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Herzen gegen Hass: Wie eine 80-Jährige rechte Parolen unkenntlich macht

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Seit mehr als vier Jahrzehnten zieht Irmela Mensah-Schramm mit Spraydose, Farbe und Schablonen durch deutsche Städte – und setzt Zeichen gegen Hetze. Wo andere wegsehen, bleibt die heute 80-Jährige stehen. Wo Wände mit Hakenkreuzen, rassistischen Schmähungen oder extremistischen Symbolen beschmiert sind, verwandelt sie Hass in Hoffnung: Aus Parolen werden Herzen, aus Hetzbotschaften bunte Blumen, aus menschenverachtenden Schriftzügen friedliche Botschaften.

Mehr als 140.000 diskriminierende Graffiti hat Mensah-Schramm nach eigenen Angaben inzwischen übermalt. Was als spontane Reaktion auf rechte Schmierereien begann, wurde zu einer Lebensaufgabe. Ihr Antrieb ist ebenso schlicht wie konsequent: Sie will nicht dulden, dass menschenverachtende Ideologien den öffentlichen Raum prägen.

Dabei geht sie mit Bedacht vor. Die Parolen werden nicht einfach überdeckt, sondern bewusst umgestaltet. Ein aggressiver Spruch wird in ein Wort der Toleranz verwandelt, ein extremistisches Symbol in ein buntes Motiv. Die Rentnerin spricht von einer „optischen Gegenrede“ – einem sichtbaren Widerspruch gegen Ausgrenzung und Verachtung.

Mut im Alltag

Ihr Engagement erfordert Mut. Immer wieder ist sie Anfeindungen ausgesetzt, gelegentlich auch juristischen Auseinandersetzungen. Denn das Übermalen von Graffiti kann rechtlich als Sachbeschädigung gewertet werden – selbst dann, wenn es sich um verfassungsfeindliche Inhalte handelt. Mensah-Schramm nimmt dieses Risiko in Kauf. Für sie wiegt der Schutz der Menschenwürde schwerer als mögliche Konsequenzen.

Doch ihr Wirken beschränkt sich nicht auf das Beseitigen von Schmierereien. Wenn sie nicht mit der Spraydose unterwegs ist, steht sie vor Schulklassen. In Workshops spricht sie mit Jugendlichen über Diskriminierung, Zivilcourage und die Verantwortung jedes Einzelnen. Sie erzählt von ihren Erfahrungen, erklärt die Wirkung von Sprache und Symbolen – und ermutigt junge Menschen, nicht wegzusehen.

Ein Zeichen, das bleibt

In einer Zeit, in der extremistische Parolen vielerorts wieder sichtbarer werden, ist ihr Engagement mehr als eine persönliche Mission. Es ist ein stiller, beharrlicher Protest gegen Gleichgültigkeit. Ihre bunten Herzen auf grauen Mauern sind nicht nur Farbtupfer im Stadtbild, sondern sichtbare Zeichen dafür, dass Widerspruch möglich ist – unabhängig vom Alter.

Mit 80 Jahren denkt Irmela Mensah-Schramm nicht ans Aufhören. Solange Hassbotschaften öffentliche Räume besetzen, will sie ihnen etwas entgegensetzen. Ihre Botschaft ist klar: Demokratie lebt vom Mitmachen. Und manchmal beginnt dieses Mitmachen mit einer Spraydose – und einem Herz.

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