Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein insgesamt solides, aber nicht überragendes Bild. Der Fonds erzielte im Berichtszeitraum eine Wertentwicklung von +4,28 % und erreichte zum Jahresende ein Fondsvermögen von 107,0 Mio. EUR bei einem Anteilwert von 50,01 EUR. Damit hat der Fonds in einem von Unsicherheit geprägten Marktumfeld sein Ziel einer vergleichsweise stabilen Entwicklung grundsätzlich erfüllt. Besonders auffällig ist, dass das Management den Aktienanteil über das gesamte Jahr hinweg weitgehend gegen stärkere Kursrückgänge abgesichert hat. Das spricht für einen klar defensiven Steuerungsansatz, der vor allem auf Kapitalerhalt und Schwankungsbegrenzung ausgelegt ist.
Positiv ist zudem die breite Diversifikation. Der Fonds war Ende 2025 mit rund 49,7 % in Aktien, 29,1 % in Anleihen und 19,1 % in Investmentanteilen investiert. Hinzu kamen kleinere Positionen in sonstigen Beteiligungswertpapieren und nur ein sehr geringer Derivatebestand auf Stichtagsbasis. Die Struktur folgt dem angekündigten „3-Säulen-Modell“ aus Wachstum, Sicherheit und Kontinuität und wirkt grundsätzlich nachvollziehbar. Für Anleger, die keine aggressive Aktienstrategie suchen, sondern ein gemischtes Portfolio mit Risikopuffer, ist das Konzept plausibel.
Die Volatilität von 6,08 % bestätigt diesen defensiven Charakter. Für einen Mischfonds ist das ein eher moderater Wert. Das deutet darauf hin, dass der Fonds Schwankungen tatsächlich begrenzen konnte. Gleichzeitig erklärt diese konservative Ausrichtung aber auch, warum die Rendite zwar positiv, jedoch nicht außergewöhnlich hoch ausfällt. Wer als Anleger vor allem auf maximale Partizipation an starken Aktienmärkten setzt, dürfte den Fonds eher als zu vorsichtig empfinden. Wer dagegen Stabilität sucht, findet hier eher ein passendes Profil.
Ein kritischer Punkt ist jedoch die Kostenbelastung. Die Total Expense Ratio von 1,39 % ist für einen defensiv ausgerichteten Mischfonds relativ hoch. Hinzu kommt, dass im Portfolio mehrere Zielfonds enthalten sind, die selbst nochmals Verwaltungsvergütungen verursachen. Dadurch entsteht aus Anlegersicht eine gewisse Kosten-Doppelstruktur. Gerade wenn die Jahresrendite nur im mittleren einstelligen Bereich liegt, fällt eine solche Kostenquote stärker ins Gewicht. Für langfristige Anleger mindert das den Zinseszinseffekt spürbar.
Auch die Ergebnisstruktur verdient einen genaueren Blick. Der ordentliche Nettoertrag lag nur bei 435.477 EUR, während das realisierte Ergebnis des Geschäftsjahres mit -3,25 Mio. EUR negativ war. Dass der Fonds dennoch auf ein positives Jahresergebnis von 4,73 Mio. EUR kam, ist vor allem auf nicht realisierte Bewertungsgewinne zurückzuführen. Das bedeutet: Ein wesentlicher Teil des Erfolgs stammt aus gestiegenen Marktwerten im Bestand, nicht aus tatsächlich vereinnahmten realisierten Gewinnen. Das ist nicht ungewöhnlich, macht die Wertentwicklung aber anfälliger für spätere Marktbewegungen.
Ebenfalls auffällig ist die Entwicklung der Mittelbewegungen. Es gab 2025 einen Netto-Mittelabfluss von rund 3,82 Mio. EUR. Das heißt, mehr Anlegergelder wurden zurückgegeben als neu investiert. Das ist nicht zwingend ein Warnsignal, kann aber darauf hindeuten, dass der Fonds im Wettbewerb nicht besonders stark nachgefragt war oder Anleger nach Alternativen gesucht haben. Für Bestandsanleger ist das vor allem dann relevant, wenn sich dieser Trend fortsetzen würde.
Auf der Aktienseite wirkt das Portfolio qualitativ ordentlich. Es enthält viele etablierte europäische und internationale Titel wie Allianz, Münchener Rück, SAP, Schneider Electric, Microsoft, Alphabet, NVIDIA oder Visa. Das spricht für eine qualitätsorientierte Auswahl mit Fokus auf große, liquide Unternehmen. Gleichzeitig gibt es auch zyklischere und geopolitisch sensiblere Titel wie Rheinmetall, Airbus, Prysmian oder Rohstoffwerte. Insgesamt ist das Aktienportfolio jedoch nicht übermäßig konzentriert, sondern breit gestreut.
Die Rentenseite erscheint ebenfalls vergleichsweise solide. Ein großer Teil der Anleihen stammt von Staaten, supranationalen Emittenten und qualitativ ordentlichen Adressen wie EU, Deutschland, Frankreich, Spanien oder ESM. Das stärkt die Stabilitätsfunktion des Fonds. Gleichzeitig sind die Laufzeiten teilweise recht lang, sodass der Fonds weiter zinsänderungssensitiv bleibt. Sollte das Zinsniveau erneut steigen, könnten Kursverluste auf der Anleiheseite belasten.
Ein klarer Schwachpunkt aus Anlegersicht liegt bei den offenen Immobilienfonds im Bestand. Der Bericht nennt ausdrücklich, dass der Anteil am CS Euroreal aktuell nicht veräußerbar ist und der UBS Euroinvest nur mit einjähriger Kündigungsfrist liquidierbar ist. Auch wenn diese Positionen zusammen nur rund 4 % des Fondsvermögens ausmachen, zeigt das, dass der Fonds nicht vollständig frei von Liquiditätsengpässen in Teilsegmenten ist. Für einen Fonds, der Stabilität verspricht, ist das ein Punkt, den Anleger ernst nehmen sollten.
Die Derivate wurden überwiegend zur Absicherung genutzt, nicht zur aggressiven Hebelung. Das ist positiv zu bewerten. Auch die Leverage-Kennzahlen von 1,15 brutto und 1,04 nach Commitment-Methode wirken unauffällig. Das spricht dafür, dass das Risikomanagement insgesamt konservativ arbeitet. Der Fonds scheint also keine versteckten großen Hebelrisiken aufgebaut zu haben.
Weniger attraktiv könnte der Fonds für Anleger mit Nachhaltigkeitsfokus sein. Der Bericht stellt klar, dass Nachhaltigkeitsrisiken bei den Investitionsentscheidungen nicht berücksichtigt wurden und der Fonds als Artikel-6-Produkt einzustufen ist. Wer Wert auf ESG-Integration oder ökologische Kriterien legt, wird hier eher nicht fündig.
Unterm Strich ist der HANSApost Triselect aus Anlegersicht ein defensiver Mischfonds mit ordentlicher Stabilität, vernünftiger Diversifikation und professioneller Absicherung, aber auch mit vergleichsweise hohen Kosten, begrenzter Renditedynamik und einzelnen Liquiditätsnachteilen. Für sicherheitsorientierte Anleger, die moderate Schwankungen akzeptieren und keinen Fokus auf Nachhaltigkeit haben, kann der Fonds weiterhin interessant sein. Für renditeorientierte oder kostenbewusste Anleger ist er dagegen nur eingeschränkt attraktiv.
Fazit:
Der Fonds hat 2025 geliefert, was sein Profil erwarten lässt: keine spektakuläre, aber eine stabile positive Entwicklung. Die defensive Ausrichtung ist glaubwürdig umgesetzt. Der größte Kritikpunkt bleibt die Kostenstruktur, gefolgt von den illiquiden Immobilienfondspositionen. Als Baustein für ein vorsichtiges Depot ist der Fonds vertretbar, als Renditetreiber jedoch eher nicht.