Guardiola plante offenbar schon Italiens Mannschaft auf Papier. Am Ende fehlte aber nicht das Geld, sondern vor allem eines: Lust auf noch mehr Trainerstress.
Rom – Es hätte eine Fußball-Romanze werden können: Italien, Pep Guardiola und irgendwo dazwischen ein Teller Pasta.
Der italienische Verband wollte den Star-Trainer unbedingt als neuen Nationalcoach verpflichten. Und offenbar war die Sache deutlich konkreter, als man bislang dachte.
Paolo Maldini, der im Juli beeindruckende 16 Tage als Technischer Direktor des italienischen Verbands durchhielt, erzählte dem „Corriere della Sera“, wie nah Guardiola tatsächlich an der „Squadra Azzurra“ war.
Maldini und seine Mitstreiter besuchten Guardiola in Barcelona, gingen gemeinsam Mittagessen und redeten praktisch den ganzen Tag über Fußball.
Und Pep tat das, was Pep eben tut, wenn irgendwo ein Kugelschreiber herumliegt: Er begann Aufstellungen zu zeichnen.
Nicht nur die A-Nationalmannschaft wurde besprochen. Laut Maldini analysierte man sogar die Kader von der U17 aufwärts.
Kurz gesagt: Während andere Menschen beim Mittagessen überlegen, ob sie noch ein Tiramisu bestellen, plante Guardiola offenbar bereits Italiens fußballerische Zukunft.
Am Geld scheiterte es erstaunlicherweise nicht
Besonders bemerkenswert: Guardiola soll keine astronomischen Gehaltsforderungen gestellt haben.
Berichte, wonach der Spanier rund 20 Millionen Euro verlangt habe, weist Maldini zurück.
Guardiolas Ansage sei vielmehr ungefähr gewesen: Gebt mir einfach einen Euro weniger als meinem Vorgänger.
Für einen Mann, dessen Mannschaften normalerweise jeden Quadratmeter Rasen bis auf die dritte Nachkommastelle durchorganisieren, fast schon verdächtig unkompliziert.
Also: Aufstellungen vorhanden. Kader analysiert. Gehalt offenbar kein Problem.
Was konnte jetzt noch schiefgehen?
Nun ja: Pep wollte Urlaub.
Zehn Jahre Premier League hinterlassen Spuren
Nach zehn kräftezehrenden Jahren bei Manchester City brauche Guardiola laut Maldini zunächst eine Pause.
Dazu kam eine Rückenoperation.
Der 55-Jährige wollte deshalb offenbar erst einmal etwas erleben, das in seinem Trainerleben zuletzt eher selten vorkam: einen Tag, an dem niemand wissen möchte, warum der Linksverteidiger im Spielaufbau plötzlich im zentralen Mittelfeld steht.
Italien musste sich also anderweitig umsehen.
Maldini wollte Pirlo – der Verband eher nicht
Nach Guardiolas Absage setzte Maldini auf Andrea Pirlo.
Doch auch daraus wurde nichts.
Verbandspräsident Giovanni Malagò soll wegen Pirlos enger Kontakte nach Russland gegen die Lösung gewesen sein. Gleichzeitig wollte Malagò die Entscheidung über den neuen Nationaltrainer offenbar selbst treffen.
Maldini fand das weniger charmant.
Sinngemäß: Wenn man ihm Verantwortung gebe, müsse man ihn die Verantwortung auch tatsächlich übernehmen lassen.
Eine im italienischen Fußball durchaus gewagte Forderung.
Nach gerade einmal 16 Tagen trat Maldini wieder zurück.
Inzwischen wurde Roberto Mancini als neuer Nationaltrainer vorgestellt.
Damit endet eine Trainersuche, bei der Guardiola schon Aufstellungen malte, Pirlo beinahe Trainer wurde, Maldini schneller wieder ging als manche Spieler in der Halbzeitpause – und am Ende Mancini übernehmen durfte.
Italien hat also wieder einen Trainer. Und Pep seine Ruhe.