Dark Mode Light Mode

Gefälschte Tagesschau lockt in Investmentfalle: Betrüger missbrauchen Chrupalla, Klingbeil und Maischberger

Clker-Free-Vector-Images (CC0), Pixabay

Eine Nachrichtenseite sieht aus wie die Tagesschau. Bekannte Politiker tauchen in der Überschrift auf, angeblich ist bei „Maischberger“ ein Finanzskandal aufgeflogen – und am Ende wartet die vermeintliche Chance auf hohe Gewinne.

Doch genau hier beginnt der Betrug.

Aktuell kursieren gefälschte Nachrichtenseiten, die Gestaltung, Logo und journalistische Aufmachung der Tagesschau nachahmen. Dabei werden unter anderem die Namen von Sandra Maischberger, Tino Chrupalla und Lars Klingbeil benutzt, um eine erfundene Geschichte möglichst glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Das Ziel ist nicht politische Information, sondern Geld.

Hinter den vermeintlichen Nachrichten führen Links zu dubiosen Investmentangeboten, bei denen Interessenten zunächst persönliche Daten hinterlassen oder Geld einzahlen sollen. Computer Bild und die Faktencheck-Plattform Mimikama warnen aktuell vor dieser Masche.

Die Tagesschau-Seite ist komplett gefälscht

Besonders gefährlich ist die professionelle Aufmachung.

Die Betrüger orientieren sich stark am Erscheinungsbild der echten Tagesschau. Farben, Logo, Navigation und die typische Darstellung einer „Eilmeldung“ sollen beim Leser den Eindruck erzeugen, er befinde sich auf einem seriösen Angebot der ARD.

Doch ein Blick auf die Internetadresse verrät den Betrug.

In einem aktuell dokumentierten Fall lautet sie tagesschau.finance/cl.

Die echte Tagesschau ist dagegen unter tagesschau.de erreichbar. Mimikama weist außerdem darauf hin, dass in Teilen der Fälschung sogar „Tagesschau.finace“ geschrieben wird – ein weiteres Warnsignal.

Angebliche „Studio-Eskalation“ bei Maischberger

Der gefälschte Artikel arbeitet mit einer besonders emotionalen Geschichte.

Unter anderem wird eine angebliche „Studio-Eskalation bei Maischberger“ behauptet. Tino Chrupalla soll Lars Klingbeil im Fernsehen bloßgestellt haben. Anschließend führt die Geschichte zu angeblichen Finanzinformationen beziehungsweise einer lukrativen Investmentmöglichkeit.

Die politische Auseinandersetzung dient dabei lediglich als Köder.

Mimikama bewertet den Beitrag ausdrücklich als Fake. Die Seite imitiert eine Tagesschau-Eilmeldung und nutzt prominente Namen, um Vertrauen aufzubauen und Leser anschließend in eine Finanzmasche zu führen.

Politik ist nur der Türöffner

Das Vorgehen ist psychologisch geschickt.

Eine Überschrift über bekannte Politiker sorgt für Aufmerksamkeit.

Die Tagesschau-Optik sorgt für Glaubwürdigkeit.

Eine angebliche Enthüllung erzeugt Neugier.

Und erst danach wird die eigentliche Geldanlage präsentiert.

Der Leser soll das Gefühl bekommen, auf eine Information gestoßen zu sein, die bislang nur wenigen Menschen bekannt ist.

Genau solche vermeintlichen Geheimtipps sind bei Anlagebetrug ein klassisches Warnsignal.

Erst kommt die Nachricht – dann die Investmentplattform

Nach Angaben von Computer Bild wird innerhalb der Fake-Beiträge auf eine angeblich lukrative Investmentplattform verwiesen.

Dort sollen Interessenten beispielsweise ihre Kontaktdaten eintragen oder unmittelbar Geld investieren.

Als Einstiegssumme werden bei solchen Angeboten häufig rund 250 Euro verlangt.

Die beworbenen Renditen sind dabei regelmäßig außergewöhnlich hoch. Genau das soll dazu führen, dass Opfer ihre anfänglichen Zweifel überwinden und zumindest einen kleineren Betrag ausprobieren.

Die erste Einzahlung ist oft nur der Anfang

Für Verbraucher liegt eine besondere Gefahr darin, dass 250 Euro zunächst noch überschaubar erscheinen können.

Wer anschließend auf seinem vermeintlichen Handelskonto steigende Gewinne sieht, kann zu weiteren Einzahlungen verleitet werden.

Eine Zahl auf einer Plattform beweist jedoch nicht, dass tatsächlich entsprechende Anlagen oder Gewinne existieren.

Bei betrügerischen Investmentplattformen können Kontostände und vermeintliche Handelsgewinne lediglich auf dem Bildschirm dargestellt werden.

Problematisch wird es häufig spätestens dann, wenn der Anleger sein Geld zurückhaben möchte.

Prominente werden ohne deren Zustimmung benutzt

Für die Glaubwürdigkeit verwenden die Täter bekannte Persönlichkeiten.

Im aktuellen Fall werden unter anderem Tino Chrupalla, Lars Klingbeil und Sandra Maischberger in die erfundene Geschichte eingebaut.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass die genannten Personen etwas mit der Investmentplattform zu tun haben.

Ihre Namen und Bilder werden vielmehr als Vertrauensanker missbraucht.

Das gleiche Grundmuster ist bereits mehrfach aufgetaucht.

Mimikama dokumentierte 2026 beispielsweise gefälschte Tagesschau-Seiten mit Friedrich Merz und Chrupalla sowie einen weiteren Fake, in dem der Kabarettist Dieter Nuhr angeblich bei „Maischberger“ eine Finanzenthüllung gemacht haben soll. Auch diese Geschichten waren erfunden und sollten zu Investmentangeboten führen.

Die Masche wird ständig neu verpackt

Genau das macht diese Form des Anlagebetrugs besonders gefährlich.

Die Personen können wechseln.

Heute sind es Politiker.

Morgen können es Unternehmer, Moderatoren, Schauspieler oder bekannte Finanzexperten sein.

Auch die angebliche Investmentplattform kann unter einem neuen Namen auftreten.

Das Grundprinzip bleibt jedoch dasselbe:

Eine bekannte Person soll angeblich eine außergewöhnlich rentable Geldanlage entdeckt, empfohlen oder versehentlich öffentlich gemacht haben.

Eine große Medienmarke soll die Geschichte scheinbar bestätigen.

Und anschließend soll der Leser investieren.

Schon die Überschrift kann ein Warnsignal sein

Mimikama weist auf die stark zugespitzte Sprache der Fälschung hin.

Formulierungen wie „Studio-Eskalation“, „Schock im Studio“ oder „stellt ihn bloß“ entsprechen stärker dem Stil eines Klickköders als einer nüchternen Nachricht.

Natürlich beweist eine reißerische Überschrift allein noch keinen Betrug.

Wenn jedoch eine spektakuläre politische Enthüllung direkt zu einer angeblich einmaligen Geldanlage führt, sollte höchste Vorsicht gelten.

Der wichtigste Check dauert nur wenige Sekunden

Wer einen vermeintlichen Tagesschau-Beitrag vor sich hat, sollte zuerst die Adresszeile des Browsers prüfen.

Entscheidend ist nicht, wie echt das Logo aussieht.

Entscheidend ist die Domain.

Eine Adresse wie tagesschau.finance, tagesschau.financial oder eine völlig andere Domain wird nicht dadurch zu einer echten Tagesschau-Seite, dass dort das Tagesschau-Logo eingeblendet wird.

Mimikama dokumentierte in diesem Jahr bereits unterschiedliche nachgebaute Domains, die dieselbe Medienmarke imitierten.

Vorsicht vor angeblich sicheren Traumrenditen

Ein weiteres Warnsignal sind außergewöhnlich hohe beziehungsweise angeblich garantierte Gewinne.

Seriöse Kapitalanlagen enthalten Risiken.

Je höher die erwartete Rendite, desto höher ist im Regelfall auch das Risiko.

Behauptet eine Plattform dagegen, mit einer besonderen Software, künstlicher Intelligenz oder einem geheimen Handelssystem ließen sich nahezu risikolos außergewöhnlich hohe Gewinne erzielen, sollten Anleger besonders skeptisch sein.

Eine seriöse Geldanlage benötigt keine erfundene Tagesschau-Meldung, um Kunden zu gewinnen.

Telefonnummer kann wertvoller sein als die erste Einzahlung

Verbraucher sollten außerdem bedenken, dass die Täter nicht nur an der ersten Zahlung interessiert sein können.

Bereits Name, Telefonnummer und E-Mail-Adresse sind wertvoll.

Wer sich auf einer solchen Plattform registriert, kann anschließend telefonisch kontaktiert werden.

Dann beginnt häufig die eigentliche Überzeugungsarbeit.

Ein angeblicher persönlicher Berater kann versuchen, Vertrauen aufzubauen und weitere Einzahlungen zu erreichen.

Deshalb lautet die wichtigste Regel:

Auf verdächtigen Investmentseiten nicht einmal „nur zum Ausprobieren“ persönliche Daten eingeben.

Keine Ausweiskopie hochladen

Besonders gefährlich wird es, wenn die Plattform zusätzlich eine Kopie des Personalausweises, Reisepasses oder andere persönliche Dokumente verlangt.

Computer Bild warnt ausdrücklich davor, Ausweiskopien oder persönliche Daten auf unbekannten Plattformen hochzuladen.

Bei einem Betrug kann dann nicht nur das investierte Geld gefährdet sein.

Auch die persönlichen Daten können für weitere betrügerische Vorgänge missbraucht werden.

Was tun, wenn bereits Geld überwiesen wurde?

Wer bereits investiert hat und anschließend Zweifel bekommt, sollte nicht darauf warten, ob sich das Problem von selbst löst.

Keine weiteren Zahlungen leisten.

Die eigene Bank beziehungsweise den verwendeten Zahlungsdienstleister möglichst schnell informieren.

Überweisungsbelege, Chatverläufe, Telefonnummern, E-Mails und Screenshots sichern.

Auch die vollständige Internetadresse der Plattform sollte dokumentiert werden.

Bei einem finanziellen Schaden kommt außerdem eine Strafanzeige in Betracht.

Je schneller Betroffene reagieren, desto eher kann zumindest geprüft werden, ob Zahlungen noch gestoppt beziehungsweise Zahlungswege nachvollzogen werden können.

Eine Rückholung des Geldes lässt sich allerdings nicht garantieren.

Vorsicht vor angeblichen Gebühren für die Auszahlung

Ein besonders kritischer Moment entsteht häufig dann, wenn ein Anleger sein vermeintliches Guthaben auszahlen lassen möchte.

Wird plötzlich verlangt, vorher noch eine „Steuer“, „Versicherung“, „Freischaltungsgebühr“ oder andere zusätzliche Zahlung zu leisten, sollte keinesfalls automatisch weitergezahlt werden.

Dass eine Plattform immer neue Vorauszahlungen verlangt, um angeblich bereits vorhandenes Geld freizugeben, ist ein massives Warnsignal.

Weitere Zahlungen können den Schaden lediglich erhöhen.

Auch angebliche Geldretter können Betrüger sein

Wer bereits auf Anlagebetrug hereingefallen ist, sollte zudem vor sogenannten Recovery-Scams aufpassen.

Dabei melden sich Personen, die behaupten, verlorenes Geld zurückholen zu können.

Manchmal geben sie sich als Anwälte, Ermittler, Behördenvertreter oder Blockchain-Spezialisten aus.

Anschließend verlangen sie zunächst Gebühren.

Gerade Menschen, die bereits hohe Beträge verloren haben, sind für solche Versprechen besonders empfänglich.

Deshalb sollte auch ein angeblicher Geldretter unabhängig überprüft werden.

12 Prozent der Deutschen bereits mit Krypto-Anlagebetrug konfrontiert

Computer Bild verweist zudem auf eine McAfee-Untersuchung.

Danach gaben 12 Prozent der Befragten in Deutschland an, bereits mit Krypto-Anlagebetrug in Kontakt gekommen zu sein. 49 Prozent hätten den Eindruck, dass Online-Betrugsfälle zunehmen.

Die Zahlen zeigen zumindest, wie präsent das Problem inzwischen im Alltag vieler Internetnutzer ist.

Gefälschte Medienseiten sind dabei besonders wirksam, weil sie nicht wie klassische Spam-Nachrichten aussehen.

Sie leihen sich das Vertrauen etablierter Medien.

Fünf Warnsignale sollte jeder kennen

Besonders vorsichtig sollten Verbraucher werden, wenn mehrere Merkmale gleichzeitig auftreten:

Eine bekannte Nachrichtenseite berichtet angeblich über eine geheime Geldanlage.

Prominente oder Politiker sollen damit außergewöhnliche Gewinne erzielen.

Es werden extrem hohe oder sichere Renditen versprochen.

Nach wenigen Klicks sollen Telefonnummer und persönliche Daten angegeben werden.

Die Internetadresse entspricht nicht der offiziellen Domain des angeblichen Mediums.

Je mehr dieser Punkte zusammentreffen, desto größer ist das Risiko eines Betrugs.

Fazit: Nicht das Tagesschau-Logo prüfen – sondern die Internetadresse

Der aktuelle Fall zeigt, wie professionell moderne Investmentbetrüger Vertrauen simulieren.

Ein Tagesschau-Logo, bekannte Politiker und eine angebliche Fernsehsendung können innerhalb weniger Sekunden den Eindruck einer seriösen Nachricht erzeugen.

Doch genau dieses Vertrauen wird ausgenutzt.

Die aktuell dokumentierte Seite tagesschau.finance/cl gehört nicht zur Tagesschau. Die Geschichte um Maischberger, Chrupalla und Klingbeil dient als Köder für eine Investmentmasche.

Für Verbraucher ist deshalb eine Regel besonders wichtig:

Nicht investieren, weil ein Artikel seriös aussieht. Erst prüfen, ob der Artikel überhaupt echt ist.

Und wenn eine angebliche Nachricht über einen politischen Skandal wenige Klicks später bei einer Investmentplattform und einer Einzahlung von 250 Euro endet, sollte die Verbindung sofort abgebrochen werden.

Denn eine seriöse Nachrichtenseite braucht keine erfundene TV-Enthüllung, um Anleger zu einer schnellen Einzahlung zu bewegen.

View Comments (3) View Comments (3)
  1. Da fällt wirklich jemand drauf rein in Zeiten von Grok & Co? Das ist aber noch gar nichts. Gerade durch „Werbung schauen“ wird man in Onlinegames manchmal schon sehr penetrant zu Google Play Store Apps weitergeleitet, indem solche „investment-tipps“ vorgegaukelt werden. Zielgruppe: besonders junge, naive Leute mit erstem Bankkonto. Kein Link zum Nachprüfen vorhanden da „kackfrech“ wie erwähnt direkt als App

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Flutkatastrophe im Himalaya: Drei Deutsche in Tibet vermisst – Zahl der Toten steigt auf 691

Next Post

Island stimmt über Weg in die EU ab – hauchdünnes Rennen kippt während der Auszählung