Der Jahresabschluss 2024 der 130. WestWind Windpark GmbH & Co. KG zeigt eine klassische, aber klar fremdfinanzierte Projektgesellschaft im Windenergiesektor. Die Struktur ist übersichtlich, die Bewegungen gegenüber dem Vorjahr sind moderat – dennoch gibt es aus Anlegersicht mehrere Punkte, die man differenziert betrachten sollte.
Bilanzsumme: moderater Rückgang
Die Bilanzsumme sinkt von 4,37 Mio. Euro auf 3,96 Mio. Euro. Das ist ein Rückgang um rund 407.000 Euro. Hauptursache ist der planmäßige Werteverzehr im Anlagevermögen: Die Sachanlagen reduzieren sich von 3,39 Mio. Euro auf 3,03 Mio. Euro. Das entspricht einer normalen linearen Abschreibung im laufenden Betrieb.
Auch die immateriellen Vermögensgegenstände gehen leicht zurück, während die Finanzanlagen unverändert bei 1.801 Euro stehen – also ohne Relevanz für die Gesamtstruktur.
Liquidität und Forderungen: Strukturverschiebung
Das Umlaufvermögen sinkt leicht von 855.000 Euro auf 811.000 Euro. Auffällig ist jedoch die deutliche Reduktion der Forderungen gegen Gesellschafter: von 387.000 Euro auf 40.000 Euro.
Das ist aus Anlegersicht positiv zu bewerten. Forderungen gegenüber Gesellschaftern binden Liquidität und können – je nach Struktur – Rückzahlungsrisiken oder Verrechnungseffekte bergen. Der starke Rückgang deutet darauf hin, dass diese Position weitgehend bereinigt wurde.
Allerdings sinkt gleichzeitig der Kassenbestand von rund 309.000 Euro auf 202.000 Euro. Die unmittelbare Liquiditätsreserve ist also kleiner geworden. Für eine Gesellschaft mit 400.000 Euro kurzfristig fälligen Verbindlichkeiten bleibt das ein sensibler Punkt.
Eigenkapital: formell stabil, aber strukturell dünn
Das Eigenkapital beträgt unverändert 450.000 Euro. Auf den ersten Blick entspricht das bei einer Bilanzsumme von knapp 4 Mio. Euro einer Eigenkapitalquote von rund 11 Prozent.
Entscheidend ist jedoch die Kapitalstruktur: Das nominelle Kommanditkapital beträgt 1,5 Mio. Euro, davon sind 1,05 Mio. Euro nicht eingefordert. Effektiv stehen der Gesellschaft also nur 450.000 Euro als eingezahltes Kapital zur Verfügung.
Das bedeutet: Im Krisenfall besteht zwar ein theoretisches Einforderungspotenzial, praktisch operiert die Gesellschaft jedoch mit einem relativ schmalen realen Eigenkapitalpolster.
Rückstellungen: deutlicher Rückgang
Die Rückstellungen sinken stark von 126.946 Euro auf 28.241 Euro. Wie bei ähnlichen Projektgesellschaften stellt sich hier die Frage, welche Verpflichtungen sich konkret reduziert haben. Der Abschluss liefert hierzu keine detaillierte Überleitung.
Ein Rückgang verbessert die Bilanzkennzahlen, reduziert aber auch den bilanziellen Vorsorgepuffer für ungewisse Verpflichtungen.
Verschuldung: hoch und stark besichert
Die Verbindlichkeiten gehen leicht zurück von 3,67 Mio. Euro auf 3,37 Mio. Euro. Positiv ist, dass sowohl der langfristige als auch der kurzfristige Block etwas reduziert wurde.
Die Laufzeitenstruktur:
-
kurzfristig: 400.878 Euro
-
langfristig: 2.966.486 Euro
-
davon über 5 Jahre: 1.641.379 Euro
Das ist grundsätzlich tragfähig für ein Infrastrukturprojekt. Problematisch ist jedoch der hohe Sicherheitenumfang: Verbindlichkeiten in Höhe von 3,30 Mio. Euro sind durch Pfandrechte oder ähnliche Rechte gesichert. Damit sind nahezu sämtliche wesentlichen Vermögenswerte zugunsten der Kreditgeber belastet.
Zusätzlich besteht eine Bankbürgschaft über 149.000 Euro für den Rückbau der Windenergieanlage. Dafür hat die Bank ein Rückgriffsrecht, abgesichert durch ein Pfandrecht auf die Anlage. Auch das bindet wirtschaftliche Substanz.
Latente Steuern: moderat
Aktive latente Steuern (1.814 Euro) und passive latente Steuern (115.435 Euro) bewegen sich auf überschaubarem Niveau und sind für die Risikobewertung nicht ausschlaggebend.
Kein Personal – reines Projektvehikel
Wie viele Windparkgesellschaften beschäftigt das Unternehmen keine Mitarbeiter. Betrieb und Management erfolgen typischerweise über Dienstleister oder Konzernstrukturen. Das macht die Gesellschaft schlank, erhöht aber die Abhängigkeit von externen Verträgen.
Gesamtbewertung aus Anlegersicht
Stärken
-
Planmäßiger Schuldenabbau
-
Deutlich reduzierte Forderungen gegen Gesellschafter
-
Keine erkennbaren Bewertungsänderungen
-
Solide, klar strukturierte Laufzeiten
Kritische Punkte
-
Real eingezahltes Eigenkapital relativ niedrig
-
Hoher Sicherheitenanteil zugunsten von Kreditgebern
-
Sinkende Liquiditätsreserve
-
Deutlich reduzierte Rückstellungen ohne nähere Erläuterung
-
Keine GuV-Transparenz (typisch für Kleinstgesellschaften, aber einschränkend)
Fazit
Die 130. WestWind Windpark GmbH & Co. KG zeigt 2024 eine stabile, aber eng kalkulierte Finanzierungsstruktur. Das Projekt wirkt operativ nicht unter Druck, Schulden werden planmäßig reduziert und interne Forderungen wurden zurückgeführt.
Gleichzeitig bleibt es eine stark fremdfinanzierte Projektgesellschaft mit schmalem realem Eigenkapitalpuffer und weitreichenden Sicherheiten zugunsten der Banken. Für Anleger bedeutet das: Solange der Windpark zuverlässig produziert und der Cashflow stabil bleibt, erscheint die Struktur tragfähig. Spielraum für unerwartete Belastungen oder längere Schwachwindphasen ist jedoch begrenzt.