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AES Strategie Defensiv 2025: Solide Wertsteigerung mit defensivem Kern – aber Kosten und Komplexität begrenzen die Attraktivität

geralt (CC0), Pixabay

Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 des AES Strategie Defensiv ein insgesamt ordentliches, aber nicht durchweg überzeugendes Bild. Der Fonds hat seinen Anteilwert von 54,90 EUR auf 58,64 EUR gesteigert. Das entspricht einer reinen Wertentwicklung von rund 6,8 %. Hinzu kommt eine Ausschüttung von 1,35 EUR je Anteil, sodass sich für 2025 eine grob geschätzte Gesamtrendite von etwa 9,3 % ergibt. Für einen Fonds mit defensiver Ausrichtung ist das ein respektables Ergebnis.

Positiv ist vor allem, dass die Entwicklung nicht nur aus einem einzelnen Treiber stammt. Das Fondsvermögen ist breit gestreut über Anleihen (48,7 %), Aktien (34,5 %), Investmentfonds (14,1 %) sowie kleinere Beimischungen. Damit bleibt der Fonds seinem defensiven Anspruch grundsätzlich treu. Die Struktur verbindet Stabilität durch Renten mit Ertragschancen durch Aktien und Spezialthemen.

Besonders wichtig für Anleger ist: Der Fonds hat 2025 nicht einfach passiv mit dem Markt mitgeschwommen, sondern aktiv gesteuert. Laut Bericht wurde die Aktienquote durch Einzelaktien, Aktienfonds und zeitweise sogar durch einen ShortDAX-ETF angepasst. Das zeigt Flexibilität, bedeutet aber auch: Die Qualität des Ergebnisses hängt stark vom Management ab. Ein solcher Fonds ist daher stärker von der taktischen Kompetenz des Beraters abhängig als ein klassischer Mischfonds mit klarer Benchmark.

Die Aktienseite ist solide, aber nicht streng defensiv. Im Portfolio finden sich Qualitätswerte wie Nestlé, Novartis, Allianz, Alphabet, Microsoft, Johnson & Johnson, Siemens oder Deutsche Telekom. Das spricht für Substanz und Diversifikation. Gleichzeitig gibt es aber auch zyklischere oder volatilere Positionen wie Alibaba, Lufthansa, CureVac oder Intel. Für einen Fonds mit dem Namenszusatz „Defensiv“ ist das nicht problematisch, aber Anleger sollten nicht erwarten, dass hier ausschließlich besonders schwankungsarme Titel gehalten werden.

Ein bemerkenswerter Baustein war 2025 das Goldthema. Der Fonds setzte auf den iShares Gold Producers ETF sowie auf Newmont. Das war im Umfeld geopolitischer Spannungen und hoher Unsicherheit sinnvoll und dürfte einen stabilisierenden bzw. renditesteigernden Beitrag geleistet haben. Aus Anlegersicht ist das nachvollziehbar, weil Goldminenaktien in Krisenphasen oft als Absicherungsinstrument genutzt werden. Allerdings bringen Minenaktien selbst wieder höhere Schwankungen mit sich als physisches Gold.

Die Anleihenseite wirkt auf den ersten Blick defensiv und gut diversifiziert. Viele Papiere stammen von Staaten oder bekannten Emittenten wie Deutschland, Niederlande, Österreich, KfW, Coca-Cola, Nestlé, BMW, Deutsche Telekom oder Siemens. Die Laufzeiten konzentrieren sich häufig auf den Zeitraum 2026 bis 2028, was das Zinsänderungsrisiko begrenzt. Das ist positiv. Gleichzeitig gibt es aber auch Positionen mit erhöhtem Risiko, etwa Nachranganleihen, ewige Anleihen, Wandelanleihen und einzelne problematischere Titel wie Accentro Real Estate. Solche Beimischungen können die Rendite verbessern, passen aber nur bedingt zu einem rein sicherheitsorientierten Anlegerprofil.

Ein zentraler Punkt aus Investorensicht sind die Kosten. Hier liegt die größte Schwäche des Fonds. Die TER beträgt 1,53 %, zusätzlich fiel eine performanceabhängige Vergütung von 1,03 % an. Das ist hoch, vor allem für einen Fonds mit defensivem Anspruch. Noch kritischer wird es, wenn man die Ertragsrechnung betrachtet: Der ordentliche Nettoertrag war mit -131.302,39 EUR negativ. Das heißt: Zinsen, Dividenden und laufende Erträge reichten nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Der positive Jahreserfolg entstand letztlich vor allem durch realisierte Gewinne und Bewertungsgewinne. Für Anleger ist das wichtig, weil dies weniger robust ist als ein Modell, das sich stärker aus laufenden Erträgen trägt.

Auch die Ausschüttung von 1,35 EUR je Anteil sollte man deshalb nicht zu euphorisch bewerten. Sie wurde nicht allein aus dem laufenden Jahresergebnis gespeist, sondern auch aus Vortrag und aus der Berücksichtigung realisierter Komponenten. Das ist zulässig, aber kein Zeichen besonderer operativer Ertragsstärke.

Positiv hervorzuheben ist dagegen die Risikosteuerung. Der Bericht nennt ein durchschnittliches Marktrisiko von 0,88 % VaR, die Derivatequote war faktisch sehr gering und das ausgewiesene Exposure aus Derivaten lag zum Stichtag bei 0,00 EUR. Zudem hielt der Fonds 2,3 % Bankguthaben, was für Liquidität sorgt. Insgesamt wirkt das Risikoprofil kontrolliert, auch wenn die Beimischung einzelner risikoreicherer Titel zeigt, dass „defensiv“ hier eher als „vorsichtig ausgewogen“ denn als „kapitalschonend konservativ“ zu verstehen ist.

Ein weiterer Punkt ist das Währungsrisiko. Der Fonds investiert spürbar international, unter anderem in USD, CHF, NOK, CAD und ZAR. Der Bericht weist selbst darauf hin, dass die Abwertung des US-Dollars einen Teil der US-Aktiengewinne aus europäischer Sicht aufgezehrt hat. Das bedeutet für Anleger: Auch wenn die Einzeltitel gut laufen, kann die Währung einen Teil des Erfolgs wieder abschmelzen.

Die Entwicklung des Fondsvermögens ist grundsätzlich erfreulich. Das Fondsvolumen stieg von 14,14 Mio. EUR auf 15,37 Mio. EUR. Das ist ein Zuwachs von rund 8,7 %. Gleichzeitig waren die Mittelzuflüsse netto nur leicht positiv, was zeigt: Das Wachstum kam überwiegend aus der Wertentwicklung und nicht aus starkem frischem Anlegergeld. Das spricht eher für eine stabile, aber nicht dynamisch wachsende Fondsbasis.

Unterm Strich ist der AES Strategie Defensiv aus Anlegersicht ein aktiv gemanagter defensiver Mischfonds mit brauchbarer 2025er Performance, solider Diversifikation und vernünftiger Risikokontrolle, aber auch mit klaren Schwächen. Die größte Schwäche sind die hohen laufenden und erfolgsabhängigen Kosten. Hinzu kommt, dass die Rendite 2025 stark von Marktgewinnen und Bewertungsgewinnen lebte, nicht von einem starken laufenden Ertragsprofil.

Fazit für Anleger:
Der Fonds ist interessant für Investoren, die ein aktiv gemanagtes, breit gemischtes und eher vorsichtig aufgestelltes Portfolio suchen und bereit sind, dafür höhere Gebühren zu akzeptieren. Weniger geeignet ist er für Anleger, die besonderen Wert auf niedrige Kosten, hohe Transparenz und einen klar planbaren defensiven Charakter legen. Das Jahr 2025 war erfolgreich, aber der Bericht zeigt auch: Diese Strategie ist nicht billig, und „defensiv“ bedeutet hier keineswegs „risikoarm im engen Sinn“.

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