1) Kurzfazit aus Anlegersicht
Der Fonds liefert im Berichtszeitraum +12,09 % (BVI, ohne Ausgabeaufschlag) bei einer sehr hohen Aktienquote von 98,1 %. Die „Protect 90“-Komponente basiert auf einer Optionsstrategie (Stillhalterprämien finanzieren Put-Absicherung), ist aber keine Garantie – insbesondere innerhalb des Jahres kann das Risiko erhöht sein. Die Gesamtkostenquote wirkt mit 0,81 % p.a. moderat; Transaktionskosten sind sehr niedrig ausgewiesen. Insgesamt wirkt der Fonds wie ein EuroStoxx-50-Aktienportfolio mit systematischer Overlay-Absicherung, das dafür tendenziell Aufwärtspotenzial begrenzt (verkaufte Calls) und in Stressphasen nicht zwingend 90 % hält.
2) Was Sie als Anleger wirklich kaufen: Aktienbeta + Options-Overlay
Anlageuniversum: Aktien aus dem EuroStoxx 50.
Mechanik:
Der Fonds generiert Erträge über verkaufte Optionen (Stillhaltergeschäfte).
Diese Prämien werden genutzt, um Put-Optionen zu finanzieren, um „90 % Werterhalt zum Jahresende“ anzustreben.
Wichtig: Im Bericht steht ausdrücklich: Keine Garantie für Verlustvermeidung/Kapitalerhalt/Wertuntergrenze, und bei Kauf innerhalb eines Jahres kann ein erhöhtes Risiko bestehen.
Interpretation: Das Produkt ist eher ein regelbasiertes Risikoprofil als ein Kapitalschutzprodukt. Das Timing (Einstiegszeitpunkt) und Marktregime (Seitwärts/Crash/Rally) sind entscheidend.
3) Performance & Ergebnisqualität: +12,09 %, aber Treiber sind überwiegend Bewertungsgewinne
Wertentwicklung: +12,09 % im Zeitraum 01.11.2024–31.10.2025.
Ordentlicher Nettoertrag: +1,25 Mio. EUR (2,11 je Anteil) – getragen durch Dividenden und Liquiditätszinsen.
Realisierte Ergebnisse: -1,60 Mio. EUR (negativ), u. a. wegen realisierten Verlusten aus Futures (im Bericht explizit genannt).
Nicht realisierte Ergebnisse: +8,71 Mio. EUR – der große Performancehebel kam aus Bewertungsanstiegen der Positionen.
Anleger-Lesart: Das ist typisch für ein aktienlastiges Jahr. Positiv: ordentliche Erträge sind da. Aber: Der Fonds hat realisiert „Geld liegen lassen“ (Futures/Overlay), was in starken Märkten bei Absicherungs-/Call-Strategien häufig vorkommt.
4) Portfolioaufbau: Sehr konzentriert auf Euro-Großwerte, kaum Cash
Zum 31.10.2025:
Aktien: 64,40 Mio. EUR (98,10 %)
Derivate gesamt: -3,54 % (negative Marktwerte v. a. aus verkauften Calls / Futures)
Bankguthaben: 4,20 % (deutlich geringer als Vorjahr; Vorjahr 13,77 %)
Fondsvermögen: 65,64 Mio. EUR (Vorjahr 59,93 Mio. EUR)
Regionale Schwerpunkte (Aktien nach Ländern):
Frankreich ~30,7 %, Deutschland ~29,2 %, Niederlande ~18,5 %; Rest Italien/Spanien u. a.
=> Klassisches EuroStoxx-50-Profil mit Schwerpunkt Kern-Eurozone.
Top-Einzeltitel (Auszug nach Gewicht):
ASML ~8,5 %, SAP ~5,6 %, Siemens ~4,34 %, LVMH ~3,65 %, Schneider Electric ~3,28 %, Allianz ~3,20 %, Airbus ~2,94 % etc.
=> Relativ große Einzeltitelgewichte, aber noch im Rahmen eines 50er-Universums.
5) Derivate-Overlay: Schutz kostet – und begrenzt oft die Rally
Aus der Vermögensaufstellung (31.10.2025) ist erkennbar:
Short EuroStoxx-50-Future (negativer Marktwert)
Verkaufte Calls auf EuroStoxx 50 (mehrere Strikes 5400/5500/5600, negativ bewertet)
Gekaufte Puts (Strikes 4500/4600, kleine positive Werte)
Was das bedeutet:
Die Strategie ähnelt häufig einem „Collar“ (Aktien + Calls verkaufen + Puts kaufen).
In stark steigenden Märkten sind die verkauften Calls typischerweise der Grund, warum der Fonds hinter einem reinen Aktienindex zurückbleiben kann.
In Crashphasen helfen Puts, aber deren Umfang/Timing kann dazu führen, dass der Schutz nicht exakt bei 90 % greift – und schon gar nicht „jederzeit“.
6) Risikokennzahlen: Niedriger VaR, aber das ersetzt keine Kapitalschutz-Garantie
VaR (historische Simulation, 99 %, 1 Tag):
kleinster 0,74 %, größter 2,18 %, durchschnittlich 1,55 %
Durchschnittliche Hebelwirkung: 1,42
Derivate-Exposure: 40,0 Mio. EUR (als zugrundeliegendes Exposure ausgewiesen)
Einordnung:
Der VaR wirkt auf Tagesbasis moderat, aber:
VaR ist modell- und historienabhängig und unterschätzt seltene Extrembewegungen.
Der Hebel ist nicht hoch, aber das Overlay kann in Stressphasen komplex reagieren (Gap-Risiko, Volatilitätssprünge).
7) Kosten, Ausschüttung, „Carry“
Gesamtkostenquote (ohne Transaktionskosten): 0,81 % – für eine Optionsstrategie eher effizient.
Transaktionskosten: 13.716 EUR – sehr niedrig (möglicherweise, weil vieles über standardisierte Derivate läuft und/oder nicht alles als Transaktionskosten erscheint).
Ausschüttung: 3,70 EUR je Anteil (Endausschüttung).
Auffällig: „Zuführung aus dem Sondervermögen“ zur Ausschüttungsfähigkeit (wegen realisierten Verlusten) – das heißt praktisch: Ausschüttung ist nicht nur aus laufenden Erträgen finanziert, sondern auch aus dem Vermögen bzw. Ergebnisverrechnung.
Anleger-Lesart: Wer Ausschüttungen mag, bekommt sie – aber man sollte nicht automatisch von „Dividendenfonds-Charakter“ ausgehen. Bei derivativen Overlays sind Ausschüttungen oft auch Ergebnis- und Bilanzmechanik.
8) Für wen passt der Fonds – und wann eher nicht?
Passt eher, wenn Sie …
Euro-Bluechips wollen, aber mit systematischer Verlustbegrenzungs-Logik (ohne Garantie).
bereit sind, dafür etwas Rendite in starken Rally-Phasen abzugeben.
einen Anlagehorizont haben, bei dem das „Jahresende“-Ziel der Strategie sinnvoll ist.
Eher nicht ideal, wenn Sie …
einen echten Kapitalschutz erwarten (rechtlich/produkthaft garantiert).
maximal am Aktienboom partizipieren wollen (Calls bremsen).
kurz nach Einstieg wieder verkaufen könnten – der Bericht weist explizit auf erhöhtes Risiko bei Kauf innerhalb eines Jahres hin.