Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2024/25 ein insgesamt ordentliches, aber nicht uneingeschränkt überzeugendes Bild. Der Fonds hat im Geschäftsjahr per Anteilwert zugelegt: Die Klasse R stieg von 106,47 EUR auf 112,23 EUR und damit um rund 5,4 %, die Klasse I von 109,67 EUR auf 116,10 EUR bzw. um rund 5,9 %. Das ist ein positives Ergebnis, vor allem weil der Fonds laut Bericht benchmarkunabhängig und aktiv gesteuert wird. Gleichzeitig offenbart der Bericht aber mehrere Punkte, die ein Anleger sehr genau im Blick behalten sollte: hohe laufende Kosten, starke Abhängigkeit von Zielfonds, hoher Goldanteil und einige schwer einzuordnende Spezialbausteine im Rentenbereich.
In der Vermögensstruktur fällt zuerst die sehr deutliche Dominanz der Investmentfonds auf. Rund 66,2 % des Vermögens stecken in Zielfonds, dazu kommen 18,9 % Zertifikate, die praktisch vollständig aus Gold-Zertifikaten bestehen, 10,0 % Liquidität, 4,3 % Anleihen und nur 0,8 % Einzelaktien. Das Portfolio ist damit kein klassischer Mischfonds mit direkter Aktien- und Rentenselektion, sondern eher ein Dachfonds mit taktischen Beimischungen, insbesondere Gold. Für Anleger bedeutet das: Die Qualität des Fonds hängt stark davon ab, ob der Manager die richtigen Zielfonds auswählt und ob die taktische Allokation funktioniert. Das kann vorteilhaft sein, wenn das Management Mehrwert liefert, schafft aber auch eine zusätzliche Kosten- und Komplexitätsebene.
Positiv ist, dass die Diversifikation auf den ersten Blick breit wirkt. Größte Positionen sind etablierte, aktiv gemanagte Fonds wie Quantex Global Value, Flossbach von Storch Multiple Opportunities, MFS Prudent Capital, SQUAD-MAKRO, JPM Global Dividend oder Assenagon Alpha Volatility. Inhaltlich bedeutet das eine Mischung aus Value-, Dividenden-, Makro-, Volatilitäts- und Multi-Asset-Ansätzen. Diese Streuung kann in schwierigeren Marktphasen helfen, weil der Fonds nicht nur auf ein einziges Stilsegment setzt. Auch die Liquiditätsquote von 10 % ist komfortabel und gibt dem Management Handlungsspielraum.
Der zweite wichtige Punkt ist die Risikostruktur. Der Fonds beschreibt sich als ausgewogen, KID-Risikoklasse 4 von 7. Das passt grundsätzlich zur Allokation. Allerdings steckt im Detail mehr Risiko, als der erste Eindruck vermuten lässt. Fast 19 % Gold sind für einen ausgewogenen Mischfonds eine sehr markante Position. Gold kann in Krisen schützen und zur Diversifikation beitragen, produziert aber keine laufenden Erträge und kann über längere Phasen auch deutlich schwanken oder seitwärts laufen. Für Anleger ist das nur dann sinnvoll, wenn sie bewusst eine starke Absicherungskomponente wünschen. Wer eher einen klassischen, einkommensorientierten Mischfonds erwartet, dürfte diese Gewichtung als ungewöhnlich hoch empfinden.
Auch die Anleiheseite verdient einen kritischen Blick. Direkt gehalten werden hier zwei Credit Linked Notes beziehungsweise strukturierte Schuldverschreibungen mit Kursen deutlich unter pari. Zwar ist der direkte Rentenanteil mit 4,3 % nicht hoch, dennoch sind solche Instrumente für Privatanleger oft weniger transparent als klassische Staats- oder Unternehmensanleihen. Hinzu kommt das indirekte Rentenrisiko über die Zielfonds. Das ist nicht per se problematisch, erhöht aber die Komplexität. Wer in einen Fonds für Altersvorsorge oder defensivere Vermögensbausteine investiert, sollte verstehen, dass hier nicht nur einfache Standardbausteine verwendet werden.
Ein klarer Pluspunkt des Berichts ist, dass keine akuten Liquiditätsprobleme erkennbar sind. Die Zielfonds seien täglich handelbar, die Zertifikate ebenfalls, die Konten liegen bei etablierten Banken. Auch beim Einsatz von Derivaten wirkt das Bild relativ moderat: Das ausgewiesene durch Derivate erzielte Exposure beträgt 0, der durchschnittliche Leverage liegt bei 1,13. Das spricht dafür, dass Derivate hier keine dominante Renditequelle waren, sondern eher begrenzt eingesetzt wurden. Für Anleger ist das beruhigend, weil der Fonds zwar flexibel ist, aber nicht wie ein hoch gehebeltes Konstrukt erscheint.
Weniger überzeugend ist die Kostenseite. Die ausgewiesene TER beträgt 2,48 % für R und 2,03 % für I. Das ist für einen Fonds dieser Größenordnung und Struktur hoch, zumal im Portfolio überwiegend bereits kostenbelastete aktive Zielfonds liegen. Genau hier liegt aus Anlegersicht einer der größten Kritikpunkte: Man zahlt nicht nur für die Dachfondsebene, sondern indirekt auch für die Manager der Zielfonds. Diese doppelte Gebührenebene muss erst einmal verdient werden. Gerade bei langfristiger Anlage frisst eine TER von über 2 % einen erheblichen Teil der Bruttorendite auf. Dass die ordentlichen Nettoerträge in beiden Anteilklassen negativ waren, zeigt ebenfalls, dass laufende Erträge die Kosten nicht decken konnten; das positive Jahresergebnis kam vor allem aus Veräußerungsgewinnen und Bewertungsgewinnen.
Bemerkenswert ist auch die Mittelbewegung. In der Retail-Klasse R gab es erhebliche Nettoabflüsse von rund 528.645 EUR, wodurch das Volumen der Klasse von 1,36 Mio. EUR auf 0,88 Mio. EUR schrumpfte. Die institutionelle Klasse I blieb stabiler und stieg durch das Jahresergebnis auf 10,15 Mio. EUR. Insgesamt liegt das Fondsvermögen bei 11,03 Mio. EUR. Das ist kein kritischer Kleinstfonds, aber auch kein großer Fonds mit ausgeprägten Skalenvorteilen. Die Abflüsse in der R-Klasse könnten ein Warnsignal sein, müssen es aber nicht. Sie können auf Vertriebs-, Anleger- oder Marktgründe zurückgehen. Aus Investorensicht sollte man das dennoch beobachten.
Zur Qualität der Wertentwicklung lässt sich sagen: Das Ergebnis ist ordentlich, aber nicht spektakulär. Ein Plus im mittleren einstelligen Bereich ist solide. Gleichzeitig war 2025 für viele Risikoanlagen kein schlechtes Umfeld. Deshalb stellt sich die entscheidende Anlegerfrage: Rechtfertigt diese Rendite die hohe Kostenlast und die komplexe Konstruktion? Darauf fällt die Antwort eher gemischt aus. Für die institutionelle Klasse I ist das Kostenprofil noch halbwegs vertretbar. Für die Retail-Klasse R mit 1,35 % Verwaltungsvergütung, 3 % Ausgabeaufschlag und insgesamt 2,48 % TER wird die Hürde deutlich höher.
Ein weiterer Punkt, den nachhaltigkeitsorientierte Anleger beachten sollten: Der Fonds ist ausdrücklich als Artikel-6-Produkt eingestuft. Nachhaltigkeitsrisiken wurden bei den Investitionsentscheidungen laut Bericht nicht berücksichtigt. Wer ESG- oder Nachhaltigkeitspräferenzen hat, wird hier also kaum fündig.
Fazit aus Anlegersicht:
PENSION.INVEST PLUS® ist ein aktiv gemanagter, breit gestreuter Multi-Asset-Dachfonds mit solider Performance, guter Liquidität und einer erkennbar defensiv-ausgewogenen Grundidee. Positiv sind die breite Streuung über unterschiedliche Managerstile, der zurückhaltende Derivateeinsatz und der Wertzuwachs im Geschäftsjahr. Kritisch sind jedoch die hohen Gesamtkosten, die starke Abhängigkeit von externen Zielfonds, der für viele Anleger sehr hohe Goldanteil sowie die eingeschränkte Transparenz einzelner Rentenbausteine.
Für Anleger, die bewusst einen aktiv gesteuerten, managerdiversifizierten Mischfonds mit Absicherungscharakter suchen und Kosten nicht in den Vordergrund stellen, kann der Fonds interessant sein. Für kostenbewusste Anleger oder Investoren, die eine klarere und einfachere Portfolioarchitektur bevorzugen, wirkt das Produkt dagegen nur bedingt attraktiv. Besonders in der Retail-Klasse R ist die Kostenbelastung aus meiner Sicht der größte Schwachpunkt.