In einem Fall, der Anfang des Jahres bundesweit für Entsetzen gesorgt hat, hat der 28-jährige Beschuldigte zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Neuruppin die grausame Tat gestanden. Über seinen Verteidiger ließ der Mann erklären, dass er im Januar in der brandenburgischen Gemeinde Casekow zwei Menschen mit einem Messer getötet und eine junge Frau schwer verletzt habe.
Die Tat ereignete sich am späten Nachmittag des 4. Januar 2025 in einem Einfamilienhaus in der rund 2.000 Einwohner zählenden Gemeinde unweit der polnischen Grenze. Der Beschuldigte, der zuvor mit der später schwer verletzten 19-Jährigen eine Beziehung geführt haben soll, soll laut Anklage in die Wohnung eingedrungen sein – gezielt, um seine Ex-Freundin zu attackieren.
Dort traf er zunächst auf den 16-jährigen Bruder der Frau sowie die 26-jährige Lebensgefährtin des Vaters. Beide wurden mit mehreren Messerstichen tödlich verletzt. Anschließend griff er seine ehemalige Partnerin an, die schwer verletzt, aber überlebte. Nach der Tat flüchtete der Mann zunächst, wurde aber wenige Stunden später im Umkreis festgenommen.
Tatmotiv im familiären Umfeld – und ein psychisches Leiden
Laut Staatsanwaltschaft wird dem Mann ein gezielter Racheakt aus einer „tiefen psychischen Krise“ heraus vorgeworfen. Ermittler gehen davon aus, dass der Angeklagte unter einer paranoiden Schizophrenie leidet. Bereits vor der Tat habe er mehrfach psychisch auffälliges Verhalten gezeigt, sei jedoch nicht dauerhaft in Behandlung gewesen.
Ein psychiatrisches Gutachten, das in der Hauptverhandlung eine zentrale Rolle spielt, stützt die Annahme der Schuldunfähigkeit. Demnach sei der Mann zur Tatzeit in einem wahnhaften Zustand gewesen. Die Staatsanwaltschaft beantragte daher keine Strafverfolgung im klassischen Sinne, sondern eine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nach § 63 Strafgesetzbuch (StGB).
Gemeinde unter Schock – und offene Fragen
Die Tat hat in Casekow tiefe Spuren hinterlassen. Anwohner erinnern sich an eine große Zahl von Polizeiwagen, Blaulicht und Hubschraubereinsätzen am Abend der Bluttat. „So etwas kennt man nur aus dem Fernsehen, nicht aus unserer Gegend“, sagte ein Nachbar gegenüber der „Märkischen Oderzeitung“.
Noch Monate nach dem Verbrechen legten Menschen Blumen und Kerzen vor dem Haus nieder. Viele stellen sich die Frage: Hätte die Tat verhindert werden können? Laut Medienberichten hatte die Familie bereits zuvor Sorgen geäußert, doch konkrete Gefahren seien den Behörden offenbar nicht bekannt gewesen.
Der Prozess vor der Schwurgerichtskammer in Neuruppin wird mit Spannung verfolgt. Die Nebenkläger, darunter auch Angehörige der Opfer, hoffen auf Aufklärung und eine angemessene Antwort des Rechtsstaats auf eine Tat, die durch ihre Brutalität fassungslos macht.
Ein Urteil – beziehungsweise eine Entscheidung über die Unterbringung – wird für Ende Juli erwartet.