Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein klares Bild: WI SELEKT C ist ein offensiv ausgerichteter, global investierender Aktienfonds, der nahezu vollständig vom Aktienmarkt getragen wird und gezielt auf langfristigen Wertzuwachs setzt. Das Fondsmanagement nutzte 2025 das freundliche Börsenumfeld, insbesondere die Dynamik rund um Technologie und Künstliche Intelligenz, und hielt die Strategie durchgehend offensiv. Das hat dem Fonds grundsätzlich Rückenwind gegeben, gleichzeitig ist damit aber auch ein erhöhtes Risiko verbunden.
Positiv fällt zunächst die hohe Investitionsquote auf. Zum 31.12.2025 waren 92,39 % des Fondsvermögens in Wertpapieren investiert, davon 89,56 % direkt in Aktien. Die Liquiditätsquote von 7,71 % ist zwar spürbar, aber nicht übermäßig hoch. Sie bietet etwas Puffer, zeigt aber zugleich, dass der Fonds klar auf Marktbeteiligung und nicht auf defensive Absicherung setzt. Anleihen spielen praktisch keine Rolle.
Besonders wichtig ist die Struktur des Portfolios. Der Fonds ist global diversifiziert, jedoch mit erkennbarem Schwerpunkt auf US-Aktien und großen Qualitäts- bzw. Wachstumswerten. Die größten Einzelpositionen sind NVIDIA (4,04 %), Apple (3,78 %), Meta (2,83 %), Microsoft (2,05 %) und Cisco (2,03 %). Das spricht für eine starke Ausrichtung auf US-Technologie, Digitalisierung und Plattformunternehmen. Ergänzt wird dies durch große Konsum-, Gesundheits- und Finanzwerte wie Berkshire Hathaway, Eli Lilly, Visa, Mastercard, JPMorgan oder Coca-Cola. Das Portfolio wirkt damit qualitativ solide, aber zugleich nicht neutral, sondern klar wachstums- und US-lastig.
Genau darin liegt aus Investorensicht Chance und Risiko zugleich. Die Chance besteht darin, dass der Fonds in strukturell starken Unternehmen investiert ist, die von Digitalisierung, KI, Produktivitätsgewinnen und hoher Marktmacht profitieren. Das Risiko besteht darin, dass viele dieser Titel inzwischen hoch bewertet sind und der Fonds dadurch besonders empfindlich auf Rückschläge bei US-Tech oder bei einer Rotation weg von Wachstumswerten reagieren dürfte. Dass der Fondsmanager 2025 offensiv geblieben ist, war in einem starken Marktumfeld hilfreich, wäre in einer Korrekturphase aber ebenso ein Belastungsfaktor.
Ein zweiter zentraler Punkt ist das Währungsrisiko. Der Bericht weist ausdrücklich darauf hin, dass sich für Euro-Anleger die starke Entwicklung von US-Aktien 2025 wegen der US-Dollar-Abwertung nur abgeschwächt ausgewirkt hat. Das ist wesentlich, weil ein großer Teil der wichtigsten Beteiligungen in USD notiert. Selbst wenn die zugrunde liegenden Aktien operativ gut laufen, kann eine schwächere Fremdwährung die Rendite in Euro reduzieren. Der Fonds ist also nicht nur von der Unternehmensentwicklung, sondern auch stark von Wechselkursen abhängig.
Die Wertentwicklung der Anteilklassen war 2025 positiv, aber unterschiedlich zu beurteilen. Die thesaurierende Anteilklasse WI SELEKT C A stieg im Anteilwert von 64,91 EUR auf 68,65 EUR, also um rund 5,8 %. Die ausschüttende Klasse WI SELEKT C B erhöhte sich von 72,46 EUR auf 75,32 EUR, also um rund 4,0 %, zusätzlich gab es eine Ausschüttung von 1,10 EUR je Anteil. Rechnet man diese Ausschüttung hinzu, liegt die wirtschaftliche Entwicklung der B-Klasse ebenfalls klar im positiven Bereich. Damit hat der Fonds zwar zugelegt, aber angesichts des sehr offensiven Profils wirkt die Rendite solide, jedoch nicht überragend, zumal 2025 für viele Aktienmärkte ein starkes Jahr war.
Interessant ist die Unterschiedlichkeit der Jahresergebnisse beider Anteilklassen. Während die A-Klasse ein Jahresergebnis von +1,28 Mio. EUR ausweist, liegt die B-Klasse bei -0,21 Mio. EUR. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, hängt aber vor allem mit Ausschüttungsmechanik, Mittelbewegungen und der Zuordnung realisierter bzw. nicht realisierter Ergebnisse zusammen. Für Anleger entscheidender ist weniger dieser buchhalterische Unterschied als die tatsächliche Entwicklung des Anteilwerts und der Ausschüttung. Diese war in beiden Klassen unterm Strich positiv.
Ebenfalls positiv zu werten ist die deutliche Zunahme des Fondsvolumens. Das Gesamtvermögen stieg auf rund 27,7 Mio. EUR. Sowohl in der A- als auch in der B-Klasse gab es per saldo Mittelzuflüsse. Das spricht für gewisses Anlegervertrauen und verbessert grundsätzlich die wirtschaftliche Stabilität des Fondsbetriebs. Allerdings ist das Volumen weiterhin eher im kleineren bis mittleren Bereich. Das ist nicht problematisch, aber eben auch kein Hinweis auf einen besonders großen, institutionell geprägten Fonds.
Die Kostenquote von 1,52 % p.a. ist für einen aktiv gemanagten Misch-/Aktienfonds nicht ungewöhnlich, aber aus Renditesicht dennoch spürbar. Gerade bei einem Fonds, der am Ende zu fast 90 % in Aktien investiert ist und zusätzlich teilweise ETFs bzw. Zielfonds nutzt, muss sich diese Kostenbelastung dauerhaft durch aktives Mehrergebnis rechtfertigen. Für kostenbewusste Anleger ist das ein wichtiger Punkt: Der Fonds muss nicht nur absolut steigen, sondern nach Kosten auch besser abschneiden als einfachere, günstigere Alternativen. Ob ihm das gelingt, lässt sich aus diesem Jahresbericht allein nicht abschließend beurteilen.
Ein kleiner Warnhinweis steckt auch in einzelnen Randpositionen: Es finden sich praktisch wertlose Altbestände wie Sberbank ADRs oder Norilsk Nickel ADRs sowie eine nur symbolisch bewertete Unternehmensanleihe. Diese Positionen sind für das Gesamtportfolio finanziell kaum relevant, zeigen aber, dass der Fonds auch illiquidere oder problematische Restbestände mit sich trägt. Das ist kein Hauptproblem, aber aus Qualitätssicht nicht ideal.
Auf der Risikoseite ist der Bericht insgesamt offen: Der Fonds ist stark marktpreisabhängig, aktienlastig, währungsanfällig und indirekt auch von geopolitischen Entwicklungen, Zinsentscheiden und Handelspolitik beeinflusst. Positiv ist, dass Liquiditäts- und Bonitätsrisiken im Bericht als überschaubar erscheinen. Die meisten Positionen sind große, liquide Standardwerte. Es gibt keine nennenswerte Derivatenutzung zur Hebelung; das durchschnittliche Leverage lag bei 0,95, das Derivate-Exposure zum Stichtag bei 0,00 EUR. Das reduziert Komplexitätsrisiken. Der Fonds ist also riskant vor allem wegen seiner Aktien- und Marktausrichtung, nicht wegen komplizierter Hebelstrukturen.
Ein weiterer Punkt, der für manche Anleger relevant ist: Der Fonds ist kein Nachhaltigkeitsfonds. Nachhaltigkeitsrisiken wurden laut Bericht bei den Investitionsentscheidungen nicht berücksichtigt, der Fonds ist als Artikel-6-Produkt klassifiziert. Für klassische Renditeanleger ist das neutral, für ESG-orientierte Investoren eher ein Ausschlusskriterium.
Fazit aus Anlegersicht:
WI SELEKT C präsentiert sich 2025 als klar offensiver, globaler Aktienfonds mit Fokus auf große Qualitäts- und Wachstumsunternehmen, besonders aus den USA. Die Strategie ist nachvollziehbar und hat 2025 zu einem positiven Ergebnis geführt. Stärke des Fonds ist die breite internationale Streuung bei gleichzeitigem Fokus auf marktführende Unternehmen. Schwächen sind die hohe Abhängigkeit von US-Technologie, das Währungsrisiko, die spürbare Kostenquote und die Tatsache, dass die erzielte Rendite trotz offensiver Ausrichtung nicht außergewöhnlich hoch ausfiel.
Für Anleger ist der Fonds deshalb vor allem dann interessant, wenn sie langfristig denken, Schwankungen aushalten können und bewusst ein chancenorientiertes Aktienprofil suchen. Für vorsichtige Anleger oder für Investoren, die geringe Kosten, starke ESG-Kriterien oder ein defensiveres Risikoprofil bevorzugen, wirkt der Fonds weniger attraktiv.