Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2024/2025 ein gemischtes Bild: Der Fonds Best of Green & Common Good R erfüllt seinen nachhaltigen Anspruch weitgehend glaubwürdig, liefert aber finanziell nur ein mäßig überzeugendes Ergebnis. Die Jahresrendite von +1,85 % war positiv, wirkt für einen Mischfonds mit rund 90,8 % Wertpapierquote und 70,3 % Aktienanteil jedoch eher verhalten. Der Fonds ist damit im Berichtsjahr kein Ausreißer nach unten, aber auch kein Produkt, das durch starke Wertschöpfung oder defensive Stabilität besonders hervorsticht.
Der erste zentrale Punkt ist die Struktur des Fonds. Zum Stichtag bestanden rund 67,3 % des Vermögens aus börsengehandelten Aktien, weitere 3,1 % aus an organisierten Märkten gehandelten Aktien, 19,4 % aus Investmentanteilen und 9,4 % aus Bankguthaben. Damit ist der Fonds faktisch ein defensiv bis moderat offensiv ausgerichteter Nachhaltigkeits-Mischfonds mit deutlichem Aktienfokus und spürbarer Liquiditätsreserve. Positiv ist, dass keine Derivate eingesetzt wurden und der Leverage mit 0,99 sehr niedrig blieb. Das macht die Struktur transparent und reduziert Komplexität. Für Anleger, die keine intransparenten Hebel- oder Absicherungsstrategien möchten, ist das ein Plus.
Finanziell fällt auf, dass die ordentlichen Erträge die laufenden Kosten nicht decken konnten. Der Fonds erzielte Erträge von rund 95.500 EUR, hatte aber Aufwendungen von rund 143.600 EUR. Daraus ergibt sich ein ordentlicher Nettoertrag von -48.102 EUR. Das ist ein wichtiger Punkt: Der laufende Ertrag des Portfolios reicht derzeit nicht aus, um die Kostenbasis zu tragen. Die positive Jahresentwicklung kam daher nicht aus einer starken laufenden Ertragskraft, sondern vor allem aus Kursgewinnen und Bewertungsänderungen. Realisierte Gewinne und Verluste ergaben zusammen ein Plus von 62.480 EUR, hinzu kamen 63.366 EUR aus der Nettoveränderung nicht realisierter Ergebnisse. Für Anleger heißt das: Die Performance ist stärker von Marktbewegungen als von einem robusten internen Ertragsfundament abhängig.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Kostenquote von 1,97 % TER. Für einen Fonds mit überschaubarem Volumen von nur 7,48 Mio. EUR ist das nicht überraschend, aber aus Investorensicht dennoch relativ hoch. Bei einer Jahresperformance von nur +1,85 % wird sehr deutlich, wie stark Kosten die Nettorendite belasten. Gerade bei nachhaltig positionierten Fonds ist die Gebührenfrage entscheidend: Wenn der Fonds keine deutliche Outperformance erzielt, frisst eine TER in dieser Höhe einen wesentlichen Teil des Mehrwerts auf. Das ist hier der Fall.
Die Mittelbewegungen verdienen ebenfalls Beachtung. Der Fonds verzeichnete im Geschäftsjahr einen Netto-Mittelabfluss von rund 315.699 EUR. Das ist kein dramatischer Vertrauensentzug, aber es zeigt auch kein starkes Wachstum der Anlegerbasis. Für ein Produkt mit thematischer Positionierung im Nachhaltigkeitsbereich wäre eigentlich ein stabilerer oder wachsender Mittelzufluss wünschenswert. Kleinere Fondsvolumina können langfristig problematisch sein, weil sie Skaleneffekte begrenzen und hohe Fixkosten relativ schwerer wiegen.
Inhaltlich ist das Portfolio durchaus interessant aufgebaut. Die größten Positionen zeigen einen klaren Fokus auf Gesundheit, Infrastruktur, Wasser, Recycling, Bildung, Mikrofinanz und ausgewählte grüne Industrie- und Technologiewerte. Zu den größten Investments zählen der IIV Mikrofinanzfonds, Waste Management, Stryker, AcadeMedia, ASML, ResMed, Vossloh, ABO Energy, Arcadis und Regeneron. Das wirkt aus Nachhaltigkeits- und Qualitätsgesichtspunkten nachvollziehbar: Viele Titel adressieren strukturelle Zukunftsthemen wie Medizintechnik, Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft, Wasserinfrastruktur und Bildungszugang. Positiv ist außerdem, dass keine Exponierung zu den im Bericht besonders hervorgehobenen fossilen Brennstoffsektoren bestand.
Allerdings ist der Fonds nicht rein „grün“ im engen Sinn, sondern eher ein breit interpretiertes ESG-/Impact-Portfolio mit Gemeinwohl-Anspruch. Das kann ein Vorteil sein, weil es die Anlagemöglichkeiten erweitert und Konzentrationsrisiken reduziert. Es bedeutet aber auch, dass Anleger nicht zwingend ein fokussiertes Klima- oder Clean-Energy-Produkt erhalten, sondern ein diversifiziertes Nachhaltigkeitsmandat mit sozialer und ökologischer Mischlogik.
Besonders wichtig ist die Nachhaltigkeitsbewertung. Der Fonds ist ein Artikel-8-Produkt nach SFDR, also kein Artikel-9-Fonds. Dennoch weist der Bericht aus, dass im Durchschnitt 69,70 % nachhaltige Investitionen enthalten waren und 80,10 % der Anlagen die ESG-Selektionskriterien erfüllten. Das ist auf den ersten Blick stark. Zugleich sollte ein Anleger die Details nüchtern betrachten: Der Fonds bewirbt ökologische und soziale Merkmale, strebt formal aber keine nachhaltigen Investitionen als Hauptziel im Sinne eines Artikel-9-Produkts an. Zudem gab es im Berichtszeitraum mehrere aktive ESG-Grenzverletzungen, unter anderem im April, Juni, Juli und August 2025. Diese wurden zwar im Bericht transparent offengelegt und offenbar wieder bereinigt, dennoch ist das aus Investorensicht ein klarer Hinweis, dass die ESG-Umsetzung nicht friktionsfrei war. Positiv ist die Transparenz, negativ die Tatsache, dass solche Verstöße mehrfach auftraten.
Hinzu kommt ein weiterer kritischer Punkt: Die Nachhaltigkeitsindikatoren wurden nicht von einem Wirtschaftsprüfer oder unabhängigen Dritten geprüft. Das ist branchenüblich nicht völlig ungewöhnlich, bedeutet aber, dass Anleger die ESG-Aussagen nicht mit derselben Verlässlichkeit behandeln sollten wie die geprüften Finanzzahlen. Für Investoren mit strengem Impact-Anspruch ist das relevant.
Die Portfoliokonstruktion wirkt insgesamt breit diversifiziert, sowohl regional als auch sektoral. Es finden sich Positionen aus Europa, Nordamerika und Asien, ergänzt durch Mikrofinanz als stabilisierende Beimischung. Gleichzeitig bleibt das Portfolio aktiennah und damit anfällig für Marktbewegungen. Der Bericht selbst verweist auf geopolitische Unsicherheiten, Zollpolitik, geldpolitische Risiken und erhöhte Volatilität. Da der Fonds nennenswerte Währungspositionen hält und keine erkennbare systematische Währungsabsicherung dokumentiert ist, tragen Anleger zusätzlich Wechselkursrisiken.
Ein interessantes Qualitätsmerkmal ist die Absenkung der Anlagetoleranzen bei Rüstung und Atomstrom zum 21.05.2025. Das spricht dafür, dass die Nachhaltigkeitskriterien nicht verwässert, sondern im Jahresverlauf eher verschärft wurden. Aus Sicht eines nachhaltig orientierten Anlegers ist das positiv zu werten. Zugleich bleibt die EU-Taxonomie-Konformität bei 0 %. Das muss nicht automatisch schlecht sein, zeigt aber: Der Fonds investiert zwar nachhaltig im eigenen ESG-/SDG-Verständnis, ist jedoch nicht taxonomiebasiert ausgerichtet. Für Investoren, die explizit hohe Taxonomiequoten suchen, ist das Produkt daher eher weniger passend.
Unterm Strich ist der Fonds aus Anlegersicht solide, aber nicht herausragend. Seine Stärken liegen in einer klar nachvollziehbaren Nachhaltigkeitsphilosophie, einem transparenten Portfolio, geringer technischer Komplexität, guter thematischer Diversifikation und einem nachvollziehbaren Gemeinwohlansatz. Seine Schwächen liegen in der niedrigen Rendite im Verhältnis zu Kosten, dem negativen ordentlichen Nettoertrag, dem kleinen Fondsvolumen, den mehrfachen ESG-Grenzverletzungen sowie der Tatsache, dass der Nachhaltigkeitsanspruch formal und regulatorisch eher im Artikel-8-Rahmen als im strengeren Impact-Segment angesiedelt ist.
Fazit für Anleger:
Der Fonds kann für Investoren interessant sein, die eine werteorientierte, breit gestreute und relativ transparente Nachhaltigkeitslösung suchen und dafür eine gewisse Renditeeinbuße akzeptieren. Wer jedoch stärker auf Performanceeffizienz, niedrige Kosten oder streng nachprüfbare nachhaltige Wirkung achtet, dürfte kritisch bleiben. Besonders im Verhältnis von +1,85 % Wertentwicklung zu 1,97 % TER zeigt sich, dass der Fonds derzeit eher über seine Haltung als über seine ökonomische Schlagkraft überzeugt.