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England:Cyberangriff auf Co-op weitet sich aus – Millionen Kundendaten betroffen

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay

Der britische Einzelhandelsriese Co-op hat eingeräumt, dass ein kürzlich erfolgter Cyberangriff deutlich schwerwiegender ist als zunächst bekannt gegeben. Die Hackergruppe DragonForce hat der BBC Beweise vorgelegt, wonach Daten von Millionen Kunden und Mitarbeitern kompromittiert wurden – darunter Namen, Adressen, Telefonnummern und Mitgliedsnummern.

Co-op hatte den Angriff zunächst als „geringfügige Beeinträchtigung“ bezeichnet und erklärt, es gebe „keine Hinweise auf kompromittierte Kundendaten“. Nach der BBC-Anfrage bestätigte ein Unternehmenssprecher nun, dass „Daten einer erheblichen Anzahl aktueller und ehemaliger Mitglieder betroffen“ seien.

Die Hacker behaupten, Informationen von bis zu 20 Millionen Co-op-Mitgliedern gestohlen zu haben. Zudem legten sie der BBC interne Chatverläufe, Zugangsdaten von Mitarbeitern und einen Auszug aus einer Datenbank mit 10.000 Kundendatensätzen vor. Die BBC hat diese sensiblen Daten vernichtet und nicht veröffentlicht.

Interne Kommunikation kompromittiert

Ein erstes Erpresserschreiben wurde laut Angaben der Angreifer bereits am 25. April an Co-ops Cybersicherheitschef über Microsoft Teams verschickt. Darin heißt es: „Wir haben eure Daten extrahiert. Wir besitzen eure Kundendatenbank und die Co-op-Mitgliedskarteninformationen.“

In Folge des Angriffs wurden Co-op-Mitarbeitende angewiesen, in Meetings ihre Kameras eingeschaltet zu lassen, keine Gespräche aufzuzeichnen oder zu transkribieren und die Identität aller Teilnehmer aktiv zu verifizieren – ein Hinweis darauf, dass die Angreifer Zugang zu internen Kommunikationsplattformen hatten.

Verbindung zu weiteren Angriffen – und prominente Aliasnamen

DragonForce, eine international bekannte Ransomware-Gruppe, beansprucht auch Angriffe auf M&S und Harrods für sich. Die Gruppe betreibt ein sogenanntes Affiliate-Programm, das es anderen erlaubt, ihre Software für eigene Angriffe zu nutzen.

Zwei der Hacker gaben sich gegenüber der BBC als „Raymond Reddington“ und „Dembe Zuma“ aus – eine Anspielung auf Figuren der US-Serie The Blacklist. Die Gruppe schrieb: „Wir setzen britische Einzelhändler auf die Blacklist.“

Regierung spricht von „Weckruf“

Der Vorfall hat auch die britische Regierung auf den Plan gerufen. Minister Pat McFadden, zuständig für Cybersicherheit, sprach von einem „Weckruf“ für alle Unternehmen im Vereinigten Königreich. In einer kommenden Grundsatzrede wird er betonen:

„In einer Welt, in der Cyberkriminelle rund um die Uhr auf Profitsuche sind, muss Cybersicherheit für Unternehmen oberste Priorität haben.“

Man habe in Echtzeit gesehen, wie stark solche Angriffe die Gesellschaft treffen könnten – auch ganz alltägliche Vorgänge wie Einkaufen seien betroffen.

Co-op hat inzwischen die zuständigen Behörden eingeschaltet, darunter das National Cyber Security Centre (NCSC) und die National Crime Agency (NCA). Das Unternehmen entschuldigte sich öffentlich und erklärte, man arbeite mit Hochdruck an der Aufklärung und Eindämmung des Vorfalls.


Hintergrund: Co-op betreibt über 2.500 Supermärkte, rund 800 Bestattungsinstitute und eine Versicherungssparte in Großbritannien. Das Unternehmen beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeitende.

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