Im Kunsthandel zählt der Name – und Pablo Picasso steht ganz oben auf der Liste der begehrtesten Künstler. Doch in einem Stuttgarter Auktionshaus wechselten kürzlich nicht zwei echte Werke des Meisters den Besitzer, sondern zwei kunstvoll gefälschte Druckgrafiken. Erst im Nachhinein wurde klar: Hier hatten nicht Sammler das große Los gezogen, sondern ein professioneller Fälscher.
Wie das Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA) mitteilte, wurden insgesamt vier gefälschte Grafiken entdeckt, zwei davon noch rechtzeitig vor dem Verkauf sichergestellt. Die anderen beiden wurden unwissentlich über das Auktionshaus verkauft – offenbar ohne dass jemand Verdacht schöpfte. Erst eine eingehende Prüfung der Provenienzen und Stilmerkmale führte zu den alarmierenden Ergebnissen.
Im Fokus der Ermittlungen steht ein Mann mit italienischer Staatsangehörigkeit, der über Jahre hinweg äußerst geschickt gefertigte Fälschungen in den internationalen Kunstmarkt eingeschleust haben soll. Besonders im Visier: Werke aus Picassos berühmter Serie „Suite Vollard“ – einer ikonischen Folge von 100 Radierungen, die zu den wichtigsten grafischen Arbeiten des Künstlers zählen.
Die Machart der Fälschungen sei laut Ermittlern „von hoher handwerklicher Qualität“ gewesen – offenbar so überzeugend, dass selbst Fachleute zunächst keinen Verdacht schöpften. Der Fall zeigt einmal mehr: Wo Millionenwerte im Spiel sind, ist die Grenze zwischen Genie und Betrug manchmal nur eine Druckplatte entfernt.
Das Stuttgarter Auktionshaus, in dem die Werke versteigert wurden, will nun seine Prüfprozesse verschärfen und spricht von einem bedauerlichen Einzelfall. Ob und wie Käufer entschädigt werden, ist noch offen.