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Energie Cottbus: Hauptsache gewonnen

Bru-nO (CC0), Pixabay

Energie ist wieder in Liga 2 – nur der Strom wusste offenbar nichts davon

Zwölf Jahre warten wir auf Zweitliga-Fußball in Cottbus. Dann ist es endlich so weit – und ausgerechnet bei ENERGIE fällt erst der Schiri-Funk und dann der Strom aus. Kannste dir nicht ausdenken. Musste auch nicht.

Zwölf Jahre.

ZWÖLF.

Seit 2014 haben wir Energie-Fans darauf gewartet, wieder ein Zweitliga-Spiel in Cottbus zu sehen.

Regionalliga. Dritte Liga. Hoffen. Fluchen. Aufsteigen. Wieder fluchen.

Und dann endlich:

Energie Cottbus gegen Hannover 96. Zweite Bundesliga.

Das Stadion voll, die Leute heiß, die Mannschaft bereit.

Anpfiff?

Natürlich nicht.

Denn kurz vor Spielbeginn funktioniert der Funk der Schiedsrichter nicht.

Neun Minuten Verzögerung.

Nach zwölf Jahren Wartezeit denkt man sich als Cottbuser:

„Na gut. Die neun Minuten schaffen wir jetzt och noch.“

Man hätte wissen müssen, dass das lediglich das Vorprogramm war.

Willkommen zurück in Liga 2 – hier ist Ihr Chaos-Paket

Irgendwann läuft der Schiri-Funk wieder und tatsächlich wird Fußball gespielt.

Und Energie macht direkt klar, dass wir nicht zwölf Jahre zurückgekommen sind, um höflich Guten Tag zu sagen.

  1. Minute: Freistoß Tolcay Ciğerci.

Der Ball wird in der Mauer abgefälscht, fliegt unhaltbar ins Tor.

1:0 Energie!

Wie genau?

Völlig egal.

Nach zwölf Jahren Zweitliga-Abstinenz nehme ich auch ein Tor, das über drei Gegenspieler, den Linienrichter und eine Bratwurstbude abgefälscht wird.

Drin ist drin.

Die Lausitz lebt.

Dann spielt Hannover Fußball – leider ziemlich viel davon

Danach übernimmt Hannover.

Und zwar so deutlich, dass man als Energie-Fan langsam wieder diese vertraute Körperhaltung einnimmt:

Oberkörper nach vorne.

Hände vors Gesicht.

Leises Murmeln von:

„Nu macht doch mal…“

In der 28. Minute fällt dann tatsächlich das 1:1.

Christopher Bundu legt vor, Neubauer haut den Ball ins kurze Eck.

Verdient?

Leider ja.

Hannover drückt danach weiter und Energie sieht phasenweise aus, als hätte man vergessen, dass zur Zweiten Bundesliga außer schönen Trikots auch gelegentlich Ballbesitz gehört.

Aber Fußball ist zum Glück keine Haltungsnote.

Halbzeit – und jetzt geht bei Energie wirklich die Energie aus

Dann kommt die Pause.

Und plötzlich wird aus dem Fußballspiel eine Folge von „Elektroinstallation mit Claus-Dieter Wollitz“.

Erst verstummen die Musikboxen.

Dann geht die Anzeigetafel aus.

Dann offenbar fast alles.

Stromausfall im Stadion.

Bei Energie Cottbus.

ENERGIE.

COTTBUS.

Das ist ungefähr so, als würde bei Wasserfreunde Spandau plötzlich das Schwimmbecken austrocknen.

Oder bei Red Bull die Getränkedosen ausgehen.

Unser Verein heißt seit Jahrzehnten Energie und scheitert am Strom.

Mehr ostdeutschen Humor kann man gar nicht erfinden.

Die zweite Halbzeit beginnt deshalb weitere zehn Minuten später.

Sky hat seine Halbzeitanalyse inzwischen vorsichtshalber nach Nürnberg verlegt.

Kann ich verstehen.

Dort gab es vermutlich Elektrizität.

Hannover kennt das schon

Das wirklich Absurde:

So etwas gab es in Cottbus offenbar schon einmal.

Vor 29 Jahren.

Auch damals gab es Probleme mit der Energieversorgung.

Und der Gegner?

Hannover 96.

An diesem Punkt müssen wir bitte aufhören, von Zufall zu sprechen.

Ich möchte jetzt Ermittlungen.

Was haben die Hannoveraner seit 1997 gegen unser Stromnetz?

Reisen die mit einem Verlängerungskabel an?

Steht irgendwo im Mannschaftsbus ein Mann mit Seitenschneider?

Fragen, die geklärt werden müssen.

Energie-Boss Sebastian Lemke erklärte später, es habe Überlastungen gegeben und zeitweise sei alles ausgefallen.

Man wolle nun nach der Ursache suchen.

Ich hätte einen ersten Ansatz:

Vielleicht war das Stadion nach zwölf Jahren Zweitliga einfach emotional überladen.

Fußball wurde übrigens auch noch gespielt

Während Lautsprecher und Anzeigetafel langsam wieder hochfahren, läuft auf dem Rasen dasselbe Spiel weiter:

Hannover macht Druck.

Energie hält irgendwie dagegen.

Und dann passiert das, weshalb Fußball eine völlig bescheuerte Sportart ist.

Foulelfmeter Cottbus.

Ciğerci tritt an.

2:1!

Hannover war überlegen.

Hannover hatte Chancen.

Hannover hätte laut Trainer Christian Titz gefühlt schon sieben Tore haben müssen.

Hat Hannover aber nicht.

Wir haben zwei.

Entschuldigung, liebe Statistik.

Vier Schüsse, drei Tore – nennt man Effizienz

Und dann kommt Butler.

  1. Minute.

3:1 ENERGIE!

Jetzt explodiert die Bude endgültig – jedenfalls alles, was wieder Strom hat.

Am Ende steht eine wunderschöne Statistik:

Vier Cottbuser Schüsse aufs Tor. Drei Treffer.

75 Prozent Trefferquote.

Andere nennen das glücklich.

Ich nenne das:

nachhaltigen Umgang mit Torchancen.

Wir verschwenden eben nichts.

Hannover produziert Chancen wie ein Großkonzern.

Energie arbeitet mittelständisch:

wenig Material, hohe Ausbeute.

Effizienzstandort Lausitz.

Hannover-Trainer: „Fußball kann grauenhaft sein“

96-Trainer Christian Titz war anschließend bedient.

Seine Mannschaft sei klar überlegen gewesen, eigentlich hätte das Spiel schon zur Halbzeit mit sieben Toren entschieden sein müssen.

Und dann sagte er den schönen Satz:

„Fußball kann grauenhaft sein.“

Da muss ich als Energie-Fan widersprechen.

Ich fand ihn ausgesprochen angenehm.

Vielleicht sogar wunderschön.

Claus-Dieter Wollitz war dagegen realistischer. Energie habe beim Ergebnis viel Glück gehabt und noch viel Arbeit vor sich.

Stimmt natürlich.

Aber Claus-Dieter, heute möchte ich bitte keine Analyse.

Heute möchte ich die Tabelle ansehen.

Zwölf Jahre später: Wir sind wieder da

Natürlich war das spielerisch nicht alles Gold.

Natürlich war Hannover phasenweise deutlich besser.

Natürlich haben wir Arbeit vor uns.

Aber nach zwölf Jahren Zweitliga-Pause startet Energie mit einem 3:1-Sieg.

Gegen Hannover.

Mit kaputtem Schiri-Funk.

Mit Stromausfall.

Mit ausgefallener Anzeigetafel.

Mit vier Torschüssen.

Und drei Toren.

Andere Vereine steigen einfach auf und spielen dann Fußball.

Energie Cottbus veranstaltet zur Rückkehr gleich eine Mischung aus Zweitliga-Spiel, Stromkrise, Technikmesse und Glücksspiel.

Ganz normaler Sonntag in der Lausitz.

Und falls jemand fragt, wie viel Aussagekraft dieser erste Spieltag hat:

Gar keine.

Überhaupt keine.

Wir bleiben bescheiden.

Es sind noch 33 Spiele.

Die Saison ist lang.

Man sollte jetzt wirklich nicht übertreiben.

Aber wenn wir mit 75 Prozent unserer Torschüsse treffen, können die schon mal den Rathausbalkon für Mai reservieren.

Nur bitte vorher prüfen, ob dort Strom ist.

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