Aus Anlegersicht präsentiert sich der TBF Fixed Income im Geschäftsjahr 2024/25 als ein aktiv gemanagter, global diversifizierter Rentenfonds mit klarem Fokus auf laufende Erträge, Staats- und staatsnahe Anleihen sowie Investment-Grade-Qualität. Der Bericht zeigt ein insgesamt stabiles und ordentlich gemanagtes Produkt, das von dem weiterhin attraktiven Zinsumfeld und Bewertungsgewinnen bei Anleihen profitieren konnte. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass der Fonds kein defensiver „risikoloser“ Anleihebaustein ist, sondern bewusst Chancen in internationalen Zins- und Währungsmärkten sucht.
Positiv fällt zunächst die Anlagepolitik auf. Der Fonds investiert überwiegend in globale Staatsanleihen, supranationale Emittenten und staatsnahe Schuldner, Unternehmensanleihen sind ausdrücklich ausgeschlossen. Das reduziert klassische Unternehmensbonitätsrisiken. Zudem gilt grundsätzlich ein Investment-Grade-Ansatz, nur bis zu 10 % dürfen im Non-Investment-Grade-Bereich liegen. Für Anleger ist das ein wichtiges Qualitätsmerkmal, weil das Portfolio damit strukturell konservativer aufgestellt ist als viele flexible Rentenfonds mit hohem Kreditrisiko.
Die Portfoliostruktur zeigt allerdings, dass konservativ hier nicht mit „einfach“ verwechselt werden darf. Der Fonds ist sehr international positioniert und investiert in zahlreiche Währungen und Länder, darunter Großbritannien, Ungarn, Rumänien, Polen, Norwegen, Australien, Neuseeland, Mexiko, Südafrika, Indonesien, Peru sowie supranationale Emittenten wie Weltbank und Asian Development Bank. Das sorgt für Diversifikation und eröffnet zusätzliche Renditechancen. Gleichzeitig bedeutet es aber auch: Die Wertentwicklung hängt nicht nur vom allgemeinen Zinsniveau ab, sondern auch von Währungsbewegungen, regionalen Kapitalmarkttrends und politischen Risiken einzelner Länder.
Besonders interessant ist die Streuung auf Einzeltitelebene. Die Gewichte lagen laut Bericht zwischen 0,66 % und 4,35 %. Das ist aus Risikosicht solide, weil kein Einzeltitel dominierend ist. Auch die Liquidität wirkt insgesamt ordentlich: Zum Stichtag war das Portfolio laut Bericht zu 93,56 % innerhalb von zehn Tagen liquidierbar. Für einen international investierenden Rentenfonds ist das ein ordentlicher Wert und spricht gegen ein übermäßig illiquides Spezialportfolio.
Die Wertentwicklung auf Anteilklassenebene war im Berichtsjahr insgesamt überzeugend. Besonders stark sticht hervor, dass die USD-Anteilklassen ihren Anteilwert gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern konnten: USD I von 103,08 auf 111,70 und USD R von 102,63 auf 111,44. Auch die EUR-Anteilklassen lagen über dem Auflageniveau, bewegten sich 2025 aber nur leicht unter dem Vorjahresstand: EUR I bei 105,36 nach 105,85, EUR R bei 106,64 nach 106,05. Das zeigt: Der Fonds hat operativ durchaus Erträge erwirtschaftet, aber Wechselkurs- und Ausschüttungseffekte spielen bei der Betrachtung eine wesentliche Rolle. Für Anleger ist deshalb wichtig, nicht nur auf den Anteilwert, sondern auf Gesamtertrag inklusive Ausschüttung zu schauen.
Die Ertragslage ist ein klarer Pluspunkt. Der Fonds erzielt seinen ordentlichen Ertrag im Wesentlichen aus Zinsen aus ausländischen Wertpapieren. Hinzu kamen realisierte Gewinne aus Verkäufen sowie positive Bewertungsveränderungen. Das passt gut zu einem Rentenfonds in einem Marktumfeld, in dem wieder attraktive Kupons vereinnahmt werden können und gleichzeitig Kursgewinne möglich sind, wenn Renditen sinken oder Positionen taktisch gut gewählt sind. Dass die realisierten Gewinne und Verluste im Wesentlichen aus Rentenverkäufen stammen, bestätigt den aktiven Managementansatz.
Auch das Fondsvolumen entwickelte sich insgesamt positiv, allerdings sehr unterschiedlich nach Anteilklassen. Stark war der Mittelzufluss in den EUR-Klassen, während insbesondere die USD-I-Klasse deutliche Mittelabflüsse verzeichnete. Das lässt sich unterschiedlich interpretieren: Entweder gab es Umschichtungen zwischen Anlegergruppen bzw. Währungssegmenten, oder die Nachfrage war regional unterschiedlich. Problematisch wirkt das nicht unmittelbar, weil das Gesamtfondsvermögen mit rund 22 Mio. USD weiterhin eine arbeitsfähige Größe hat. Dennoch ist der Fonds kein Schwergewicht. Für manche institutionelle Anleger könnte das Volumen eher klein sein, für Privatanleger ist es noch unkritisch, solange die Liquidität und Handelbarkeit erhalten bleiben.
Auf der Kostenseite zeigt sich ein erwartbares Bild: Die institutionellen Anteilklassen sind günstiger als die Retail-Klassen. Die TER liegt bei 0,74 % bzw. 0,77 % für I-Klassen und bei 1,01 % bzw. 1,02 % für R-Klassen. Das ist für einen aktiv gemanagten globalen Rentenfonds nicht überzogen, aber auch nicht besonders billig. Aus Anlegersicht sind vor allem die R-Klassen mit 3 % Ausgabeaufschlag kritisch zu sehen. Wer über diese Anteilklasse investiert, startet mit einem klaren Renditenachteil. Die I-Klassen sind kostenmäßig deutlich attraktiver, setzen aber ein Mindestanlagevolumen von 100.000 voraus.
Der größte Punkt in der Risikobetrachtung ist das Währungsrisiko. Der Fonds investiert bewusst in zahlreiche Nicht-Euro-Währungen wie GBP, NOK, NZD, AUD, MXN, ZAR, BRL, TRY und USD. Zwar verweist das Management auf aktives Währungsmanagement und eingesetzte Devisentermingeschäfte, doch die Derivatepositionen zeigen, dass Währungsabsicherung nicht kostenfrei ist und selbst Ergebnisbeiträge belasten kann. Für Anleger bedeutet das: Der Fonds ist kein reiner Zinsfonds, sondern immer auch eine Währungswette in gewissem Umfang. Gerade Positionen in Schwellenländerwährungen wie türkische Lira, brasilianischer Real, südafrikanischer Rand oder mexikanischer Peso erhöhen die Renditechancen, aber auch die Schwankungsanfälligkeit.
Hinzu kommt das Zinsänderungsrisiko, das bei den teils langen Laufzeiten erheblich ist. Im Portfolio finden sich mehrfach Anleihen mit Restlaufzeiten bis in die 2030er-, 2040er- und sogar 2050er-Jahre. Solche Duration kann im Umfeld fallender Renditen stark helfen, bei erneut steigenden Marktzinsen aber auch deutlich belasten. Der Fonds ist damit eher für Anleger geeignet, die eine klare Meinung dazu haben, dass längere Laufzeiten mittelfristig attraktiv bleiben oder zumindest als Diversifikationsbaustein sinnvoll sind.
Auch das Länderrisiko sollte nicht unterschätzt werden. Zwar investiert der Fonds überwiegend in Staaten und supranationale Emittenten, doch darunter sind auch Emittenten mit erhöhtem Risiko, etwa Rumänien, Ungarn, Benin, Côte d’Ivoire, Kolumbien oder Südafrika. Solche Positionen können die Rendite verbessern, machen das Portfolio aber anfälliger für politische Überraschungen, Bonitätsveränderungen und Spreadausweitungen. Dass Unternehmensanleihen ausgeschlossen sind, reduziert einen Teil des Kreditrisikos, ersetzt aber keine vorsichtige Beurteilung der Staatsbonität.
Im Bereich ESG ist das Bild gemischt. Positiv ist, dass der Fonds als Artikel-8-Produkt ökologische und soziale Merkmale bewirbt und laut Bericht 96,20 % der im Fonds enthaltenen Wertpapiere ein MSCI-ESG-Rating von mindestens BB aufweisen. Gleichzeitig ist wichtig, den Unterschied sauber zu benennen: Der Fonds strebt keine nachhaltigen Investitionen im engeren Sinn an. Er ist also nicht als besonders strenges Impact- oder Artikel-9-Produkt einzuordnen. Kritisch ist außerdem, dass es im Berichtsjahr einen dokumentierten ESG-Verstoß bei einer Anleihe der Asian Development Bank gab. Das relativiert den ESG-Anspruch zwar nicht grundsätzlich, zeigt aber, dass die ESG-Umsetzung im Alltag nicht vollkommen friktionsfrei verläuft.
Das Prüfungsurteil von KPMG ist uneingeschränkt, was für Anleger ein wichtiger Vertrauensfaktor ist. Es gibt keine Hinweise auf wesentliche Verstöße gegen die gesetzlichen Anforderungen oder auf Unstimmigkeiten in den prüfungsrelevanten Teilen des Berichts. Das spricht für eine ordnungsgemäße Berichterstattung und saubere Fondsadministration.
Unter dem Strich ist der TBF Fixed Income aus Anlegersicht ein interessanter globaler Rentenfonds für Investoren, die laufende Ausschüttungen, aktive Steuerung und internationale Diversifikation suchen. Seine Stärken liegen in der breiten Streuung, im Fokus auf Staats- und staatsnahe Emittenten, in den wieder attraktiven Zinserträgen sowie in der grundsätzlich soliden operativen und regulatorischen Aufstellung. Die Schwächen liegen in der erhöhten Komplexität des Portfolios: Währungsrisiken, lange Laufzeiten und Exposure zu einzelnen Schwellenländern machen den Fonds schwankungsanfälliger, als es der Begriff „Fixed Income“ auf den ersten Blick vermuten lässt.
Fazit für Anleger:
Der Fonds eignet sich eher als aktiver Renditebaustein im Anleihebereich als als ultradefensiver Sicherheitsanker. Wer internationale Zinschancen nutzen will, Ausschüttungen schätzt und Schwankungen akzeptieren kann, findet hier ein plausibel konstruiertes Produkt. Wer dagegen maximale Planbarkeit, geringe Währungsrisiken und möglichst stabile Euro-Erträge sucht, sollte den Fonds nur als Beimischung betrachten oder die Währungs- und Durationsrisiken sehr bewusst abwägen.