Als die Concorde am 21. Januar 1976 zu ihrem ersten kommerziellen Flug von London-Heathrow abhob, war sie mehr als nur ein Flugzeug: Sie war ein Symbol für Fortschritt, Mut und technische Vision. Für viele Zuschauer am Zaun des Flughafens war dieser Moment unvergesslich – darunter auch der junge John Tye, der damals nicht ahnte, dass er Jahrzehnte später selbst im Cockpit dieses legendären Überschalljets sitzen würde.
Für die Piloten, die die Concorde flogen, war das Erlebnis unvergleichlich. Trotz intensiver Ausbildung und unzähliger Simulatorstunden, so berichten sie, ließ sich nichts mit dem echten Gefühl vergleichen, wenn die vier Rolls-Royce-Olympus-Triebwerke zum Leben erwachten. John Tye erinnert sich an seinen ersten Start in Sevilla: die untergehende Sonne, das Vibrieren des Flugzeugs, die gespannte Stille vor dem Abheben. Als die Schubhebel nach vorne geschoben wurden, sei er regelrecht in den Sitz gedrückt worden – eine Beschleunigung, die sich kaum in Worte fassen lasse.
Innerhalb weniger Minuten stieg die Concorde auf große Höhe, durchbrach später die Schallmauer und flog mit mehr als doppelter Schallgeschwindigkeit. Allein diese ersten 20 Minuten beschreibt Tye als den eindrucksvollsten Moment seiner gesamten Karriere. Die Maschine reagierte präzise, kraftvoll und zugleich elegant – wie ein Rennwagen der Lüfte.
Doch nicht nur spätere Piloten wie Tye prägten die Geschichte der Concorde. Bereits in den frühen Jahren waren erfahrene Flugkapitäne wie Peter Duffey beteiligt, der zuvor im Zweiten Weltkrieg als RAF-Pilot gedient hatte. Duffey war an der Entwicklung und Erprobung der Concorde beteiligt und half, die ersten Trainingsprogramme für Piloten zu entwerfen. Für ihn war die Concorde ein weiterer Meilenstein nach Flugzeugen wie der de Havilland Comet, dem ersten Passagierjet der Welt.
Auch Jock Lowe gehörte zu den Pionieren. Am Tag des Erstflugs der Concorde 1969 wurde er 25 Jahre alt – und beschloss, dieses Flugzeug eines Tages selbst zu fliegen. Als er sie erstmals in einem Hangar sah, habe ihn ihre Präsenz überwältigt. Kurz darauf flog er sie in großer Höhe und beschrieb das Gefühl später als den Wechsel „vom Bus in einen Formel-1-Wagen“. Lowe blieb der Concorde bis zu ihrer Außerdienststellung treu und wurde zum dienstältesten Concorde-Piloten von British Airways.
Heute ist die Concorde Geschichte. Doch die Erzählungen ihrer Piloten zeigen: Sie war nicht nur ein technisches Wunder, sondern ein emotionales Erlebnis – ein Kapitel der Luftfahrt, das bis heute fasziniert.