Bei einem schweren Zugunglück in der französischen Normandie sind 44 Menschen verletzt worden. Eine 18-Jährige befand sich nach Angaben der Behörden in kritischem Zustand. Der Regionalzug mit 186 Passagieren war am Freitagabend zwischen Rouen und Caen unterwegs, als mehrere Waggons entgleisten. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler könnte das Unglück vorsätzlich herbeigeführt worden sein.
Entscheidend für den Sabotageverdacht ist ein Gegenstand beziehungsweise Schienenteil, das auf der Strecke entdeckt worden sein soll. Ermittler gehen deshalb der Frage nach, ob gezielt ein Hindernis auf dem Gleis platziert wurde.
Eine vorsätzliche Tat ist bislang jedoch nicht abschließend nachgewiesen. Die genaue Unfallursache wird untersucht.
Fünf Waggons springen aus den Schienen
Das Unglück ereignete sich in der Normandie im Département Seine-Maritime. Nach Informationen des französischen Fernsehsenders BFMTV soll der Zug mit einem bislang nicht abschließend identifizierten Gegenstand kollidiert sein.
Infolge des Zusammenstoßes sollen fünf Waggons entgleist sein. Einer davon kippte um.
Unter den insgesamt 44 Verletzten befindet sich eine 18-jährige Frau, deren Zustand von den Behörden zunächst als kritisch bezeichnet wurde.
Der Lokführer wurde nach dem Unglück auf Alkohol und Drogen untersucht. Beide Tests fielen nach den vorliegenden Angaben negativ aus.
Schienenteil auf der Strecke entdeckt
Besonders brisant sind die Erkenntnisse vom Unfallort. Aus Ermittlerkreisen wurde bekannt, dass auf der Strecke ein Schienenteil gefunden worden sei. Dieser Fund soll nach bisheriger Einschätzung auf eine vorsätzliche Manipulation beziehungsweise ein absichtlich geschaffenes Hindernis hindeuten.
Damit steht die Möglichkeit im Raum, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Bahnunfall, sondern um eine gezielte Sabotagehandlung gehandelt haben könnte.
Für eine endgültige Bewertung müssen die Ermittler jedoch zunächst klären, woher das gefundene Teil stammt, wie es auf das Gleis gelangte und ob es tatsächlich die Entgleisung verursacht hat.
Erst wenn sich eine bewusste Platzierung oder Manipulation nachweisen lässt, kann von einer vorsätzlich herbeigeführten Tat ausgegangen werden.
Passagier schildert dramatische Sekunden
Ein Fahrgast beschrieb gegenüber BFMTV die dramatischen Augenblicke während der Entgleisung.
Zunächst habe sich die Situation wie eine Notbremsung angefühlt. Anschließend sei der Zug heftig durchgeschüttelt worden, weil er nicht mehr auf den Schienen gefahren, sondern über den Schotter gerumpelt sei.
Fenster seien zerborsten, Rauch beziehungsweise Qualm sei aufgestiegen und Gepäck sei durch die Waggons geschleudert worden. Der Passagier berichtete außerdem, einen anderen entgleisten Waggon am eigenen Fenster vorbeiziehen gesehen zu haben.
Nach der Entgleisung hätten sich Fahrgäste zunächst selbst helfen müssen. Nach seinen Angaben wurde eine Tür aufgebrochen, um den Wagen verlassen zu können.
Mehr als 130 Feuerwehrleute im Einsatz
Die französischen Behörden reagierten mit einem Großaufgebot.
Nach Medienberichten waren mehr als 130 Feuerwehrleute, rund 50 Polizisten und etwa 80 Einsatzfahrzeuge am Unfallort eingesetzt.
Die Stromversorgung der Bahnstrecke wurde abgeschaltet, damit Rettungskräfte gefahrlos an den entgleisten Waggons arbeiten konnten. Der Zugverkehr auf dem betroffenen Streckenabschnitt wurde unterbrochen.
Neben der Versorgung und Bergung der Verletzten begann unmittelbar die Sicherung möglicher Beweismittel.
Sabotageverdacht muss kriminaltechnisch belegt werden
Für die Ermittler dürfte nun insbesondere entscheidend sein, ob sich das auf der Strecke gefundene Teil zweifelsfrei mit der Entgleisung in Verbindung bringen lässt.
Untersucht werden muss außerdem, ob das Hindernis absichtlich auf die Strecke gebracht beziehungsweise Teile der Bahninfrastruktur manipuliert wurden. Auch mögliche Spuren am Fundstück, Videoaufnahmen, Zeugenaussagen und die technischen Daten des Zuges können bei der Rekonstruktion eine Rolle spielen.
Sollte sich herausstellen, dass jemand bewusst ein Hindernis auf einer befahrenen Bahnstrecke platziert hat, wäre dies strafrechtlich außerordentlich schwerwiegend. Welche konkreten Straftatbestände nach französischem Recht in Betracht kommen, hängt allerdings von den weiteren Ermittlungsergebnissen und insbesondere vom nachweisbaren Vorsatz eines möglichen Täters ab.
Noch keine Angaben zu möglichen Tätern oder einem Motiv
Bislang liegen keine gesicherten Informationen darüber vor, wer für eine mögliche Manipulation verantwortlich sein könnte. Auch über ein Motiv ist nichts Belastbares bekannt.
Deshalb wäre es derzeit verfrüht, den Vorfall einem bestimmten Täter, einer Organisation oder einem politischen Hintergrund zuzuordnen.
Fest steht bislang: Der Regionalzug mit 186 Passagieren entgleiste, fünf Waggons sprangen nach Medienberichten aus den Schienen und 44 Menschen wurden verletzt. Eine 18-Jährige erlitt besonders schwere Verletzungen.
Der Fund eines Schienenteils beziehungsweise eines mutmaßlichen Hindernisses auf der Strecke hat aus einem schweren Zugunglück zugleich einen möglichen Kriminalfall gemacht. Ob tatsächlich Sabotage vorliegt, müssen nun die weiteren Ermittlungen in Frankreich klären.