Dark Mode Light Mode

Volle Honigtöpfe, bedrohte Wildbienen: Warum der Weltbienentag 2026 zwei Seiten zeigt

akbarnemati (CC0), Pixabay

Zum Weltbienentag am 20. Mai gibt es für viele Imker in Schleswig-Holstein gute Nachrichten: Das Honigjahr 2026 hat außergewöhnlich stark begonnen. Die Frühtracht fällt vielerorts üppig aus, Rapshonig kann in großen Mengen geerntet werden und die Bienenvölker gelten als besonders kräftig. Doch während Honigbienen von guten Bedingungen profitieren, bleibt die Situation vieler Wildbienenarten dramatisch. Naturschützer warnen weiterhin vor einem massiven Artensterben.

Der Weltbienentag wird jedes Jahr am 20. Mai begangen und wurde von den Vereinte Nationen eingeführt, um auf die enorme Bedeutung von Bienen und anderen Bestäubern für Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung aufmerksam zu machen. Das Datum erinnert an den slowenischen Imkerpionier Anton Janša, der als Wegbereiter der modernen Imkerei gilt.

Imker sprechen von außergewöhnlich gutem Saisonstart

Bei den rund 3.600 Imkerinnen und Imkern in Schleswig-Holstein herrscht derzeit Optimismus. Rund um den Weltbienentag beginnt traditionell die Frühtracht-Ernte – darunter vor allem der beliebte Rapshonig. Nach Angaben des Landesverbandes der Imker sind die Erträge in diesem Jahr besonders vielversprechend.

„Die Honigpötte sind voll“, sagt der Verbandsvorsitzende Christian Krug. Viele Imker rechnen mit einer deutlich besseren Ernte als in manchen Vorjahren.

Kalter Winter stärkte die Bienenvölker

Eine wichtige Ursache für die positive Entwicklung sehen Experten im vergleichsweise kalten Winter. Die Honigbienen konnten dadurch länger in ihrer natürlichen Winterruhe verbleiben. Laut Christian Krug seien die Völker dadurch stabiler und kräftiger in das Frühjahr gestartet.

Als die Temperaturen dann plötzlich deutlich anstiegen, hätten die Bienen sofort intensiv mit dem Brutgeschäft begonnen. Die Kombination aus späterem Saisonstart und anschließend warmem Wetter habe den Völkern einen starken Entwicklungsschub gegeben.

Kurzzeitig sorgten die kühlen Tage während der sogenannten Eisheiligen allerdings für kleinere Probleme. Regen und niedrige Temperaturen erschwerten zeitweise die Nahrungssuche. Trotzdem bleibt die Prognose für die Frühtracht insgesamt positiv.

Immer mehr Honigbienen – aber auf Kosten der Wildbienen?

Während die Zahl organisierter Imker laut Verband eher zurückgeht, steigt die Zahl angemeldeter Bienenvölker weiter an. Vor allem Hobbyimkerei und urbane Bienenhaltung liegen im Trend.

Genau darin sehen Naturschützer jedoch auch ein wachsendes Problem. Besonders in Städten könne die hohe Zahl von Honigbienenvölkern Wildbienen zunehmend unter Druck setzen.

NABU-Experte Carsten Pusch warnt vor starker Nahrungskonkurrenz. Honigbienen seien äußerst effizient und würden große Mengen an Blütenressourcen nutzen. Viele Wildbienenarten seien dagegen hoch spezialisiert und auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen.

„Die räumen alles ab“, beschreibt Pusch die Konkurrenzssituation drastisch.

Rund jede zweite Wildbienenart bedroht

Die Zahlen sind alarmierend: In Schleswig-Holstein stehen nach Angaben des NABU rund die Hälfte der knapp 300 Wildbienenarten auf der Roten Liste. Viele Arten gelten als gefährdet oder sogar akut vom Aussterben bedroht.

Anders als Honigbienen leben Wildbienen meist allein und bilden keine großen Völker. Viele von ihnen benötigen spezielle Lebensräume, offene Bodenstellen oder bestimmte heimische Pflanzenarten. Durch intensive Landwirtschaft, versiegelte Flächen und monotone Gärten verschwinden diese Lebensräume jedoch zunehmend.

Besonders problematisch ist zudem der Einsatz von Pestiziden, der vielen Wildbienen zusätzlich zusetzt.

Naturschützer fordern mehr wilde Gärten

Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein empfiehlt deshalb mehr naturnahe Gärten und weniger Ordnung im Grünen. Heimische Wildpflanzen, blühende Wiesen und natürliche Rückzugsorte könnten Wildbienen erheblich helfen.

Wichtig seien offene Bodenflächen, Totholz, alte Pflanzenstängel oder kleine wilde Ecken, die auch über den Winter erhalten bleiben. Gerade dort finden viele Wildbienen Nistplätze und Schutzräume.

Der Weltbienentag macht damit deutlich: Während Honigbienen derzeit von guten Bedingungen profitieren, kämpfen viele Wildbienenarten weiterhin ums Überleben. Experten sehen deshalb nicht nur Imker, sondern auch Städte, Gemeinden und Gartenbesitzer in der Verantwortung, die Artenvielfalt langfristig zu schützen.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Insolvenzantrag der Automobile Borbeck GmbH mangels Masse abgewiesen

Next Post

Millionenbetrug mit Corona-Tests? Neuer Prozess in Hannover startet