen will. Der 51-jährige Arzt aus Saudi-Arabien, der im Dezember 2024 mit einem SUV in eine Menschenmenge gerast sein soll, plant laut Gerichtsunterlagen, sich auf einen angeblichen „Notstand“ nach den Paragrafen 34 und 35 des Strafgesetzbuchs zu berufen.

Diese Paragraphen sehen eine Strafbefreiung vor, wenn jemand eine Tat begeht, um eine gegenwärtige Gefahr für Leben, Leib oder Freiheit abzuwenden – eine Regelung, die in extremen Ausnahmesituationen gilt. Taleb A. will demnach behaupten, er habe sich selbst in einer solchen Gefahr befunden.

Wie aus dem Protokoll einer mehrstündigen Anhörung hervorgeht, die bereits vor Prozessbeginn stattfand, zeigt sich allerdings ein zunehmend wirres und verschwörungsgläubiges Weltbild des Angeklagten. Er sprach gegenüber dem Richter von einem angeblichen Netzwerk aus deutschen Behörden, Flüchtlingsinitiativen und saudischen Geheimdiensten, die ihn gezielt verfolgt und bedroht hätten. Diese vermeintliche „Verschwörung“ habe ihn in einen Zustand gebracht, in dem er sich nur noch durch drastische Maßnahmen habe retten können.

In der Anhörung erklärte A. zudem, er halte die Polizei selbst für den „eigentlichen Täter“ des Anschlags – die offizielle Version der Ereignisse sei eine „Inszenierung“, die die Opfer „noch einmal verrate“.

Der frühere Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie gab an, sich seit Jahren von Justiz und Behörden missverstanden und „nicht wie ein Mensch behandelt“ gefühlt zu haben. Am Tag des Anschlags habe er sich bereits „innerlich verabschiedet“, weil er überzeugt gewesen sei, von Polizisten erschossen zu werden.

Am 20. Dezember 2024 war Taleb A. mit einem BMW-SUV über den Magdeburger Weihnachtsmarkt gerast. Innerhalb von 64 Sekunden wurden sechs Menschen getötet, darunter ein neunjähriger Junge, mehr als 300 wurden verletzt. Der Prozess am Landgericht Magdeburg gilt als einer der größten in der Geschichte Sachsen-Anhalts – über 150 Betroffene treten als Nebenkläger auf.

Die Verteidigungslinie des Angeklagten dürfte in den kommenden Wochen intensiv juristisch geprüft werden. Beobachter erwarten, dass psychiatrische Gutachten eine zentrale Rolle spielen werden – nicht nur für die Frage der Schuldfähigkeit, sondern auch für die Glaubwürdigkeit seiner Erklärungen.

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