1) Investment-These aus Anlegersicht
Der Fonds HMT Global Wertsicherung 90 ist als defensiver, stabilitätsorientierter Baustein konzipiert: globale Aktien- und Rentenmärkte sollen genutzt werden, gleichzeitig soll eine dynamische Wertsicherungsstrategie dafür sorgen, dass die kalenderjährliche negative Wertentwicklung idealerweise nicht unter -10% fällt (Wertuntergrenze 90%). Wichtig: Das ist keine Garantie, sondern ein Zielsystem – in Stressphasen kann es verfehlt werden.
Für Anleger bedeutet das: Der Fonds zielt primär auf Risikobegrenzung und planbarere Schwankungen, nicht auf maximale Rendite.
2) Performance & Ergebnisqualität
Im Berichtszeitraum 01.11.2024–31.10.2025 liegt die Wertentwicklung bei:
Anteilklasse I: +6,29%
Anteilklasse R: +5,88%
Die Differenz passt zu den laufenden Kosten (R teurer als I).
Ergebnisqualität (was hat die Rendite getrieben?)
Der ordentliche Nettoertrag stammt fast vollständig aus Zinsen (keine Dividenden, da praktisch keine Aktien direkt gehalten werden).
Das positive Veräußerungsergebnis kam laut Bericht wesentlich aus realisierten Gewinnen aus gekauften Futures – die Rendite hängt damit spürbar an der erfolgreichen taktischen Steuerung der Derivate/Allokation und weniger an klassischem „Buy-and-hold“ von Aktien.
3) Portfolio-Struktur: sehr rentenlastig, Aktienexposure synthetisch
Per 31.10.2025:
Anleihen: 84,87% (Vorjahr 83,29%)
Gold-ETC (Zertifikat): 2,32% (neu)
Derivate (Marktwert): 0,77%
Bankguthaben: ~12–13%
Fondsvermögen: 22,924 Mio. EUR
Was steckt in den Anleihen?
Der Kern sind überwiegend Euro-Staatsanleihen/staatsnahe Emittenten (u.a. Deutschland, EU, Österreich, Irland, Frankreich, Italien) – also tendenziell hohe Bonität, aber mit Zinsänderungsrisiko (Duration-/Laufzeitenrisiko).
Laufzeitenprofil (Anleihen)
< 1 Jahr: ~39% des Fondsvermögens
5–10 Jahre: ~36%
≥ 10 Jahre: ~6,6%
Das ist nicht „ultrakurz“, sondern eine Mischstruktur: ein großer Kurzläuferblock stabilisiert, der 5–10J-Block bringt aber spürbare Sensitivität gegenüber Zinsbewegungen.
„Aktienanteil“ – de facto über Index-Futures
Aktienexposure erfolgt über Index-Futures (u.a. DAX, S&P 500, FTSE 100, TOPIX, FTSE MIB). Das ist effizient und schnell steuerbar – erhöht aber die Abhängigkeit von:
Modell-/Timing-Entscheidungen der Wertsicherungslogik,
Margin-Management (sichtbar über Variation Margin),
Stressphasen-Liquidität.
4) Risikoprofil: eher defensiv, aber nicht risikofrei
Positiv (aus Anlegersicht):
Hoher Anteil an Staats-/EU-Papieren → geringeres Emittentenausfallrisiko als bei Corporates/High Yield.
Währungsrisiken sollen „weitgehend vermieden/abgesichert“ werden; gleichzeitig gibt es Fremdwährungs-Bankguthaben, was praktisch auf ein aktives Hedge-/Cash-Management hindeutet.
Relevante Risikotreiber bleiben:
Zinsänderungsrisiko (insb. 5–10J-Block): bei steigenden Renditen können die Kurse deutlich fallen.
Derivate-/Strategierisiko: Futures können Schwankungen dämpfen, aber auch Fehlerquellen sein (Hebelwirkung, Glattstellungskosten, Margin-Anforderungen).
Wertsicherung ist Ziel, keine Zusage: in sehr schnellen, gap-artigen Marktbewegungen kann das Konzept an Grenzen stoßen.
Risikokennzahlen (DerivateV / VaR)
VaR (99%, 1 Tag, historische Simulation): durchschnittlich 0,71% (Band: 0,35% bis 1,03%)
Durchschnittliche Hebelwirkung: 1,60
Derivate-Exposure: 15,87 Mio. EUR (das ist ökonomisches Exposure, nicht der kleine Marktwertanteil der Derivate)
Interpretation: Das ausgewiesene Marktrisiko wirkt im Modell moderat, aber das ökonomische Exposure zeigt, dass Derivate strategisch relevant sind.
5) Kosten & Anteilklassen – klare Einordnung
Gesamtkostenquote (ohne Transaktionskosten)
I: 0,66% p.a. (Verwaltungsvergütung 0,55%)
R: 1,06% p.a. (Verwaltungsvergütung 0,95%)
Für Anleger ist die I-Klasse deutlich effizienter, allerdings mit Mindestanlagesumme 100.000 EUR.
Transaktionskosten sind mit 7.721,57 EUR absolut niedrig im Verhältnis zum Fondsvolumen – das spricht für eine grundsätzlich kostendisziplinierte Umsetzung (wobei Futures-Rollkosten nicht immer vollständig als klassische Transaktionskosten sichtbar sind).
6) Ausschüttung & Kontinuität
Es gab eine Ausschüttung von rund 1,9–1,94 EUR je Anteil (je nach Anteilklasse). Der Anteilwert stieg über die letzten Jahre kontinuierlich:
I: 97,34 (2022) → 114,70 (31.10.2025)
R: 97,18 (2022) → 113,15 (31.10.2025)
Das ist für einen defensiven Ansatz ein ordentliches Profil – allerdings war das Marktumfeld für Zinsstrategien/Carry zuletzt auch unterstützend.
7) Fazit: Für wen passt der Fonds – und worauf sollte man achten?
Stärken
Sehr defensives Grundportfolio (Euro-Sovereigns) plus taktisches Aktien-/Zins-Overlay über Futures
Wertsicherungs-Framework kann Drawdowns begrenzen (ohne Garantie)
Geringe Kosten in der I-Tranche, insgesamt transparente Kennzahlen
Kritische Punkte
„Global Aktien“ finden nicht als klassische Aktienquote statt, sondern hauptsächlich synthetisch über Derivate – das ist für manche Anleger ein Unterschied in Verständlichkeit/Erwartung.
Zinsstruktur ist nicht nur kurz: Der 5–10J-Anteil macht den Fonds zinsabhängig.
Wertsicherung kann in Extremphasen scheitern; die Strategie ist so gut wie ihre Implementierung (Timing, Liquidität, Modellannahmen).
Anlegertyp
Eher geeignet als defensiver Kern-/Stabilitätsbaustein oder Alternative zu konservativen Mischfonds, wenn man:
moderate Rendite bei begrenzten Drawdowns sucht,
Derivateeinsatz akzeptiert,
und versteht, dass die 90%-Grenze ein Ziel ist, keine Garantie.