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Sprechendes Gemüse als Werbetrick: Wie ein Social-Media-Trend zur teuren Abnehm-Masche wird

sweetlouise (CC0), Pixabay

KI-generierte Videos von sprechendem Obst und Gemüse erobern derzeit soziale Netzwerke wie Instagram und TikTok. Millionen Nutzer sehen Clips, in denen etwa eine weinende Paprika beklagt, dass immer nur rote oder gelbe Exemplare gekauft werden, oder ein Champignon vor dem Waschen warnt.

Was auf den ersten Blick humorvoll und harmlos wirkt, wird jedoch teilweise für fragwürdige Werbemaschen genutzt. Eine Recherche des Norddeutscher Rundfunk (NDR) zeigt, dass hinter einigen dieser viralen Videos ein Netzwerk von Social-Media-Accounts steckt, das Nutzer gezielt zu kostenpflichtigen Ernährungsprogrammen locken soll.

Millionen Klicks für KI-Gemüse

Die Videos folgen meist einem einfachen Prinzip: Animierte Lebensmittel sprechen direkt zum Publikum und geben scheinbar hilfreiche Gesundheits- oder Ernährungstipps. Durch die Kombination aus Humor, bunten Animationen und kurzen Clips verbreiten sich diese Inhalte besonders schnell in sozialen Netzwerken.

Neben harmlosen Ratschlägen tauchen jedoch auch problematische Behauptungen auf. In manchen Videos wird etwa behauptet, Brokkoli könne Krebs heilen oder ein Teelöffel Zimt sei wirksamer als Medikamente. Solche Aussagen sind medizinisch nicht belegt und können sogar gefährlich sein, wenn sie ernst genommen werden.

Werbung für teure Abnehmprogramme

Nach Recherchen des NDR betreiben mehrere Accounts auf Plattformen wie Instagram, TikTok und Facebook ein ähnliches Modell. Die Profile veröffentlichen regelmäßig KI-Videos mit Ernährungstipps und Gesundheitsversprechen. Am Ende vieler Beiträge erscheint jedoch Werbung für ein kostenpflichtiges Abnehmprogramm.

Die Videos verweisen auf Angebote des Ernährungscoachs Haress Ghafari aus Norddeutschland. Der Berater ist seit mehreren Jahren in der Öffentlichkeit aktiv und verfügt über einen Abschluss in Diätetik von der Hochschule Neubrandenburg. Außerdem trat er 2023 in der ZDF-Kochshow Die Küchenschlacht auf.

Lockangebote über Social Media

Die Accounts, die für Ghafaris Programm werben, treten mit Namen wie „Ernährungsheld“ oder „Vitalheld“ auf. Sie versprechen häufig schnelle Erfolge, etwa zehn Kilogramm Gewichtsverlust in relativ kurzer Zeit.

Interessierte Nutzer werden über Links auf eine Website geleitet, auf der sie ein Beratungsgespräch buchen können. In einer verdeckten Recherche nahm ein NDR-Reporter an einem solchen Gespräch teil.

Hoher Preis für Online-Coaching

Während des Beratungsgesprächs wurde laut Recherche ein sogenanntes „Normalpaket“ angeboten. Dieses beinhaltet:

  • Online-Einzelgespräche

  • Gruppencoachings

  • Lernmaterialien

  • langfristige Begleitung beim Abnehmen

Der Preis für dieses Programm liegt demnach bei rund 5.800 Euro.

Für Verbraucher ist dabei oft schwer zu erkennen, dass hinter den scheinbar humorvollen KI-Videos letztlich ein Marketing-System steht, das auf den Verkauf solcher Programme abzielt.

Neues Format soll Desinformation aufdecken

Die Recherche entstand im Rahmen des neuen Formats Rabbit Hole, das von NDR und tagesschau gestartet wurde. In der Sendung analysieren Faktenchecker systematisch virale Inhalte aus sozialen Netzwerken und prüfen deren Wahrheitsgehalt.

Ziel ist es, Nutzern mehr Orientierung in einer digitalen Welt zu geben, in der KI-generierte Inhalte, Werbung und Desinformation zunehmend schwer voneinander zu unterscheiden sind.

Schwierige Unterscheidung zwischen Unterhaltung und Manipulation

Der Fall zeigt, wie schnell unterhaltsame Trends im Internet zu Marketinginstrumenten werden können. KI-Technologie ermöglicht es inzwischen, in kurzer Zeit große Mengen an viralen Inhalten zu produzieren.

Für Nutzer wird es dadurch immer schwieriger zu erkennen, ob sie gerade ein lustiges Video sehen, eine echte Information erhalten – oder Teil einer ausgeklügelten Werbekampagne werden.

Gerade bei Gesundheitsthemen raten Experten deshalb zur Vorsicht. Medizinische oder ernährungsbezogene Aussagen sollten immer mit verlässlichen Quellen überprüft werden – besonders dann, wenn sie am Ende zu teuren Angeboten oder Programmen führen.

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