Der Jahresabschluss der Windpark Oberthal GmbH für das Geschäftsjahr 2024 zeigt aus Anlegersicht ein überwiegend solides, aber nicht unproblematisches Bild. Während die Gesellschaft weiterhin über eine stabile Vermögensbasis und hohe Liquidität verfügt, fällt insbesondere der deutliche Rückgang des Jahresüberschusses auf. Gleichzeitig setzt sich der Schuldenabbau bei den Bankdarlehen fort.
Die Gesellschaft mit Sitz in Oberthal im Saarland betreibt Windenergieanlagen zur Stromerzeugung und Vermarktung von erneuerbarer Energie. Die Geschäftstätigkeit konzentriert sich auf Windkraftprojekte in der Region und erfolgt innerhalb der Struktur der VSE-Gruppe, was organisatorische und operative Unterstützung bietet.
Ein Blick auf die Bilanz zeigt zunächst eine insgesamt solide Vermögensstruktur. Das Anlagevermögen, das im Wesentlichen aus den Windenergieanlagen besteht, beträgt rund 6,32 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Wert deutlich gesunken. 2023 lag das Anlagevermögen noch bei rund 7,48 Millionen Euro. Der Rückgang ist vor allem auf planmäßige Abschreibungen zurückzuführen, da die Anlagen über eine Nutzungsdauer von 16 Jahren linear abgeschrieben werden.
Das Umlaufvermögen der Gesellschaft ist dagegen vergleichsweise stark ausgeprägt. Die Bankguthaben belaufen sich auf rund 4,63 Millionen Euro, während die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände auf über 1,03 Millionen Euro gestiegen sind. Besonders auffällig ist der deutliche Anstieg dieser Forderungen gegenüber dem Vorjahr, als sie noch bei rund 227.000 Euro lagen. Hintergrund sind unter anderem Abrechnungen aus der Stromeinspeisung sowie Ansprüche gegenüber dem Anlagenhersteller aufgrund technischer Verfügbarkeitsgarantien.
Die Bilanzsumme der Gesellschaft ging insgesamt von rund 13,5 Millionen Euro auf etwa 12,0 Millionen Euro zurück. Dieser Rückgang hängt vor allem mit der fortschreitenden Abschreibung der Anlagen und der Tilgung von Darlehen zusammen.
Auf der Passivseite zeigt sich eine weiterhin solide Eigenkapitalbasis. Das Eigenkapital beträgt rund 5,29 Millionen Euro, was einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr entspricht. 2023 lag das Eigenkapital noch bei rund 5,69 Millionen Euro. Ursächlich dafür ist vor allem der deutlich geringere Jahresüberschuss.
Der Jahresgewinn sank von rund 1,28 Millionen Euro im Jahr 2023 auf etwa 596.000 Euro im Jahr 2024. Damit hat sich der Gewinn nahezu halbiert. Solche Schwankungen sind im Bereich der Windenergie nicht ungewöhnlich, da die Einnahmen stark von Faktoren wie Windaufkommen, Strompreisen, Wartungskosten oder technischen Verfügbarkeiten der Anlagen abhängen.
Die Rückstellungen der Gesellschaft belaufen sich auf rund 1,08 Millionen Euro und betreffen unter anderem Steuernachzahlungen, Abschlusskosten sowie Rückbauverpflichtungen für die Windkraftanlagen. Gerade Rückbauverpflichtungen sind bei Windparks ein wichtiger Bestandteil der bilanziellen Vorsorge, da Betreiber gesetzlich verpflichtet sind, die Anlagen nach Ende der Betriebsdauer wieder zurückzubauen.
Die Verbindlichkeiten der Gesellschaft liegen bei rund 5,65 Millionen Euro, wobei der Großteil auf langfristige Bankdarlehen entfällt. Positiv aus Anlegersicht ist, dass diese Schulden deutlich gesunken sind. Im Vorjahr lagen sie noch bei rund 6,84 Millionen Euro. Die Gesellschaft reduziert somit kontinuierlich ihre Fremdfinanzierung.
Die langfristigen Kredite sind umfangreich besichert. Dazu gehören unter anderem Sicherungsübereignungen der Windenergieanlagen sowie Abtretungen von Rechten aus Stromliefer- und Betriebsverträgen. Zusätzlich sind Reservekonten zugunsten der finanzierenden Landesbank Saar verpfändet.
Neben den bilanziellen Verbindlichkeiten bestehen auch längerfristige Verpflichtungen aus Wartungs-, Betriebs- und Pachtverträgen. Besonders relevant ist der Vollwartungsvertrag für die Anlagen mit Verpflichtungen von rund 1,08 Millionen Euro bis 2028. Darüber hinaus bestehen Pachtzahlungen an die Gemeinde Oberthal, die sich insgesamt auf rund 1,96 Millionen Euro bis 2038 belaufen.
Die Gesellschaft wird von Jochen Klemm und Dr. Frank Schmeer geführt. Schmeer ist gleichzeitig Leiter des Bereichs Erneuerbare Energien bei der VSE AG, wodurch eine enge Verbindung zur Mutterstruktur besteht.
Aus Anlegersicht ergibt sich insgesamt ein relativ stabiles Bild: Die Gesellschaft verfügt über eine solide Eigenkapitalbasis, hohe Liquidität sowie eine kontinuierlich sinkende Verschuldung. Diese Faktoren sprechen für eine grundsätzlich stabile wirtschaftliche Lage.
Gleichzeitig ist der deutliche Rückgang des Jahresüberschusses ein wichtiger Punkt, der beobachtet werden sollte. Sollte sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen, könnte dies Auswirkungen auf Ausschüttungen oder die langfristige Rendite des Projekts haben.
Im Nachtragsbericht stellt die Geschäftsführung allerdings klar, dass nach dem Bilanzstichtag keine Ereignisse eingetreten sind, die die wirtschaftliche Stabilität der Gesellschaft gefährden könnten. Damit bleibt der Windpark Oberthal trotz schwächerer Ertragslage weiterhin ein vergleichsweise solides Infrastrukturprojekt im Bereich der erneuerbaren Energien.