Vier Tage lang herrschte in Teilen des Berliner Südwestens Ausnahmezustand. Nach dem mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag auf eine zentrale Kabelbrücke ist die Stromversorgung nun wieder vollständig hergestellt. Seit Mittwochnachmittag fließt in allen betroffenen Haushalten und Betrieben wieder Energie – ein Ende des längsten Stromausfalls der Berliner Nachkriegsgeschichte.
Was am Samstagmorgen mit einem abrupten Blackout begann, entwickelte sich rasch zu einer Belastungsprobe für Zehntausende Menschen. Rund 45.000 Haushalte und mehr als 2.000 Gewerbebetriebe in Steglitz-Zehlendorf und angrenzenden Stadtteilen waren plötzlich ohne Strom. Krankenhäuser mussten in den Notbetrieb wechseln, Pflegeheime wurden evakuiert, Schulen geschlossen. In eisigen Januarnächten fielen Heizungen aus, Mobilfunknetze brachen zeitweise zusammen, Ampeln blieben dunkel.
Zunächst hatten die Behörden befürchtet, dass der Wiederaufbau der zerstörten Hochspannungsleitungen bis zu fünf Tage dauern könnte. Doch der Netzbetreiber schaffte es, die Arbeiten schneller als erwartet abzuschließen. Nach erfolgreichen Tests einer provisorischen Kabelverbindung am Tatort nahe des Kraftwerks am Teltowkanal begann am Mittwochvormittag die schrittweise Wiederzuschaltung der letzten noch betroffenen rund 20.000 Haushalte. Um 14.10 Uhr konnte schließlich Vollversorgung gemeldet werden.
Der Kraftakt hinter den Kulissen war enorm. Rund 170 Techniker und Spezialisten arbeiteten Tag und Nacht, oft bei frostigen Temperaturen, um beschädigte Hochspannungskabel zu ersetzen und provisorische Leitungen zu verlegen. Die Arbeiten galten als besonders anspruchsvoll, da unterschiedliche Kabeltypen verbunden werden mussten und der Tatort zugleich kriminaltechnisch untersucht wurde.
Trotz der Rückkehr des Stroms bleibt der Alltag in einigen Bereichen weiter eingeschränkt. Die betroffenen Schulen bleiben aus Sicherheitsgründen bis zum Ende der Woche geschlossen. Erst nach umfangreichen technischen Prüfungen von Brandmeldeanlagen, Heizungen und sicherheitsrelevanten Systemen soll ab Montag wieder regulärer Unterricht stattfinden. Auch die Wärmeversorgung muss in vielen Gebäuden erst langsam hochgefahren werden. Bundeswehr und Hilfsorganisationen sind weiterhin vor Ort, um notfalls mit warmer Verpflegung zu unterstützen.
Der Stromausfall übertrifft in seiner Dauer alle vergleichbaren Ereignisse seit 1945. Selbst der Blackout im September des Vorjahres, ebenfalls ausgelöst durch einen Brandanschlag, hatte „nur“ rund 60 Stunden gedauert. Entsprechend groß ist die politische und gesellschaftliche Debatte über die Sicherheit kritischer Infrastruktur.
Die Ermittlungen laufen unter Hochdruck. Die Bundesanwaltschaft hat den Fall übernommen und prüft unter anderem den Verdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie der schweren Brandstiftung. Eine linksextremistische Gruppierung, die sich selbst als „Vulkangruppen“ bezeichnet, bekannte sich zu dem Anschlag. Die Täter gelten den Sicherheitsbehörden als Wiederholungstäter, die seit Jahren gezielt Energie- und Verkehrsinfrastruktur angreifen.
Für viele Berlinerinnen und Berliner bleibt nach vier Tagen ohne Strom vor allem Erleichterung – aber auch Verunsicherung. Der Blackout hat gezeigt, wie verletzlich eine moderne Großstadt ist, wenn zentrale Versorgungsnetze ausfallen. Die politische Aufarbeitung dürfte deshalb noch lange nicht abgeschlossen sein.