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Erhitzter Streit um erhitzten Tabak – Neue Produkte, alte Risiken?

Alexas_Fotos (CC0), Pixabay

Sie wirken futuristisch, riechen kaum und sollen laut Tabakindustrie die gesündere Alternative zur Zigarette sein: erhitzte Tabakprodukte wie IQOS, glo oder Ploom. Doch hinter dem versprochenen Fortschritt steckt eine wachsende gesundheitspolitische Debatte – und ein Geschäft, das zunehmend junge Menschen ins Visier nimmt.

Was ist erhitzter Tabak überhaupt?

Im Gegensatz zur klassischen Zigarette verbrennen diese Geräte den Tabak nicht, sondern erhitzen ihn auf etwa 300 °C, um Nikotin-haltigen Dampf freizusetzen. Hersteller wie Philip Morris International (PMI), British American Tobacco (BAT) und Japan Tobacco International (JTI) betonen, dass dadurch deutlich weniger Schadstoffe entstehen als bei der Verbrennung.

Der Clou: Für viele Umsteiger kommt das Geschmackserlebnis näher an das Rauchen heran als E-Zigaretten – so auch für IT-Berater Ben Taylor, der nach eigenen Angaben durch IQOS seine chronische Raucherhusten loswurde.

Marketingoffensive – und Kritik am Zielpublikum

Inzwischen sind diese Produkte in über 60 Ländern erhältlich, besonders erfolgreich in Japan und Italien. Auch in den USA ist IQOS nun wieder erhältlich, nach einer erweiterten Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA.

Doch Experten schlagen Alarm: Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass die Produkte besonders für junge Menschen attraktiv gemacht werden. Mit Launch-Partys, Social-Media-Influencern und Pop-up-Stores vermitteln sie ein Lifestyle-Image – teilweise auch für Personen, die zuvor gar keine Nikotinprodukte konsumierten.

„Diese Produkte sehen aus wie Technikspielzeuge – das ist kein Zufall“, warnt Sandra Mullin von der Organisation Vital Strategies. Sie spricht von einem „Whack-a-Mole“-Effekt im Tabakkampf: Kaum wird ein Produkt reguliert, kommt das nächste.

Gesundheitliche Risiken noch nicht abschließend geklärt

Während die Industrie betont, dass weniger Schadstoffe freigesetzt werden als bei Zigaretten, zweifeln unabhängige Forscher an der Harmlosigkeit der Produkte. Studien aus der Schweiz und Griechenland zeigen: Die Dämpfe enthalten teils andere, teils neue chemische Substanzen – darunter auch bekannte Giftstoffe und krebserregende Stoffe.

„Wir können nicht sagen, dass diese Produkte sicher sind“, sagt Chemieingenieur Efthimios Zervas. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt, dass durch niedrigere Preise und moderne Designs vor allem junge Menschen angezogen werden – und dadurch das jahrzehntelange Fortschritt beim Tabakkonsum gefährdet ist.

Gateway-Effekt: Einstieg in den Ausstieg oder in die Sucht?

Ein zentrales Argument der Hersteller ist, dass die Geräte beim Ausstieg aus dem Rauchen helfen sollen. Doch eine italienische Studie aus dem Jahr 2024 fand: Nicht-Raucher, die mit erhitztem Tabak begannen, hatten ein 5,8-fach höheres Risiko, innerhalb von sechs Monaten zu herkömmlichen Zigaretten zu wechseln.

Viele Nutzer sind zudem „Dual-User“, konsumieren also sowohl herkömmliche als auch erhitzte Produkte – mit möglicherweise doppeltem Gesundheitsrisiko. Die WHO schätzt, dass zwei von drei Nutzern beides verwenden.

Industrie verteidigt sich – Kritiker fordern Umkehr der Beweispflicht

Die Hersteller betonen, dass ihre Produkte nicht für Minderjährige bestimmt seien, und verweisen auf Alterskontrollen und Verhaltenskodizes. Sie räumen ein, dass die Geräte nicht risikofrei seien, sehen aber eine Risikoreduktion im Vergleich zur Zigarette.

Kritiker wie Zervas fordern jedoch eine grundlegende Umkehr: „Bei Lebensmitteln oder Medikamenten wird die Sicherheit vorab geprüft. Beim Tabak ist es umgekehrt – er kommt auf den Markt, und erst dann müssen wir beweisen, dass er gefährlich ist.“

Fazit: Erhitzter Tabak ist kein Wundermittel – sondern ein neues Kapitel im alten Konflikt zwischen Industrieinteressen und öffentlicher Gesundheit. Die langfristigen Folgen bleiben unklar, doch der Kampf um die Deutungshoheit hat längst begonnen.

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