Die Lage in deutschen Apotheken bleibt angespannt: Immer mehr wichtige Medikamente sind nicht oder nur schwer lieferbar. Wie der Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände –, Hans-Peter Preis, gegenüber der Zeitung Die Welt erklärte, habe sich die Situation im ersten Halbjahr 2025 sogar noch verschärft.
Aktuell seien rund 550 Arzneimittelprodukte von Lieferengpässen betroffen – darunter lebenswichtige Präparate wie Cholesterinsenker, Medikamente zur Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) sowie bestimmte Antibiotika für Kinder. In vielen Fällen gebe es zudem keine wirkstoffgleichen Alternativen, was die Situation für Patienten und Apotheken zusätzlich erschwere.
Apotheken fordern mehr Flexibilität
Angesichts der weiter angespannten Lage fordert Preis mehr Handlungsspielraum für Apothekerinnen und Apotheker – insbesondere dann, wenn ein verordnetes Medikament nicht verfügbar ist. Derzeit dürfen Apotheken nur eingeschränkt auf Alternativen zurückgreifen und müssen in vielen Fällen Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt halten.
„Wir brauchen mehr Handlungsfreiheit, um pragmatische Lösungen für die Patienten zu finden“, so Preis. Es dürfe nicht sein, dass Patientinnen und Patienten auf notwendige Medikamente verzichten müssen, nur weil bürokratische Hürden eine zügige Versorgung verhindern.
Politischer Druck wächst
Die Lieferengpässe sind kein neues Phänomen, aber sie nehmen weiter zu – trotz politischer Anstrengungen. Ursachen sind unter anderem die Abhängigkeit von wenigen internationalen Wirkstoffherstellern, vor allem in Asien, Produktionsausfälle, gestiegene Transportkosten und anhaltende Nachholeffekte aus der Corona-Pandemie.
Gesundheitspolitiker aus mehreren Parteien haben wiederholt angekündigt, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Versorgungssicherheit zu verbessern – etwa durch stärkere Bevorratung, neue Meldepflichten und gezielte Förderprogramme für die Produktion in Europa. Die Umsetzung verläuft bislang jedoch schleppend.
Versorgungslage bleibt fragil
Für die Apotheken bedeutet der Mangel nicht nur mehr Aufwand, sondern auch Frust: „Wir kämpfen täglich mit wachsendem bürokratischen Aufwand, Lieferauskünften und verunsicherten Patienten“, so Preis. Die Lage sei für viele Teams in den Apotheken inzwischen kaum noch tragbar.
Ob sich die Situation in der zweiten Jahreshälfte entspannen wird, ist ungewiss. Experten gehen davon aus, dass strukturelle Probleme im Arzneimittelmarkt nicht kurzfristig lösbar sind – vor allem dann nicht, wenn auf europäischer Ebene keine koordinierten Maßnahmen erfolgen.