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Traditionsbäckerei Wahl beantragt Insolvenz – Mehr als 400 Arbeitsplätze betroffen

Matthias_koll_leverkusen (CC0), Pixabay

Die Bäckerei Konditorei Wahl GmbH aus Bestensee in Brandenburg hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Von der finanziellen Schieflage des Traditionsunternehmens sind mehr als 400 Beschäftigte sowie insgesamt 54 Filialen in Berlin und Brandenburg betroffen. Mehrere Standorte wurden bereits zum 1. August geschlossen.

Nach Angaben der Geschäftsführung soll der Geschäftsbetrieb trotz des Insolvenzverfahrens zunächst uneingeschränkt fortgeführt werden. Die Produktion am Stammsitz in Bestensee läuft weiter. Wie viele Filialen langfristig erhalten bleiben, ist derzeit noch offen.

Geschäftsführerin Anett Wahl nennt vor allem die deutlich gestiegenen Kosten sowie die Kaufzurückhaltung der Verbraucher als Ursachen für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass das eigentliche Bäckereigeschäft weiterhin gesund und wettbewerbsfähig sei. Mit der Eigenverwaltung soll der Betrieb nun neu aufgestellt und dauerhaft saniert werden.

Bereits geschlossen wurden Filialen unter anderem in Potsdam, Mittenwalde, Zossen und Berlin-Schmöckwitz. Weitere Standorte könnten im Zuge der Sanierung folgen. Für die Belegschaft bedeutet dies große Unsicherheit. Nach Angaben von Mitarbeitern wurden sie bereits vor einigen Wochen über die Insolvenz informiert.

Begleitet wird die Sanierung von einem erfahrenen Restrukturierungsexperten. Dieser sieht nach Unternehmensangaben gute Chancen für eine erfolgreiche Fortführung. Als Stärken gelten die langjährige Marktpräsenz, eine treue Stammkundschaft sowie das erfahrene Mitarbeiterteam.

Die Bäckerei Wahl blickt auf eine mehr als fünf Jahrzehnte lange Unternehmensgeschichte zurück. Gegründet wurde der Betrieb 1972 im brandenburgischen Volkstedt. Seit 1978 befindet sich der Unternehmenssitz in Bestensee. Nach der deutschen Wiedervereinigung expandierte das Familienunternehmen kontinuierlich. Im Jahr 2017 übernahm Anett Wahl die Geschäftsführung. Erst 2024 hatte die Bäckerei ihr Filialnetz durch die Übernahme mehrerer Standorte der insolventen Bäckereikette Lila Bäcker weiter ausgebaut.

Die Insolvenz der Bäckerei Wahl ist Teil einer bundesweiten Krise im Bäckerhandwerk. Nach aktuellen Zahlen meldeten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 63 Bäckereibetriebe Insolvenz an – rund 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Als Hauptursachen gelten stark gestiegene Energie-, Personal- und Rohstoffkosten sowie ein verändertes Einkaufsverhalten vieler Verbraucher. Immer häufiger werden Backwaren beim Supermarkt oder Discounter gekauft, wodurch traditionelle Handwerksbäckereien zusätzlich unter Druck geraten.

Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt und führt den Betrieb selbst weiter. Anders als bei einer Regelinsolvenz übernimmt kein Insolvenzverwalter die Unternehmensleitung. Stattdessen wird die Geschäftsführung von Sanierungsexperten unterstützt und durch einen gerichtlich bestellten Sachwalter überwacht. Ziel des Verfahrens ist es, das Unternehmen wirtschaftlich zu stabilisieren, Arbeitsplätze möglichst zu erhalten und den Betrieb dauerhaft fortzuführen.

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