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CSR Ertrag Plus (Geschäftsjahr 01.11.2024–31.10.2025): Solide Konstruktion, aber deutliche Zielverfehlung gegenüber Benchmark und hohe Mittelabflüsse
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CSR Ertrag Plus (Geschäftsjahr 01.11.2024–31.10.2025): Solide Konstruktion, aber deutliche Zielverfehlung gegenüber Benchmark und hohe Mittelabflüsse

geralt (CC0), Pixabay

1) Anlageziel & Positionierung aus Anlegersicht

Der Fonds CSR Ertrag Plus verfolgt als „Absolut-Return“-Ansatz das Ziel, einen Vergleichsindex (70% Rentenindex + 30% fixe Verzinsung) zu übertreffen – mit einer strategischen Mischung aus ca. 70% Renten (stabiler Ertrag) und bis zu ca. 30% Aktien (Zusatzrendite). Gleichzeitig ist er als Artikel-8-Fonds positioniert und bewirbt ökologische/soziale Merkmale (mind. 75% nachhaltigkeitsbezogen gemanagt). Die Verwaltung liegt bei Monega Kapitalanlagegesellschaft mbH, das Portfoliomanagement ist an CSR Beratungsgesellschaft mbH ausgelagert.

Investor-Interpretation: Konzeptionell ist das ein defensiver Mischfonds mit ESG-Filter und Risikokontrolle (Fremdwährungsrisiko max. 10%). Für Anleger, die “ruhige” Renditen anstreben, ist die Zielsetzung plausibel – entscheidend ist aber, ob das Management die Benchmark wirklich zuverlässig schlagen kann.

2) Performance: Unterrendite trotz defensivem Profil

Fondsperformance: –2,29% im Geschäftsjahr

Benchmark: +2,55% im gleichen Zeitraum

Tracking-/Zielbild: Der Fonds sollte die Benchmark übertreffen, hat sie aber um 4,84 Prozentpunkte verfehlt.

Was das bedeutet: Für einen “Absolut Return”-Fonds ist eine negative Jahresrendite nicht automatisch ein K.-o.-Kriterium (Marktphasen können schwierig sein). Kritischer ist hier die deutliche Unterperformance gegenüber der eigenen Benchmark – das ist das zentrale Qualitätssignal für Anleger.

3) Risiko & Schwankung: Höhere Volatilität als die Benchmark

Volatilität Fonds: 5,34%

Volatilität Benchmark: 2,47%

Investor-Interpretation: Anleger haben mehr Schwankung getragen, wurden aber mit weniger Rendite “bezahlt”. Das ist aus Risiko-/Ertragssicht ungünstig. Der Fonds wirkt damit im Berichtsjahr eher wie ein defensiver Mischfonds, der in der Umsetzung nicht stabil genug war, um sein Benchmarkprofil zu treffen.

4) Portfolioaufbau: defensiv, aber mit auffälliger Konzentration in einzelnen Rentenpositionen

Asset Allocation zum 31.10.2025

Renten EUR: 51,07%

Aktien EUR: 30,84%

Zielfonds: 2,66%

Kasse/Forderungen/Verbindlichkeiten: 15,51%

Derivate (netto): gering

Positiv:

Rentenfokus passt zum Ertragsziel.

Aktienquote (30,8%) entspricht dem “bis zu ~30%”-Ansatz.

Hohe Liquidität (~15,5%) kann in volatilen Phasen Stabilität geben und Rückgaben abfedern.

Aber auffällig:
Die Top-5-Einzeltitel im Portfolio liegen jeweils bei rund 6,9% bis 8,3% des Fondsvermögens – und sind überwiegend gedeckte Bankanleihen/Bank-Pfandbriefe bzw. banknahe Strukturen. Das ist für einen 11,76 Mio. EUR Fonds nicht ungewöhnlich, bedeutet aber:

Konzentrationsrisiko: einzelne Emittenten/Strukturen wirken stark auf die Wertentwicklung.

Sektorneigung Finanz: selbst bei gedeckten Papieren bleibt man stärker in einem Segment verankert.

5) Ertragslage & Ergebnisquellen: laufender Ertrag ok – aber Bewertungsverluste dominieren

Aus der Ertrags- und Aufwandsrechnung:

Ordentlicher Nettoertrag: 118.709 EUR (laufende Zinsen/Dividenden minus Kosten)

Realisierte Verkäufe (netto): +73.577 EUR

Nicht realisiertes Ergebnis: –353.420 EUR

Ergebnis des Geschäftsjahres: –161.133 EUR

Investor-Interpretation: Operativ (laufende Erträge) wirkt der Fonds grundsätzlich ertragsfähig. Der Verlust kam primär über Bewertungsbewegungen (Marktpreise) – das passt zu Zins- und Spreadbewegungen sowie Aktienmarktvolatilität im Zeitraum.

6) Mittelabflüsse: sehr starkes Warnsignal (Fonds schrumpft massiv)

In der Entwicklungsrechnung:

Fondsvermögen Start: 30,79 Mio. EUR

Netto-Mittelabfluss: –18,67 Mio. EUR

Fondsvermögen Ende: 11,76 Mio. EUR

Warum das als Anleger wichtig ist:

Große Rückgaben können Handlungsdruck erzeugen (Positionen verkaufen, Liquidität hochhalten).

Fixkosten (z.B. Prüfung/Veröffentlichung) belasten kleinere Fonds relativ stärker.

Sehr starke Abflüsse sind oft ein Zeichen für Anlegerunzufriedenheit oder Vertriebs-/Marktthemen, unabhängig von ESG-Qualität.

7) Kosten & Effizienz

Gesamtkostenquote (ohne Performance Fee & Transaktionskosten): 0,71%

Transaktionskosten: 21.655 EUR

Portfolioumschlag: 3,2347 (moderat)

Einordnung: 0,71% ist für einen aktiv gemanagten Mischfonds nicht extrem hoch, aber bei Unterperformance zählt jeder Basispunkt. Zudem wurde die maximale Verwaltungsvergütung per BaFin-Genehmigung von 0,53% auf 0,60% angehoben (wirksam ab 18.07.2025). Das erhöht den Renditedruck für die Zukunft – der Fonds muss erst recht Mehrwert liefern, um die Benchmark zu schlagen.

8) Derivate & Risikosteuerung

Derivate sind vorhanden, aber bilanziell klein. Risikomessung via VaR (historische Simulation, 99%, 10 Tage), durchschnittlicher Derivate-Leverage 1,55.

Investor-Interpretation: Derivate werden offenbar eher zur Steuerung/Absicherung genutzt als als Hauptrenditetreiber. Das passt zum defensiven Profil, ändert aber nichts daran, dass das Ergebnis im Jahr nicht stabil genug war.

9) ESG/Artikel-8: stringent in Ausschlüssen, aber ESG ist kein Renditegarant

Der Fonds bewirbt ökologische/soziale Merkmale (Artikel 8) und nutzt u.a. Ausschlüsse (kontroverse Waffen, Tabak, Atomkraft, Alkohol, Glücksspiel, Kohle etc.). ESG-Screening basiert auf Daten u.a. von MSCI ESG Research LLC und imug | rating sowie Normbezug (United Nations, International Labour Organization, UN Global Compact, OECD).

Wichtig für Anleger: Die ESG-Beschreibung wirkt formal solide und regelbasiert. Gleichzeitig zeigt gerade dieses Jahr: ESG-Konformität schützt nicht vor Underperformance. Für Anleger sollte ESG daher ein Neben-Constraint sein – und die Messlatte bleibt die risikoadäquate Rendite.

10) Governance/Regeländerungen: Kündigungsrecht gegenüber einzelnen Anlegern

Neu eingeführt wurde ein Kündigungsrecht „aus wichtigem Grund“ (u.a. US-Personen, EU-Sanktionsliste). Das ist in der Praxis meist Compliance-getrieben.

Investor-Interpretation: Für EU-Privatanleger meist ohne direkte Relevanz, aber es zeigt: Der Fonds wird stärker auf regulatorische Anforderungen und Vertriebsfähigkeit ausgerichtet.

11) Prüfungsvermerk

Der Abschlussprüfer KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erteilt ein Prüfungsurteil, dass der Jahresbericht den Vorschriften entspricht (ohne Prüfung der als “sonstige Informationen” gekennzeichneten ESG-Anhänge).

Fazit für Anleger

Stärken

Klare, defensiv orientierte Mischfonds-Struktur (Rentenfokus + Aktienbeimischung).

Moderate laufende Kostenquote, moderater Portfolio-Umschlag.

ESG-Regelwerk wirkt stringent dokumentiert (Artikel-8-Umsetzung).

Schwachpunkte / Warnsignale

Deutliche Unterperformance: –2,29% vs. Benchmark +2,55% im Berichtsjahr.

Höhere Volatilität als die Benchmark (5,34% vs. 2,47%) – ungünstiges Risiko-/Ertragsprofil.

Massive Mittelabflüsse (Fondsvolumen fällt von 30,8 Mio. auf 11,8 Mio. EUR) – potenziell belastend für Flexibilität, Kostenrelation und Portfolio-Management.

Kostenobergrenze erhöht (max. Verwaltungsvergütung 0,60%): erhöht den Druck, künftig Mehrwert zu liefern.

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