Für Verbraucher könnte das Jahr 2027 finanziell spürbare Mehrbelastungen bringen. Nach den bislang bekannt gewordenen Haushaltsplänen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sollen zusätzliche Staatseinnahmen unter anderem über höhere Abgaben auf Tabak und möglicherweise zuckerhaltige Getränke erzielt werden. Gleichzeitig kann die Inflation dafür sorgen, dass Arbeitnehmer trotz steigender Löhne real kaum mehr Geld zur Verfügung haben.
Allerdings ist bei den derzeit diskutierten Zahlen Vorsicht geboten: Nicht jede angekündigte oder im Haushalt eingeplante Mehreinnahme bedeutet bereits eine endgültig beschlossene Steuererhöhung. Entscheidend ist, welche Maßnahmen tatsächlich gesetzlich umgesetzt werden.
Zigaretten sollen stärker besteuert werden
Eine zusätzliche Belastung zeichnet sich insbesondere für Raucher ab. Über eine höhere Tabaksteuer kann der Staat zusätzliche Einnahmen erzielen, die sich über höhere Verkaufspreise unmittelbar bei den Verbrauchern bemerkbar machen.
Wie stark eine einzelne Packung Zigaretten 2027 tatsächlich teurer wird, lässt sich aus den bislang vorliegenden Angaben jedoch noch nicht zuverlässig beziffern.
Neben klassischen Zigaretten können steuerpolitische Änderungen grundsätzlich auch andere Tabak- und Nikotinprodukte betreffen. Welche Produkte in welchem Umfang zusätzlich belastet werden, hängt von der konkreten gesetzlichen Regelung ab.
Zuckerhaltige Getränke könnten ebenfalls teurer werden
Auch eine stärkere Belastung zuckerhaltiger Getränke steht zur Diskussion. Betroffen wären insbesondere stark gesüßte Erfrischungsgetränke wie Cola oder Limonaden.
Eine solche Abgabe würde neben fiskalischen Zielen auch gesundheitspolitisch begründet: Hersteller sollen einen zusätzlichen wirtschaftlichen Anreiz erhalten, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu reduzieren.
Für Verbraucher könnte dies bedeuten, dass Hersteller eine zusätzliche Abgabe zumindest teilweise über höhere Preise weitergeben.
Von einer bereits feststehenden allgemeinen „Zuckersteuer“ kann allerdings erst gesprochen werden, wenn eine entsprechende gesetzliche Regelung beschlossen ist. Eine politische Planung oder Haushaltsannahme allein reicht dafür nicht aus.
Arbeitnehmer können trotz höherer Löhne stärker belastet werden
Weniger offensichtlich ist eine weitere Belastung: die sogenannte kalte Progression.
Steigen Löhne lediglich als Ausgleich für höhere Preise, bedeutet dies nicht automatisch einen realen Einkommenszuwachs. Durch das progressive Einkommensteuersystem kann ein höherer Bruttolohn jedoch zu einer höheren Steuerbelastung führen.
Vereinfacht gesagt: Ein Arbeitnehmer bekommt beispielsweise mehr Gehalt, kann sich wegen der Inflation davon aber kaum mehr leisten. Gleichzeitig kann ein größerer Teil seines Einkommens der Besteuerung unterliegen beziehungsweise einem höheren Grenzsteuersatz ausgesetzt sein.
Genau deshalb werden Grundfreibetrag und weitere Eckwerte des Einkommensteuertarifs regelmäßig angepasst.
Unterbleibt ein vollständiger Ausgleich der kalten Progression, profitiert der Staat von inflationsbedingt steigenden Nominaleinkommen.
Mehr Gehalt bedeutet deshalb nicht automatisch mehr Kaufkraft
Für Arbeitnehmer ist letztlich nicht entscheidend, wie stark der Bruttolohn steigt, sondern was nach Steuern, Sozialabgaben und Preissteigerungen tatsächlich übrig bleibt.
Ein Beispiel: Steigt das Einkommen um drei Prozent, während gleichzeitig die Lebenshaltungskosten ebenfalls um drei Prozent zulegen, hat der Beschäftigte real zunächst keinen Wohlstandsgewinn erzielt. Nimmt der Staat zusätzlich einen größeren Anteil des gestiegenen Nominaleinkommens, kann die reale finanzielle Situation sogar schlechter ausfallen.
Neben der Einkommensteuer müssen dabei auch mögliche Veränderungen bei den Sozialversicherungsbeiträgen berücksichtigt werden.
Nicht jeder Bürger ist gleichermaßen betroffen
Wie stark die geplanten Maßnahmen einen einzelnen Haushalt treffen, hängt deshalb erheblich vom persönlichen Verhalten und Einkommen ab.
Raucher wären von einer höheren Tabaksteuer unmittelbar betroffen. Wer regelmäßig stark gezuckerte Getränke kauft, könnte eine mögliche Zuckerabgabe über höhere Preise spüren. Arbeitnehmer wiederum müssen darauf achten, wie der Einkommensteuertarif 2027 an die Inflation angepasst wird.
Wer weder raucht noch entsprechende Getränke konsumiert, wäre von diesen beiden Verbrauchsteuern beziehungsweise Abgaben dagegen kaum unmittelbar betroffen.
Eine pauschale Aussage, wonach jeder Arbeitnehmer 2027 einen bestimmten Eurobetrag zusätzlich an den Staat zahlen müsse, wäre deshalb ohne Angaben zu Einkommen, Steuerklasse, Haushaltslage und Konsumverhalten unseriös.
Haushaltsplanung ist noch kein fertiges Steuergesetz
Bei der politischen Diskussion muss zudem zwischen Haushaltsplanung und geltendem Steuerrecht unterschieden werden.
Der Bundeshaushalt kann erwartete zusätzliche Einnahmen berücksichtigen. Für eine neue Steuer oder eine Änderung bestehender Steuersätze ist jedoch regelmäßig eine entsprechende gesetzliche Grundlage erforderlich. Das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren kann dabei noch Änderungen bringen.
Deshalb steht derzeit nicht automatisch jede diskutierte Belastung in ihrer endgültigen Form fest.
2027 könnte für viele Haushalte dennoch teurer werden
Für Verbraucher ergibt sich damit ein gemischtes Bild. Besonders bei Tabakprodukten drohen zusätzliche Belastungen. Bei zuckerhaltigen Getränken könnte eine neue beziehungsweise höhere Abgabe die Preise steigen lassen, sofern die entsprechenden politischen Pläne umgesetzt werden.
Für Arbeitnehmer dürfte außerdem entscheidend sein, ob die Einkommensteuer ausreichend an die Preisentwicklung angepasst wird. Bleibt ein vollständiger Inflationsausgleich aus, kann die kalte Progression einen Teil nominaler Lohnerhöhungen aufzehren.
Die tatsächliche Belastung eines Haushalts lässt sich deshalb nicht mit einer einzigen Zahl beschreiben. Klar ist aber: Steuerpolitik, Inflation und mögliche höhere Sozialabgaben können 2027 zusammen dafür sorgen, dass von einem höheren Bruttogehalt am Ende deutlich weniger zusätzlicher finanzieller Spielraum übrig bleibt als zunächst erwartet.