Dallas Pokornik hatte offenbar einen einfachen Reiseplan: Warum Flugtickets kaufen, wenn man auch einfach behaupten kann, Pilot zu sein?
Honolulu – Andere Menschen sammeln Meilen. Dallas Pokornik sammelte offenbar lieber kostenlose Flüge.
Der 34-jährige Kanadier hat vor einem US-Bundesgericht auf Hawaii gestanden, sich jahrelang als Airline-Pilot ausgegeben zu haben, um kostenlos durch die Weltgeschichte zu fliegen.
Oder anders gesagt:
Er hatte weder Flugzeug noch Pilotenschein – aber offenbar sehr überzeugendes Handgepäck.
Die Geschichte erinnert verdächtig an „Catch Me If You Can“. Nur dass Leonardo DiCaprio am Ende eines Drehtags nach Hause ging und Dallas Pokornik jetzt vor Gericht sitzt.
Erst Flugbegleiter, dann plötzlich Kapitän im Geiste
Ganz fremd war Pokornik die Luftfahrt nicht.
Zwischen 2017 und 2019 arbeitete er als Flugbegleiter bei einer Airline in Toronto. Dort lernte er sogenannte „Non-Rev“-Programme kennen, mit denen Airline-Mitarbeiter kostenlos oder stark vergünstigt fliegen können.
Dann endete sein Arbeitsverhältnis.
Für normale Menschen bedeutet das:
Mitarbeiterausweis abgeben, Lebenslauf aktualisieren, vielleicht mal LinkedIn öffnen.
Pokornik entschied sich offenbar für Plan B:
„Dann bin ich jetzt eben Pilot.“
Laut US-Staatsanwaltschaft besorgte er sich einen gefälschten Pilotenausweis und gab sich fortan als Verkehrsflugzeugführer aus.
Zwischen Januar 2020 und Oktober 2024 soll er sich damit Hunderte kostenlose Flüge bei drei großen US-Airlines erschlichen haben.
Hunderte.
Andere schaffen es nicht einmal, ihre BahnCard rechtzeitig zu verlängern.
Wenn schon schummeln, dann bitte erste Reihe
Besonders bemerkenswert: Pokornik begnügte sich offenbar nicht damit, hinten gemütlich zwischen Touristengruppe und schreiendem Kleinkind Platz zu nehmen.
Wenn ein Flug voll war, soll er sogar Plätze auf dem sogenannten Cockpit-Jumpseat beantragt haben.
Also dort, wo normalerweise echte Piloten und autorisierte Crewmitglieder sitzen.
Das ist ungefähr so, als würde man sich mit einem selbst gebastelten Arztausweis ins Krankenhaus schleichen und sagen:
„OP voll? Kein Problem, ich stell mich einfach mit an den Tisch.“
Auch Plätze am Notausgang soll er genutzt haben.
Immerhin passend.
Denn falls jemand irgendwann gefragt hätte: „Sind Sie wirklich Pilot?“, wäre ein schneller Ausgang durchaus praktisch gewesen.
Der Ausweis sah irgendwann doch etwas zu kreativ aus
Jahrelang ging die Masche offenbar gut.
Uniform, selbstbewusstes Auftreten, Ausweis vorzeigen – und schon öffneten sich Türen.
Doch dann traf Pokornik auf den gefährlichsten Gegner jedes Hochstaplers:
einen Mitarbeiter, der genauer hinschaut.
Einem Airline-Angestellten kam der angebliche Pilotenausweis verdächtig vor. Er fotografierte die Karte und meldete den Vorgang.
So unspektakulär kann eine jahrelange Weltreise enden.
Keine internationale Geheimoperation.
Kein FBI-Agent, der ihm durch fünf Länder folgt.
Einfach jemand, der denkt:
„Moment mal. Der Ausweis sieht aber komisch aus.“
Panama statt Premium-Lounge
Nach seiner Anklage im Oktober 2025 wurde Pokornik schließlich in Panama festgenommen und an die USA ausgeliefert.
Jetzt ist Schluss mit kostenlosen Flügen.
Statt Abflugtafel gibt es Gerichtstermine.
Statt Lounge-Zugang Anwaltstermine.
Und statt „Boarding completed“ womöglich bald:
„Bitte für längere Zeit Platz nehmen.“
Denn Pokornik drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis sowie eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Dollar.
Das Urteil soll am 8. Dezember fallen.
Der vielleicht teuerste Gratisurlaub der Welt
Damit könnte sich Pokorniks Sparmodell am Ende als überraschend kostspielig herausstellen.
Jahrelang kein Geld für Flugtickets ausgeben – und dafür möglicherweise 20 Jahre bezahlen.
Das nennt man vermutlich schlechte Reiseökonomie.
Oder:
All inclusive, nur ohne Meerblick.
Der große Unterschied zu „Catch Me If You Can“ bleibt ohnehin:
Im Film läuft irgendwann der Abspann.
Im echten Leben kommt danach die Staatsanwaltschaft.