Dark Mode Light Mode

Windpark Egeln mit fast neun Millionen Euro Schulden – Projekt befindet sich weiter in Planung

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Der am 10. September 2026 veröffentlichte Jahresabschluss betrifft das Geschäftsjahr vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2025. Die Bilanzsumme der Windpark Egeln GmbH erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr von 8,73 Millionen auf 9,01 Millionen Euro.

Die Gesellschaft gehört über ihre Gesellschafterin Volkswind GmbH zum Konzernumfeld der Axpo Solutions AG und wird in deren Konzernabschluss einbezogen.

Verbindlichkeiten steigen auf 8,94 Millionen Euro

Die auffälligste Position befindet sich auf der Passivseite. Die Verbindlichkeiten erhöhten sich von 8,66 Millionen Euro auf 8,94 Millionen Euro.

Nach Angaben im Anhang handelt es sich dabei um Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern. Besonders bemerkenswert ist deren langfristiger Charakter: Verbindlichkeiten von rund 8,944 Millionen Euro haben eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.

Das spricht für eine langfristige Finanzierung der Gesellschaft beziehungsweise ihres Projektes.

Dem stehen lediglich 54.798,40 Euro Eigenkapital gegenüber. Dieser Betrag blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert und setzt sich aus 25.000 Euro gezeichnetem Kapital sowie einem Gewinnvortrag von 29.798,40 Euro zusammen.

Die hohe Fremdfinanzierungsquote ist auffällig, muss bei einer Projektgesellschaft aber im Zusammenhang mit ihrer Funktion und der Finanzierung des geplanten Windparks betrachtet werden.

Millionenwert steckt in einem Projekt

Auf der Aktivseite dominieren die immateriellen Vermögensgegenstände. Sie werden zum Bilanzstichtag mit 4,43 Millionen Euro angesetzt. Im Vorjahr waren es noch 4,57 Millionen Euro.

Im Anhang liefert das Unternehmen einen wichtigen Hinweis darauf, was sich dahinter verbirgt: Die immateriellen Vermögensgegenstände umfassen im Wesentlichen den Kaufpreis eines Projektes.

Hinzu kommen Sachanlagen von knapp 136.000 Euro. Diese haben sich gegenüber den rund 56.000 Euro des Vorjahres mehr als verdoppelt.

Nach Unternehmensangaben handelt es sich dabei um Investitionen in einen in Planung befindlichen Windpark.

Damit wird deutlich: Zum Bilanzstichtag befand sich das Windparkprojekt noch in der Planungs- beziehungsweise Entwicklungsphase.

Forderungen steigen sprunghaft

Eine weitere große Veränderung zeigt das Umlaufvermögen. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände erhöhten sich von 492.661,72 Euro auf 1,18 Millionen Euro.

Damit haben sie sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

Laut Anhang bestehen darunter insbesondere kurzfristige Forderungen gegenüber der Gesellschafterin.

Die liquiden Mittel entwickelten sich dagegen rückläufig. Die Kassen- und Bankguthaben sanken von rund 800.272 Euro auf 705.555 Euro.

Insgesamt erhöhte sich das Umlaufvermögen dennoch deutlich von 1,29 Millionen auf 1,89 Millionen Euro.

2,56 Millionen Euro Rechnungsabgrenzung

Außergewöhnlich groß ist zudem der aktive Rechnungsabgrenzungsposten. Er beträgt zum Bilanzstichtag 2,56 Millionen Euro, nach 2,81 Millionen Euro im Vorjahr.

Solche Posten erfassen Ausgaben, die bereits vor dem Bilanzstichtag geleistet wurden, wirtschaftlich aber Aufwand für einen Zeitraum danach darstellen.

Welche konkreten Zahlungen hinter den rund 2,56 Millionen Euro stehen, wird in den vorgelegten Angaben nicht näher aufgeschlüsselt.

Kein Personal – aber Millionenprojekt

Trotz einer Bilanzsumme von mehr als neun Millionen Euro beschäftigt die Windpark Egeln GmbH nach eigenen Angaben keine Mitarbeiter. Auch im Vorjahr gab es keine Beschäftigten.

Das ist für eine Projektgesellschaft nicht zwangsläufig ungewöhnlich. Aufgaben können innerhalb einer Unternehmensgruppe oder über externe Dienstleister erledigt werden.

Die Gesellschaft gehört zur Volkswind GmbH mit Sitz in Oldenburg. Zugleich wird Windpark Egeln in den Konzernabschluss der Axpo Solutions AG einbezogen.

Wechsel in der Geschäftsführung

Auch personell gab es nach Ende des Geschäftsjahres eine Veränderung.

Katja Stommel gehörte der Geschäftsführung bis zum 26. Oktober 2025 an. Klaus Heckenberger wurde am folgenden Tag zum Geschäftsführer bestellt und im November ins Register eingetragen.

Daneben wird Lars Kröner als Geschäftsführer genannt.

Der Jahresabschluss wurde am 30. Juni 2026 unterzeichnet und am 6. Juli 2026 festgestellt beziehungsweise gebilligt.

Viel Fremdkapital für ein noch nicht fertiges Projekt

Der Abschluss unterscheidet sich deutlich von den zuvor betrachteten kleinen Windpark-Beteiligungsgesellschaften. Hier geht es nicht um Bilanzsummen von wenigen Tausend Euro, sondern um ein Projekt mit Vermögenswerten und Finanzierungen in Millionenhöhe.

Besonders im Blick stehen drei Größen: 4,43 Millionen Euro immaterielle Vermögenswerte, 2,56 Millionen Euro aktive Rechnungsabgrenzung und 8,94 Millionen Euro Verbindlichkeiten.

Die hohe Verschuldung allein erlaubt jedoch keine Aussage darüber, ob sich die Gesellschaft in finanziellen Schwierigkeiten befindet. Wichtig ist, dass es sich laut Anhang um langfristige Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern handelt und der Windpark noch in Planung ist.

Damit dürfte für die weitere Entwicklung vor allem eine Frage entscheidend sein: Gelingt es, aus dem bilanzierten und finanzierten Projekt tatsächlich einen wirtschaftlich erfolgreichen Windpark zu entwickeln?

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

CDU in Mecklenburg-Vorpommern auf Distanz zu Merz: „Wir führen mittlerweile einen Existenzkampf“

Next Post

Streit in Schwarz-Rot eskaliert: CDU-Politiker fordert Rücktritt von Bärbel Bas – Klingbeil reagiert empört