Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein insgesamt überzeugendes, aber klar einzuordnendes Bild. Der Fonds hat seinen Anspruch, eine möglichst marktunabhängige Rendite bei niedriger Volatilität zu erzielen, im Berichtsjahr im Wesentlichen erfüllt. Die Wertentwicklung der Anteilklassen lag zwischen 4,70 % (R) und 7,08 % (S), bei einer sehr niedrigen Volatilität von rund 3 %. Für einen auf Sondersituationen und M&A-Events spezialisierten Aktienfonds ist das ein beachtlich defensives Risikoprofil.
Positiv fällt zunächst die Stabilität des Ansatzes auf. Das Portfolio war zum Jahresende zu 92,10 % in Aktien investiert, nur 4,27 % in Anleihen, dazu eine kleine Liquiditätsreserve von 4,08 %. Das zeigt: Der Fonds ist zwar formal ein Aktienfonds, agiert aber nicht wie ein klassischer Long-only-Aktienfonds, sondern nutzt gezielt Unternehmensereignisse mit asymmetrischem Chance-Risiko-Profil. Gerade der Fokus auf M&A-Situationen im deutschsprachigen Raum und Europa spricht für einen spezialisierten Nischenansatz, der sich von breiten Aktienindizes unterscheidet.
Ebenfalls positiv ist die konsequente Währungsabsicherung. Obwohl rund 12 % des Portfolios außerhalb des Euroraums investiert waren, wurde das Währungsrisiko vollständig abgesichert. Das ist aus Anlegersicht sinnvoll, weil so die Rendite tatsächlich stärker aus den Einzeltiteln und Sondersituationen stammt – und nicht aus Währungsschwankungen.
Die Mittelzuflüsse deuten zudem auf gewachsenes Anlegervertrauen hin. Das Fondsvermögen stieg auf 88,77 Mio. EUR. Besonders stark waren die Zuflüsse in den Klassen R, I und in die neu aufgelegte SI-Klasse. Das spricht dafür, dass der Fonds im Markt an Sichtbarkeit gewinnt. Gleichzeitig ist Wachstum bei spezialisierten Strategien nicht nur positiv: Je größer ein Event-Driven-Fonds wird, desto schwieriger kann es werden, kleinere und besonders ineffiziente Situationen in derselben Qualität umzusetzen.
Ein weiterer Pluspunkt ist die niedrige Umschichtung im Sinne der Strategie, obwohl das ausgewiesene Transaktionsvolumen hoch erscheint. Der Bericht macht deutlich, dass Positionen gezielt für konkrete Ereignisse aufgebaut und gehalten wurden. Das ist bei einem Special-Situations-Fonds glaubwürdig und unterscheidet sich von opportunistischem Kurzfristhandel. Anleger erhalten hier keine diffuse „Aktien-Story“, sondern einen strukturierten Katalysator-Ansatz.
Allerdings gibt es auch Punkte, die kritisch zu betrachten sind. Erstens bestehen erkennbare Klumpenrisiken. Die größten Einzelpositionen wie msg life (8,11 %), Schaltbau (7,62 %), Adtran Networks (7,05 %) und Iveco (6,41 %) machen zusammen bereits einen erheblichen Teil des Fonds aus. Für einen spezialisierten Event-Fonds ist eine gewisse Konzentration normal, aus Anlegersicht erhöht sie aber das Einzeltitelrisiko deutlich. Fällt ein wichtiges Ereignis aus, verzögert sich oder endet ungünstig, kann das die Performance spürbar belasten.
Zweitens ist der Fonds nicht so marktneutral, wie die Strategieformulierung vermuten lässt. Auch wenn Sondersituationen im Fokus stehen, sind über 96 % des Fondsvermögens in Wertpapieren investiert, fast ausschließlich Aktien. In Stressphasen, in denen Merger-Spreads aufgehen oder Risikoaversion steigt, kann daher trotz niedriger historischer Volatilität ein deutlicher Bewertungsdruck entstehen. Der Bericht weist selbst auf geopolitische Unsicherheiten, Zollpolitik und volatile Märkte hin.
Drittens ist die Kostenstruktur je Anteilklasse sehr unterschiedlich. Besonders attraktiv ist die Klasse S mit einer TER von nur 0,43 %, während R mit 1,93 % und I mit 1,43 % deutlich teurer sind. Hinzu kommt in mehreren Klassen eine performanceabhängige Vergütung. Das ist aus Anlegersicht wichtig, weil die Netto-Mehrerträge eines defensiven Fonds mit begrenzter Zielrendite durch Gebühren schnell aufgezehrt werden können. Wer Zugang zu einer günstigen Anteilklasse hat, ist klar im Vorteil. Die Klasse R wirkt im Vergleich am wenigsten attraktiv, zumal dort zusätzlich ein Ausgabeaufschlag von 5 % möglich ist.
Auffällig ist außerdem, dass der laufende Nettoertrag in den Klassen R und I negativ war. Die positiven Jahresergebnisse stammen also nicht aus einem starken laufenden Ertragsprofil, sondern vor allem aus realisierten Veräußerungsgewinnen und Bewertungsgewinnen. Das ist für einen Event-Driven-Fonds nicht ungewöhnlich, macht aber deutlich: Die Strategie lebt von der erfolgreichen Umsetzung einzelner Sondersituationen, nicht von stetigen Cashflows.
Ein kleiner, aber interessanter Aspekt sind die Nachbesserungsrechte aus Squeeze-outs, die mit 0 bewertet werden. Bilanztechnisch ist das konservativ, weil unklare Gerichtsverfahren nicht vorweggenommen werden. Für Anleger bedeutet das: Es könnte verstecktes Upside geben, aber man sollte sich darauf nicht verlassen. Solche Rechte sind eher optionaler Zusatzwert als tragende Investmentthese.
Positiv zu würdigen ist das uneingeschränkte Prüfungsurteil von KPMG. Das ist kein Qualitätsbeweis für die Strategie, aber ein wichtiges Vertrauenssignal hinsichtlich Ordnungsmäßigkeit und Berichtsqualität.
Fazit aus Anlegersicht:
Der Mainberg Special Situations Fund HI wirkt 2025 wie ein solide gemanagter, spezialisierter Event-Driven-Fonds, der sein zentrales Versprechen – ordentliche Rendite bei niedriger Schwankung – erfüllt hat. Besonders stark ist der Fonds für Anleger, die eine ergänzende, von klassischen Aktienindizes teilweise entkoppelte Strategie suchen. Weniger überzeugend sind die teilweise hohen Kosten, die Konzentration auf einzelne Sonderfälle und die Tatsache, dass das Renditeprofil stark vom Gelingen spezifischer Unternehmensereignisse abhängt.
Für risikobewusste Anleger ist der Fonds daher interessant als Beimischung, aber weniger als alleiniger Aktienbaustein. Am attraktivsten erscheint er in den kostengünstigeren institutionellen Anteilklassen, während Privatanleger in der R-Klasse die Gebühren besonders kritisch prüfen sollten.