Die tschechische Steuerverwaltung geht derzeit verstärkt gegen Einnahmen aus Online-Plattformen vor – besonders gegen Content auf OnlyFans und die dahinterstehenden Agenturen, die Profile verwalten und die Kommunikation mit Abonnenten übernehmen. Nach Angaben der Behörde haben tschechische Content-Creator im Jahr 2024 über eine halbe Milliarde Kronen auf der Plattform verdient. Doch viele Steuererklärungen stimmen nicht mit den tatsächlichen Einnahmen überein.
Agenturen unter Verdacht
Im Fokus stehen vor allem sogenannte Agenturen, die Accounts im Auftrag von Creatorn betreuen und für sie mit Abonnenten chatten. Offiziell bezeichnen sie ihre Arbeit als „Marketingdienstleistung“. Doch laut der Finanzverwaltung melden manche Agenturen weit weniger Einnahmen, als tatsächlich geflossen sind. Außerdem tauchen in den Steuererklärungen auffällig hohe Kosten auf, die den Gewinn nahezu auf Null drücken. Sprecher Patrik Madle spricht von Hinweisen auf „künstlich aufgeblähte Kosten“.
Das Besondere: Zwischen der Plattform und den Agenturen gibt es kein direktes Vertragsverhältnis. OnlyFans bezahlt ausschließlich die Content-Creator, die ihrerseits einen Teil ihrer Einnahmen an die Agenturen abgeben. Damit liegt auch die volle steuerliche Verantwortung bei den Urhebern – und genau hier setzen die Ermittler an.
Auch Creator im Visier
Nicht nur Agenturen, sondern auch einzelne Content-Ersteller geraten zunehmend unter Druck. Bei rund 30 Creatorn wird derzeit geprüft, ob ihre Steuererklärungen korrekt sind. Für sie gelten die Einkünfte als selbständige Tätigkeit – mit allen steuerlichen Pflichten. Wer Einnahmen verschweigt, riskiert Nachzahlungen, Verzugszinsen und im schlimmsten Fall strafrechtliche Ermittlungen.
Parallelen zu „Flotten“-Modellen
Die Finanzverwaltung verweist zudem auf Parallelen zu sogenannten „Flotten“ im Bereich von Taxi- und Lieferplattformen: Hier vermitteln Firmen Fahrer gegen Provision und umgehen dadurch oft die direkte Beziehung zur Plattform. In diesem Bereich ist bereits von Steuerhinterziehung in Millionenhöhe die Rede – bei den OnlyFans-Agenturen sei die Höhe der Hinterziehung noch unklar.
E-Shops ebenfalls im Blick
Neben OnlyFans richtet die Steuerverwaltung den Fokus aktuell auch auf E-Shops. Schon jetzt wurden hier unversteuerte Umsätze von mehr als 734 Millionen Kronen aufgedeckt. Besonders im Visier sind Online-Händler, die keine oder falsche Umsatzmeldungen abgeben, obwohl sie längst mehrwertsteuerpflichtig wären. Steuerberater warnen: Wer rechtzeitig selbst korrigiert, kann zwar Nachzahlungen nicht vermeiden, sich aber vor Strafverfahren schützen.
Hintergrund: Wachstum und Risiken
OnlyFans, 2016 gegründet, ist heute eine der größten Plattformen für erotische und pornografische Inhalte – nimmt aber auch Fitness, Musik und andere Sparten auf. Die Plattform behält 20 Prozent aller Einnahmen ein. Im Jahr 2023 erwirtschaftete sie weltweit rund 6,6 Milliarden Dollar. Doch immer wieder gibt es auch Kritik und Vorwürfe, darunter Fälle von sexuellem Missbrauch und Ausbeutung Minderjähriger.
Die Steuerverwaltung in Prag betont, sie wolle nicht die Plattform selbst, sondern die Steuerkonformität der Beteiligten überprüfen. Doch klar ist: Einkünfte aus Online-Plattformen stehen immer stärker im Fokus der Finanzbehörden – und Nachlässigkeit kann teuer werden.