Auf den ersten Blick erscheint die Entwicklung widersprüchlich. Die Verkaufszahlen sind gestiegen, dennoch bleibt bei zahlreichen Händlern am Ende weniger Geld übrig. Ein wesentlicher Grund sind die hohen Zinsen. Sie verteuern die Finanzierung von Fahrzeugen und belasten damit sowohl Händler als auch Kunden.
Gerade für Autohäuser ist das problematisch. Fahrzeuge binden erhebliche Summen, bevor sie verkauft werden. Steigen die Finanzierungskosten, kann ein wachsender Fahrzeugbestand schnell zu einer zusätzlichen Belastung werden.
Ein Prozent Rendite lässt kaum Spielraum
Nach Einschätzung von Stefan Reindl ist die Vorsteuerrendite der Branche innerhalb von zwei Jahren auf rund ein Prozent gesunken.
Eine derart geringe Marge bedeutet, dass schon vergleichsweise kleine Kostensteigerungen erhebliche Auswirkungen auf das Betriebsergebnis haben können. Höhere Löhne, Energie- und Finanzierungskosten oder länger als erwartet stehende Fahrzeuge können die Kalkulation zusätzlich belasten.
Das Problem ist damit nicht zwangsläufig fehlender Umsatz. Entscheidend ist vielmehr, wie viel von diesem Umsatz tatsächlich als Gewinn übrig bleibt.
Digitalisierung wird zur Überlebensfrage
Reindl sieht die Schwierigkeiten allerdings nicht ausschließlich in der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Viele Autohäuser hätten weiterhin mit veralteten Managementstrukturen und mangelnder Digitalisierung zu kämpfen.
Das Geschäftsmodell des klassischen Autohauses verändert sich gleichzeitig erheblich. Kunden informieren sich online über Fahrzeuge und Preise, vergleichen Finanzierungen und erwarten digitale Kontakt- und Kaufmöglichkeiten.
Für Händler bedeutet das: Prozesse, die früher weitgehend analog funktionierten, müssen zunehmend digital organisiert werden. Wer diese Entwicklung verschläft, riskiert zusätzliche Kosten und Wettbewerbsnachteile.
Insolvenz von Autohaus König sorgt für Aufmerksamkeit
Wie ernst die wirtschaftlichen Schwierigkeiten einzelner Unternehmen werden können, zeigt die Entwicklung bei der Autohauskette König. Das Unternehmen meldete Anfang September Insolvenz an.
Nach eigenen Angaben betreibt die Gruppe rund 80 Autohäuser in Deutschland. Die Insolvenz eines Unternehmens dieser Größenordnung sorgt entsprechend für Aufmerksamkeit innerhalb der Branche.
Aus dem einzelnen Insolvenzfall lässt sich allerdings nicht ableiten, dass der gesamte deutsche Autohandel vor einer Insolvenzwelle steht. Die Kombination aus niedrigen Margen, hohen Finanzierungskosten und strukturellem Anpassungsdruck zeigt jedoch, dass die wirtschaftlichen Reserven vieler Betriebe begrenzt sein können.
Der Autohandel steht vor einem grundlegenden Umbau
Hinzu kommt der Wandel der Automobilindustrie selbst. Elektromobilität, neue Vertriebsmodelle und ein zunehmend digitaler Fahrzeugkauf verändern die traditionelle Rolle der Händler.
Damit reicht es für viele Betriebe künftig möglicherweise nicht mehr, einfach mehr Fahrzeuge zu verkaufen. Entscheidend wird sein, mit welchen Kosten diese Verkäufe erzielt werden und wie effizient ein Autohaus organisiert ist.
Die Rendite von nur noch rund einem Prozent ist deshalb ein Warnsignal. Denn wenn trotz höherer Verkaufszahlen kaum Gewinn entsteht, wird aus einem Absatzproblem schnell ein Strukturproblem.