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Pflege kann schnell zum finanziellen Risiko werden: Wann sich eine Zusatzversicherung wirklich lohnt

BM10777 (CC0), Pixabay

Pflegebedürftigkeit zählt zu den größten finanziellen Risiken im Alter – und viele Menschen unterschätzen, wie teuer professionelle Betreuung tatsächlich werden kann. Zwar übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung im Ernstfall einen Teil der Kosten, doch gerade bei ambulanter Intensivpflege oder einem Platz im Pflegeheim bleibt oft eine erhebliche Versorgungslücke zurück. Verbraucherschützer warnen deshalb davor, sich allein auf die gesetzliche Absicherung zu verlassen. Gleichzeitig raten sie aber auch davon ab, vorschnell eine private Pflegezusatzversicherung abzuschließen.

Schon heute beziehen rund sechs Millionen Menschen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Besonders häufig betroffen sind ältere Menschen und Frauen, da sie statistisch länger leben und im Alter öfter alleinstehend sind. Der Großteil der Pflegebedürftigen wird weiterhin zuhause versorgt. Rund 86 Prozent leben nicht im Heim, sondern werden ambulant betreut – häufig sogar überwiegend von Angehörigen oder anderen nicht professionellen Pflegepersonen.

Das entlastet zwar die Kosten, doch professionelle Pflege bleibt teuer. Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt dabei nur festgelegte Zuschüsse, deren Höhe vom jeweiligen Pflegegrad abhängt. Reichen diese Leistungen nicht aus, müssen Betroffene die Differenz selbst bezahlen. Gerade im Pflegeheim kann das schnell zu erheblichen finanziellen Belastungen führen. Nach Angaben der Verbraucherzentralen liegt der durchschnittliche Eigenanteil bei stationärer Pflege derzeit bei mehreren tausend Euro pro Monat.

Besonders problematisch: Die Kosten steigen kontinuierlich. Pflegeheime kalkulieren ihre Preise unabhängig vom Pflegegrad zunehmend einheitlich hoch, während auch ambulante Pflegedienste immer teurer werden. Wer die zusätzlichen Kosten nicht aus eigener Rente oder aus Vermögen decken kann, ist unter Umständen auf Sozialhilfe angewiesen. In bestimmten Fällen kann das Sozialamt später sogar Angehörige finanziell heranziehen, sofern deren Einkommen bestimmte Grenzen überschreitet.

Vor diesem Hintergrund erscheint eine private Pflegezusatzversicherung für viele Menschen zunächst attraktiv. Sie soll die Versorgungslücke schließen und verhindern, dass Erspartes oder Immobilien im Pflegefall aufgebraucht werden müssen. Doch Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht. Denn wie hoch der tatsächliche finanzielle Bedarf im Alter sein wird, lasse sich heute nur schwer abschätzen. Besonders jüngere Menschen unter etwa 50 Jahren sollten laut Verbraucherzentralen genau prüfen, ob ein langfristiger Versicherungsvertrag wirklich sinnvoll ist.

Der Grund: Lebenssituationen verändern sich oft stark. Familiengründung, Scheidung, Immobilienkauf oder berufliche Veränderungen können die finanzielle Planung komplett verändern. Zudem laufen Pflegezusatzversicherungen meist lebenslang – und die Beiträge können im Laufe der Jahre deutlich steigen. Gerade im höheren Alter kann das für Versicherte zu einer zusätzlichen Belastung werden.

Auch die Unterschiede zwischen den Angeboten sind erheblich. Manche Tarife zahlen nur bei hohen Pflegegraden, andere enthalten Wartezeiten oder umfangreiche Einschränkungen. Staatlich geförderte Modelle gelten zwar als leichter zugänglich, weil Versicherer dort niemanden wegen Vorerkrankungen ablehnen dürfen. Allerdings bieten diese Verträge häufig schwächere Leistungen und weniger günstige Bedingungen.

Verbraucherschützer empfehlen deshalb, die eigene Situation realistisch einzuschätzen. Entscheidend sei nicht nur die mögliche Höhe der Pflegekosten, sondern auch, welche Pflegeform gewünscht wird, welche Unterstützung Angehörige leisten könnten, wie hoch die spätere Rente ausfallen dürfte und ob Vermögen oder Immobilien vorhanden sind. Gerade Immobilien können im Pflegefall helfen, zusätzliche Einnahmen zu erzielen oder Kosten abzufedern. Viele Menschen möchten allerdings vermeiden, ihr gesamtes Vermögen im Alter aufzubrauchen oder ihre Kinder finanziell zu belasten.

Die Frage nach einer Pflegezusatzversicherung bleibt deshalb immer eine sehr persönliche Entscheidung. Klar ist jedoch: Mit steigender Lebenserwartung und zunehmenden Pflegekosten wird das Thema Altersvorsorge für Pflege in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.

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