Ein großflächiger Stromausfall hat am Samstagmorgen weite Teile des Berliner Südwestens in eine Ausnahmesituation versetzt. Rund 45.400 Haushalte sowie zahlreiche Gewerbebetriebe waren plötzlich ohne Energieversorgung. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler handelt es sich nicht um einen technischen Defekt, sondern um einen gezielten Brandanschlag auf eine zentrale Versorgungsstruktur.
Nach Angaben des Netzbetreibers Stromnetz Berlin wurde eine Kabelbrücke über den Teltowkanal beschädigt, über die mehrere Leitungen ein nahegelegenes Kraftwerk in Lichterfelde versorgen. In den frühen Morgenstunden war dort ein Feuer ausgebrochen, das die Stromkabel erheblich in Mitleidenschaft zog. Die Feuerwehr wurde gegen 6.12 Uhr alarmiert, nachdem ein Zeuge Flammen entdeckt hatte. Zwar gelang es den Einsatzkräften, den Brand rasch zu löschen, die Folgen für die Stromversorgung waren jedoch gravierend.
Die Reparaturarbeiten gestalteten sich aufwendig und zeitintensiv. Nach Einschätzung des Betreibers wird die Wiederherstellung der Versorgung schrittweise erfolgen und sich voraussichtlich über den gesamten Tag hinziehen. Ein genauer Zeitpunkt, wann alle Haushalte wieder Strom haben werden, ließ sich zunächst nicht benennen.
Besonders kritisch ist die Lage für soziale Einrichtungen und die medizinische Versorgung. In dem betroffenen Gebiet befinden sich mehrere Pflegeheime und Krankenhäuser. Die Feuerwehr musste Bewohner und Patienten aus zwei Einrichtungen evakuieren und in andere Häuser verlegen. Neben den Berufsfeuerwehren waren auch Freiwillige Feuerwehren, das Technische Hilfswerk sowie weitere Hilfsorganisationen im Einsatz. Insgesamt arbeiten mehrere hundert Einsatzkräfte daran, die Folgen des Ausfalls zu bewältigen.
Zusätzlich zu den privaten Haushalten sind rund 2200 Gewerbekunden von der Stromversorgung abgeschnitten. Auch der öffentliche Raum ist betroffen: Fahrstühle blieben stecken, Straßen lagen im Dunkeln, und teilweise kam es zu Störungen im Mobilfunk- und Festnetz. Die Polizei ist mit rund 160 Kräften vor Ort, um die Lage zu sichern und die Ermittlungen voranzutreiben.
Das Landeskriminalamt ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung. Nach ersten Einschätzungen könnte es sich um einen gezielten Anschlag handeln, bei dem die Täter offenbar über detaillierte Kenntnisse der Infrastruktur verfügten. Ermittler gehen davon aus, dass bewusst ein Punkt gewählt wurde, an dem ein möglichst großer Schaden entstehen konnte.
Die Feuerwehr appellierte an die Bevölkerung, den Notruf ausschließlich in akuten Gefahrensituationen zu wählen, da die Einsatzkräfte stark ausgelastet sind. Anwohner wurden zudem gebeten, hilfsbedürftige Nachbarn zu unterstützen und auf den Einsatz gasbetriebener Heizgeräte in Innenräumen zu verzichten. Sollte die Telefonverbindung ausfallen, könnten im Notfall auch Feuer- oder Polizeiwachen sowie Busfahrer angesprochen werden.
Der Stromausfall macht erneut deutlich, wie verletzlich kritische Infrastrukturen sind und welche weitreichenden Folgen gezielte Angriffe haben können. Während die Ermittlungen laufen, konzentrieren sich die Einsatzkräfte darauf, die Versorgung so schnell und sicher wie möglich wiederherzustellen und die Auswirkungen für die betroffenen Menschen zu begrenzen.