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GG Wasserstoff 2025: Thematisch stark positioniert, aber weiter ein Hochrisiko-Fonds mit gemischter Qualitätsbasis
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GG Wasserstoff 2025: Thematisch stark positioniert, aber weiter ein Hochrisiko-Fonds mit gemischter Qualitätsbasis

geralt (CC0), Pixabay

Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht des GG Wasserstoff ein klares Bild: Der Fonds bleibt ein sehr chancenorientiertes, aber zugleich sehr volatiles Themeninvestment auf den Wasserstoff- und Dekarbonisierungstrend. 2025 war kein Jahr eines stabilen Durchmarschs, sondern eines aktiven Umschichtens in einem schwierigen Marktumfeld. Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick ordentlich, bei genauerem Hinsehen bleibt das Chance-Risiko-Profil jedoch anspruchsvoll.

Der Fonds verfolgt weiterhin einen breit ausgelegten Wasserstoffansatz. Er investiert nicht nur in klassische Pure Plays, sondern auch in Unternehmen, die indirekt von Wasserstoff, Energieeffizienz, erneuerbaren Energien, Infrastruktur oder Dekarbonisierung profitieren. Genau das macht den Fonds einerseits robuster als ein reines Nischenportfolio, andererseits verwässert es den reinen Wasserstoff-Fokus. Für Anleger bedeutet das: Man kauft hier kein enges Spezialprodukt nur auf Wasserstoffproduzenten, sondern ein thematisches Transformationsportfolio mit Wasserstoff als Leitmotiv.

Positiv ist zunächst die Erholung des Anteilwerts im Geschäftsjahr 2025. Die Retail-Tranche stieg von 50,08 EUR auf 52,27 EUR, die institutionelle Tranche von 51,30 EUR auf 53,94 EUR. Das ist ein Fortschritt, aber keine echte Trendwende im längerfristigen Bild: Gegenüber 2022 liegen beide Anteilwerte noch deutlich tiefer. Die Retail-Tranche fiel von 72,15 EUR (2022) auf 52,27 EUR (2025), die institutionelle von 72,88 EUR auf 53,94 EUR. Das zeigt, wie stark das Thema Wasserstoff in den vergangenen Jahren unter Bewertungsdruck, enttäuschten Erwartungen und hoher Zinslast gelitten hat.

Wichtig ist auch: Das positive Jahresergebnis entstand nicht aus einem starken realisierten Anlageerfolg, sondern vor allem aus Bewertungsgewinnen auf noch nicht verkaufte Positionen. In der Retail-Tranche lagen die realisierten Gewinne bei 9,34 Mio. EUR, die realisierten Verluste aber bei 15,55 Mio. EUR, also per saldo deutlich negativ. Erst durch die Nettoveränderung nicht realisierter Gewinne und Verluste ergab sich am Ende ein positives Geschäftsjahresergebnis. Für Anleger heißt das: Die Erholung ist bilanziell vorhanden, aber sie ist noch nicht in voller Breite „eingetütet“. Ein Teil des Erfolgs bleibt marktabhängig und kann sich bei erneuter Schwäche schnell wieder drehen.

Die Portfoliostruktur wirkt offensiv. Rund 95,6 % des Fondsvermögens stecken in Wertpapieren, fast vollständig in Aktien, hinzu kommt ein sehr kleiner Zertifikateanteil. Derivate werden nicht eingesetzt, was die Struktur transparent macht. Die Liquiditätsquote von gut 4,5 % ist überschaubar. Für ein Themenprodukt ist das konsequent, bedeutet aber auch: Der Fonds ist dem Aktienmarkt fast vollständig ausgeliefert.

Die größten Positionen zeigen gut, wie der Fonds gedacht ist. Mit Bloom Energy, Plug Power, Ballard Power, ITM Power, AFC Energy, Ceres Power, SFC Energy, Cummins, Air Liquide, Linde, IHI oder GE Vernova mischt er klassische Wasserstoff- und Brennstoffzellenwerte mit größeren Industrie- und Infrastrukturunternehmen. Das ist sinnvoll, weil viele reine Wasserstofftitel operativ weiter fragil sind. Allerdings bleibt auffällig, dass mehrere bekannte Wasserstofftitel historisch zu den volatilsten und fundamental unsichersten Werten des gesamten Cleantech-Sektors gehören. Die Fondsstrategie versucht dieses Problem durch Beimischung robusterer Industriewerte abzufedern.

Genau darin liegt eine der größten Stärken des Fonds: Er ist nicht dogmatisch, sondern hat laut Bericht aktiv zwischen Pure Playern und Blended Playern umgeschichtet. Das spricht für ein opportunistisches Management und dafür, dass auf Bewertungswechsel reagiert wurde. Gerade in einem Sektor, in dem viele Geschäftsmodelle noch keine stabile Profitabilität erreicht haben, ist das grundsätzlich positiv.

Gleichzeitig bleibt die Portfoliogüte uneinheitlich. Unter den Top-Positionen finden sich neben etablierten Qualitätsunternehmen auch Firmen, deren operative Entwicklung weiterhin unsicher, verlustanfällig oder stark kapitalmarktgetrieben ist. Für langfristige Anleger ist das der Kernpunkt: Der Fonds investiert nicht nur in Gewinner des Wasserstofftrends, sondern auch in Unternehmen, bei denen erst noch bewiesen werden muss, dass aus technologischer Fantasie dauerhaft tragfähige Gewinne werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Mittelentwicklung. Das Fondsvermögen ist 2025 klar zurückgegangen, nicht primär wegen Kursverlusten, sondern wegen netto deutlicher Mittelabflüsse. In der Retail-Tranche betrug der Nettoabfluss rund 9,3 Mio. EUR, in der institutionellen Tranche rund 2,47 Mio. EUR. Das ist aus Anlegersicht kein gutes Signal. Es zeigt, dass viele Investoren dem Produkt oder dem Thema weiterhin skeptisch gegenüberstehen. Solche Abflüsse erhöhen zwar nicht automatisch das Risiko, sie sind aber oft ein Zeichen für schwaches Vertrauen und können das Management in ungünstigen Marktphasen zusätzlich belasten.

Bei den Kosten ist der Fonds für Anleger spürbar anspruchsvoll. Die TER liegt bei 1,95 % in der Retail-Tranche und 1,24 % in der institutionellen Tranche. Für ein aktiv gemanagtes Spezialthema ist das nicht ungewöhnlich, aber es ist hoch genug, um die Rendite langfristig merklich zu belasten. Besonders in einem Sektor, der ohnehin durch hohe Volatilität und lange Durststrecken geprägt ist, sind solche laufenden Kosten ein echter Gegenwind. Die Retail-Tranche ist aus Renditesicht klar im Nachteil, zumal zusätzlich ein Ausgabeaufschlag von 5 % vorgesehen ist.

Auch das Transaktionsvolumen war mit über 293 Mio. EUR sehr hoch im Verhältnis zum Fondsvermögen. Das unterstreicht die aktive Steuerung, zeigt aber auch, dass das Management stark rotiert hat. Das kann in dynamischen Themenmärkten sinnvoll sein, erhöht jedoch indirekt die Komplexität und spricht nicht für einen ruhigen Buy-and-Hold-Ansatz.

Im Bereich Nachhaltigkeit ist der Fonds solide, aber nicht so „grün“, wie der Name manchem Anleger suggerieren könnte. Er ist ein Artikel-8-Fonds, also ein Produkt mit beworbenen ökologischen bzw. sozialen Merkmalen, aber kein Artikel-9-Fonds. Noch wichtiger: Der Bericht sagt ausdrücklich, dass keine nachhaltigen Investitionen im regulatorischen Sinn angestrebt wurden und der Anteil EU-taxonomiekonformer Investitionen bei 0 % liegt. Das bedeutet nicht, dass der Fonds „nicht nachhaltig“ ist, aber es bedeutet sehr wohl, dass Anleger den ESG-Charakter realistisch einordnen sollten. Positiv ist, dass die Quote der Titel mit MSCI-ESG-Rating von mindestens BB von 75,24 % auf 84,14 % gestiegen ist. Negativ bleibt, dass im Portfolio laut Sektorbetrachtung ein erheblicher Anteil auch in Bereichen mit Bezug zu fossilen Brennstoffen lag. Das ist für ein Transformationsportfolio erklärbar, aber eben nicht deckungsgleich mit einem streng nachhaltigen Reininvestment.

Risikoseitig ist der Bericht offen: Der Fonds trägt Marktpreis-, Währungs- und Sektorrisiken und ist zusätzlich von geopolitischen Unsicherheiten, Zollpolitik und allgemeiner Börsenvolatilität abhängig. Besonders wichtig ist das Klumpenrisiko im Thema. Auch wenn der Fonds global und über viele Einzeltitel gestreut ist, bleibt er faktisch auf einen engen Zukunftskomplex konzentriert: Wasserstoff, Energieinfrastruktur, Dekarbonisierung. Wer in diesen Fonds investiert, setzt damit auf die Annahme, dass Wasserstoff in relevanten Teilen der Industrie, Mobilität und Energieversorgung wirtschaftlich skaliert und kapitalmarktfähig monetarisiert wird. Das kann aufgehen, ist aber noch längst nicht sicher.

Mein Anlegerfazit lautet deshalb: Der GG Wasserstoff ist 2025 operativ etwas stabiler und taktisch flexibler erschienen, als man es von vielen reinen Wasserstofffonds kennt. Die leichte Erholung, die hohe Aktienquote, die Mischung aus Spekulation und etablierteren Industrieunternehmen sowie die verbesserte ESG-Qualität sprechen dafür, dass der Fonds nicht blind am Hype festhält. Dennoch bleibt er ein spekulatives Themeninvestment, dessen langfristige Qualität noch nicht bewiesen ist. Die historischen Verluste seit 2022, die hohen Mittelabflüsse, die negativen realisierten Verkaufsergebnisse und die hohe Kostenlast mahnen zur Vorsicht.

Für Anleger ist der Fonds daher eher eine kleine Beimischung für risikobereite Investoren mit langem Horizont als ein Kerninvestment. Wer an Wasserstoff als Zukunftsthema glaubt und starke Schwankungen aushalten kann, findet hier ein aktiv gemanagtes Vehikel mit breiterem Industriebezug. Wer dagegen planbarere Renditen, niedrigere Kosten und eine klarere Nachhaltigkeitsdefinition sucht, dürfte mit dem Fonds nur bedingt glücklich werden.

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