1) Fondsprofil & Strategie: defensives Multi-Asset mit Nachhaltigkeitsfilter
Aus Anlegersicht ist der Fonds klar als Euro-lastiger, risikoärmer positionierter Multi-Asset-Fonds zu lesen:
Ziel-Allokation: Mindestens 25% Aktienbeteiligungen, angestrebt ca. 30% Aktienquote; dazu überwiegend nachhaltige, EUR-denominierte Anleihen.
Aktien-Ansatz: „Low-Risk/Low-Volatility“-Selektion (tendenziell defensiver als der Gesamtmarkt).
Anleihen-Ansatz: Laufzeitdiversifikation, „möglichst bis Fälligkeit“ (Transaktionskosten niedrig halten), im Schnitt Investment-Grade – im Bericht konkret: durchschnittliches Rating A und laufende Rendite ~3% zum Geschäftsjahresende.
Nachhaltigkeit (SFDR Art. 8): Ausschlusskriterien + „absoluter“ Filter über MSCI-Score (strenger als viele reine Best-in-Class-Ansätze). Das reduziert potenziell das Universum deutlich – gut für ESG-Konformität, kann aber Tracking Error/Abweichungen vom Markt erhöhen.
Interpretation: Der Fonds ist eher ein stabiler Kernbaustein für Anleger, die (1) Nachhaltigkeit verbindlich wollen und (2) keine aggressive Aktienmarkt-„Jagd“ nach Rendite suchen, sondern kontrollierte Schwankungen.
2) Performance 2024/25: positiv, aber hinter starken Aktien-Benchmarks
Im Zeitraum 01.11.2024–31.10.2025 lag die Wertentwicklung bei +4,64% (BVI, ohne Ausgabeaufschlag).
Treiber laut Bericht:
Anleihen: beitragend ca. +2,61% (Rentenanteil erwirtschaftete +3,78% trotz geringerer Duration; nahe am Euro Aggregate TR +2,74%, sogar besser).
Aktien: Aktienanteil +7,91%, Beitrag ca. +2,45%.
Einordnung relativ zum Umfeld:
Breite Indizes waren teils deutlich stärker (z.B. EuroStoxx 50 +20,1%, S&P 500 +14,3% in EUR).
Der Fonds nennt den Kernpunkt selbst: Low-Volatility-Faktor blieb hinter dem breiten Markt zurück (Beispiel: S&P Europe 350 Low Volatility +13,6% vs. S&P Europe 350 +16,8%).
Interpretation: Das Ergebnis ist „planmäßig“ für ein defensiveres Profil: plus, aber nicht marktführend, insbesondere in einem Jahr, in dem Risikoassets/Tech stark liefen.
3) Portfolio: stabiler Mix, breite Streuung – aber Aktien sehr „gleichgewichtet“
Fondsvermögen sank leicht von 57,9 Mio. EUR auf 56,0 Mio. EUR (u.a. durch Nettoabflüsse).
Struktur zum 31.10.2025:
Anleihen: 68,86%
Aktien: 30,08%
Liquidität/sonstiges: sehr gering
Aktienseite (Auffälligkeit):
Sehr breite Länderstreuung, aber kein US-Übergewicht (USA nur ~2% des Fondsvermögens in Aktien).
Viele Positionen liegen einzeln grob um 0,4–0,6% des Fondsvermögens – wirkt wie ein systematisches, gleichgewichtetes Low-Risk-Portfolio.
Konsequenz: In Tech-getriebenen Rallyes ist Underperformance gegenüber US-lastigen Benchmarks wahrscheinlicher; dafür oft besseres Diversifikationsprofil.
Anleihenseite (Auffälligkeit):
Laufzeiten sind breit verteilt, inkl. ~14,46% >=10 Jahre – Zinsänderungsrisiko bleibt also relevant, auch wenn Duration „geringer“ als Benchmark war.
Viele Emittenten sind qualitativ solide (viel Financials/Corporates, auch öffentliche Emittenten/Institutionen).
Fokus auf EUR reduziert Währungsrisiko im Bond-Teil – gut für Euro-Anleger.
4) Ausschüttung & Cashflows: Ausschüttungsfonds mit Abflüssen
Endausschüttung: 3,75 EUR je Anteil (insgesamt 2,02 Mio. EUR).
Netto-Mittelabfluss: ca. -2,50 Mio. EUR (Rücknahmen überstiegen Zeichnungen deutlich).
Interpretation: Für Ausschüttungsanleger ist die Zahlung attraktiv, allerdings war das Jahr von Nettoabflüssen geprägt – das ist kein Qualitätsurteil, aber ein Indikator, dass Anlegergelder eher abwanderten (z.B. wegen Alternativen wie Tages-/Festgeld in einem noch relativ attraktiven Zinsumfeld).
5) Kosten & Umsetzung: sehr kosteneffizient, niedrige Transaktionskosten
Gesamtkostenquote (TER, ohne Transaktionskosten): 0,45% → für aktions-/anleihegemischte ESG-Strategie vergleichsweise schlank.
Transaktionskosten: nur 8.448 EUR im Jahr – stützt die Aussage „Buy & Hold bis Fälligkeit“ im Rententeil bzw. insgesamt geringe Umschichtung.
Interpretation: Kosten sprechen klar für den Fonds, gerade bei moderaten erwarteten Kapitalmarktrenditen.
6) Risiko-Check aus Investorensicht (jenseits der Standard-Risikotexte)
Die Risikosektion ist formal, aber aus Anlegerperspektive sind hier die „echten“ Stellhebel:
Faktor-/Stilrisiko (Low-Volatility): In Momentum-/Tech-lastigen Haussephasen kann der Fonds dauerhaft hinterherlaufen.
Zinsrisiko bleibt relevant: Trotz Bond-Qualität ist ein signifikanter Teil mittel-langlaufend; bei unerwartetem Inflations-/Zinsanstieg kann das drücken.
Credit-Spread-Risiko: Es gibt Beimischungen riskanterer Anleihen (High Yield möglich), auch wenn das Durchschnittsrating „Investment Grade“ bzw. zuletzt A ist. In Stressphasen können Spreads schnell aufgehen.
ESG-Restriktionen: Strengere Filter können das Investmentuniversum verengen → Abweichungsrisiko zum Markt steigt (positiv oder negativ).
Währungsrisiko: In Bonds kaum, aber über Aktienpositionen (z.B. AUD, CAD, JPY, USD etc.) besteht Aktien-FX-Exposure – allerdings bei relativ gleichmäßiger Streuung.
7) Governance & Prüfungsvermerk
Der Jahresbericht wurde von KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit positivem Prüfungsurteil versehen; formal wirkt die Berichterstattung sauber. Die Kapitalverwaltungsgesellschaft Universal-Investment-Gesellschaft mbH beschreibt zudem ein reguliertes Vergütungssystem (aufsichtsrechtlicher Standard).
Fazit: Für wen passt der Fonds – und wann eher nicht?
Passt gut, wenn Sie…
einen defensiveren ESG-Multi-Asset-Baustein suchen (Aktien ~30%, Bonds ~70%),
Kostenbewusstsein wichtig finden (TER 0,45%),
Euro-Basis bevorzugen und keine Benchmark-Jagd auf S&P- oder Tech-Performance machen wollen,
eine Strategie akzeptieren, die in starken Momentumjahren hinterherlaufen kann, dafür oft stabiler wirkt.
Eher nicht ideal, wenn Sie…
in Aktienrallyes „möglichst nah am Index“ sein wollen (besonders USA/Tech),
eine sehr hohe Aktienquote suchen,
ESG-Filter als potenzielle Renditebremse sehen und lieber „breit ohne Restriktionen“ investieren.