Dark Mode Light Mode

MPF Ares : Renditestarker Anleihe-/Strukturprodukte-Fonds mit deutlicher Zertifikate-Prägung – Chancen attraktiv, Komplexität und Emittentenrisiko zentral

geralt (CC0), Pixabay

1) Einordnung aus Anlegersicht (Was ist das für ein Produkt?)

Der MPF Ares ist als aktiv gemanagter Euro-Fonds beschrieben, der „wachstums- und liquiditätsorientiert“ in Renten, Zertifikate/Strukturprodukte, Investmentanteile und Derivate investieren kann. Im Berichtsjahr zeigt sich jedoch ein sehr klares Bild: Schwerpunkt auf Renten/Strukturprodukten, praktisch keine Fremdwährungsexponierung und kein nennenswerter Derivatebestand zum Stichtag.

Wichtig für die Erwartungshaltung: Auch wenn „Rentenquote“ genannt wird, steckt im Portfolio zu einem sehr großen Teil Zertifikate-Exposure (77,15% des Fondsvermögens) – das ist nicht „klassische“ Anleihe-Allokation, sondern strukturierte, emittentenabhängige Produkte (u. a. Autocall/Discount/Express-Konstruktionen).

2) Performance und Ertragsqualität (Wie wurde die Rendite erzielt?)

Wertentwicklung

Geschäftsjahr 2024/2025: +7,64%

1 Jahr: +7,30%

Seit Auflage (04.04.2022): +32,00%, ~8,07% p.a.

Das ist für ein Portfolio mit hohem Renten-/Zertifikateanteil zunächst attraktiv, vor allem wenn man es als defensiveres Baustein-Investment betrachtet.

Aber: Renditequellen sind gemischt

Ordentliche Erträge (Zinsen/Erträge aus Liquidität/Investmentanteilen) sind vergleichsweise klein: ~243 Tsd. EUR Erträge bei ~204,6 Tsd. EUR Aufwendungen → ordentlicher Nettoertrag ~38,9 Tsd. EUR.

Der große Treiber war das realisierte Ergebnis aus Veräußerungsgeschäften: ~2,87 Mio. EUR Gewinne, 0 Verluste ausgewiesen.

Gleichzeitig gab es nicht realisierte Verluste (Nettoveränderung): ~-552 Tsd. EUR.

Interpretation als Investor: Die Jahresrendite wirkt stark transaktions- und bewertungsgetrieben (Realisationsgewinne), weniger „Kupon/Carry“. Das ist nicht schlecht – aber es bedeutet: Rendite kann stärker vom Timing/Marktregime abhängen, besonders bei strukturierten Produkten.

3) Portfolio-Struktur und Konzentrationen (Worin steckt mein Geld?)

Vermögensmix (31.10.2025)

Zertifikate: 77,15%

Verzinsliche Wertpapiere: 10,69%

Bankguthaben: 11,96%

Sonstiges (Forderungen/Verbindlichkeiten): klein

Das Portfolio ist damit nicht „Anleihen pur“, sondern ein Strukturprodukte-Portfolio mit Cash-Puffer.

Emittenten-/Kontrahentenprofil

Zertifikate/Notes stammen u. a. von Citigroup, J.P. Morgan, Merrill Lynch, Société Générale, UniCredit, LBBW.

Das ist grundsätzlich eine Diversifikation über mehrere große Emittenten, aber: Bei Zertifikaten ist das Emittentenrisiko (Adressenausfall) systemisch relevant. Ein „Ausfall“ ist selten, aber der Schadensfall wäre fundamental (anders als bei Fonds/ETFs mit Sondervermögen-Charakter).

Einzeltitel-Charakter

Die größten Positionen sind mehrere EuroStoxx 50 Discount-Zertifikate (mehrere Tranchen) und diverse Basket-Zertifikate/Autocalls.

Das deutet auf eine Strategie hin, die seitwärts/leicht positive Märkte und Volatilitätsprämien nutzen will (Discount/Autocall-Mechanik), häufig mit begrenztem Upside und bedingtem Downside-Risiko.

4) Risiko-Check: Was sind die wirklichen Treiber?

a) Zinsänderungsrisiko

Effective Duration des Rentenbestands: 4,98 → moderates Zinsrisiko, grob „mittlere“ Sensitivität.

Gleichzeitig wird eine durchschnittliche Restlaufzeit von 69,47 Jahren genannt (deutlich höher als Vorjahr). Das wirkt auf den ersten Blick extrem hoch und passt eher zu sehr lang laufenden/ewigen Subordinated-Strukturen (z. B. Nachranganleihen/Perpetuals oder lange Call-Strukturen).
Für Anleger heißt das: Auch wenn die Duration moderat ist, kann die Struktur (Calls, Floater, Nachrang) in Stressphasen sprunghaftes Risiko erzeugen.

b) Kredit-/Adressenausfallrisiko

Durchschnittsrating per 30.10.2025: BBB+ (Verbesserung von vorher BB).

Die Rendite im Rentensegment sank um 2,18 Prozentpunkte – plausibel durch höhere Bonität / geringere Spreads.
Interpretation: Das Management hat defensiver positioniert (Bonität rauf), was das Ausfallrisiko senkt – aber typischerweise auch die laufende Rendite.

c) Strukturprodukte-spezifische Risiken (zentral!)
Diese stehen im Bericht nicht als eigener Block, sind aber als Investor entscheidend:

Emittentenrisiko (Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen).

Pfadabhängigkeit/Barriere-/Autocall-Mechanik: In Seitwärtsmärkten oft gut, in scharfen Drawdowns können Verluste entstehen, die sich anders verhalten als bei Direktaktien oder Anleihen.

Liquidität/Spreads: In Krisen können Geld-/Brief-Spannen deutlich steigen; der Bericht weist selbst auf Liquiditätsengpässe an Rentenmärkten hin – bei Zertifikaten gilt das mindestens genauso.

d) Marktrisiko/VaR

VaR (99%, 10 Tage) im Jahr: min 3,19% / max 9,34% / Ø 5,61%.
Anlegersicht: Das ist keine „low risk“-Kennzahl, eher „mittleres“ Marktrisiko – passend zur Rendite.

e) Währungsrisiko

Keine Fremdwährungsinvestments → gut für Anleger, die reines EUR-Risiko wollen.

5) Kosten & Effizienz

TER: 0,61% → für einen aktiv gemanagten Fonds mit Strukturprodukten relativ günstig.

Auffällig: Externe Managementvergütung als wesentliche sonstige Aufwendungen ~128 Tsd. EUR (die „Sonstigen Aufwendungen“ insgesamt sind hoch).

Transaktionskosten: ~848 EUR → extrem niedrig; das passt dazu, dass Strukturprodukte oft OTC/über Emittenten laufen und Kosten eher in Produktmargen/Spreads stecken, die nicht als klassische Transaktionskosten auftauchen.

Praktischer Punkt: TER bildet nicht alle „impliziten“ Produktkosten von Zertifikaten ab (z. B. Emittentenmarge, Strukturierungskosten). Das ist bei Zertifikate-lastigen Strategien immer ein Thema: Die „gefühlte“ Kostenlast kann höher sein als die ausgewiesene TER.

6) Kapitalflüsse & Fondsgröße

Fondsvermögen Ende GJ: 34,74 Mio. EUR (Start: 32,72 Mio. EUR).

Netto-Mittelabfluss: -352 Tsd. EUR (Rücknahmen) – moderat.

Ergebnis kompensiert Abflüsse deutlich → Fonds wächst.

7) Governance/Prüfung/Transparenz

Jahresbericht ist durch PricewaterhouseCoopers mit uneingeschränktem Prüfungsurteil testiert (formal positiv).

Portfolioverwaltung ist ausgelagert an Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen AG (als Anleger relevant: Verantwortlichkeiten sind geteilt).

8) Nachhaltigkeit/ESG

Explizit kein Artikel-8/9-Produkt nach SFDR; Investments berücksichtigen nicht die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten.
Für ESG-orientierte Anleger: Das ist ein klarer Ausschlussgrund oder erfordert zumindest bewusste Akzeptanz.

Anleger-Fazit (kompakt und praxisnah)

Stärken

Historisch solide Rendite im Berichtsjahr (+7,64%) bei EUR-Fokus.

Bonitätsprofil verbessert (BB → BBB+).

TER moderat (0,61%).

Kein FX-Risiko, Cash-Puffer ~12%.

Kernrisiken / mögliche „rote Fahnen“

Sehr hoher Zertifikateanteil (77%) → Strategie hängt stark von Emittentenqualität, Produktstruktur und Marktregime ab.

Komplexitäts- und Pfadabhängigkeitsrisiko (Discount/Autocall/Basket-Notes): in Stressphasen kann die Wertentwicklung unangenehm asymmetrisch werden.

Die genannte Restlaufzeit ~69 Jahre ist ungewöhnlich hoch und spricht für sehr lange/ewige Strukturen – das kann in Krisen zu deutlicher Volatilität führen, auch wenn die Duration aktuell moderat wirkt.

Ausgewiesene Rendite ist stark realisationsgetrieben; die Nachhaltigkeit der Rendite hängt von künftigen Marktbedingungen ab.

Für wen könnte das passen?

Anleger, die EUR-basiert investieren wollen, aktive Strukturprodukte-Strategien akzeptieren und ein mittleres Risiko für eine attraktive Renditechance in Kauf nehmen.

Für wen eher nicht?

Anleger, die „klassische“ Rentenfondslogik erwarten (transparentes Zins-/Spread-Exposure).

Anleger mit strikten ESG/SFDR-Ansprüchen.

Anleger, die keine Emittentenrisiken aus Zertifikaten tragen möchten.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Große Aufregung um „Pfandtourismus“ – und jetzt? Was ein Jahr nach der österreichischen Pfanderhöhung wirklich passiert ist

Next Post

Windpark Hillgroven GmbH: Hohe Liquidität, sinkendes Anlagevermögen – Substanz wird abgeschmolzen, Ausschüttung geplant