Die US-Aktienmärkte haben am Mittwoch eine deutliche Erholung erlebt, nachdem Präsident Donald Trump seinen Ton im Streit mit europäischen Partnern merklich abgeschwächt hat. Nur einen Tag nach dem stärksten Rückgang seit Oktober verzeichnete der S&P 500 seinen besten Handelstag seit November. Auslöser war die Ankündigung des Präsidenten, vorerst auf die angedrohten Strafzölle gegen einige europäische Länder zu verzichten und im Konflikt um Grönland Zurückhaltung zu signalisieren.
Zu Wochenbeginn hatten Trumps Äußerungen über den möglichen Erwerb Grönlands sowie seine harte Haltung gegenüber Europa für erhebliche Verunsicherung gesorgt. Anleger reagierten mit Verkäufen von US-Aktien, Staatsanleihen und dem Dollar – ein klassischer „Sell America“-Trade. Am Mittwoch jedoch entspannte sich die Lage spürbar. Trump erklärte, er werde keine „übermäßige Stärke oder Gewalt“ einsetzen, um Grönland zu erwerben, und sprach von konstruktiven Gesprächen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte.
Die Märkte reagierten prompt: Der Dow Jones legte um 589 Punkte beziehungsweise 1,21 Prozent zu und machte damit einen Großteil der Verluste vom Vortag wett. Der S&P 500 stieg um 1,16 Prozent und liegt nun nur noch rund 1,6 Prozent unter seinem Rekordhoch. Auch die technologielastige Nasdaq konnte mit einem Plus von 1,18 Prozent deutlich zulegen.
An der Wall Street wurde die Kehrtwende des Präsidenten mit Erleichterung aufgenommen. Einige Marktbeobachter sprachen von einem weiteren Beispiel für das sogenannte „TACO“-Narrativ – „Trump Always Chickens Out“. Gemeint ist die Erwartung vieler Investoren, dass Trump bei stark negativen Marktreaktionen seine Pläne abschwächt oder verschiebt. Tatsächlich hatten einige Analysten bereits im Vorfeld damit gerechnet, dass die Zolldrohungen nicht umgesetzt würden.
Besonders im Fokus stand in den vergangenen Tagen der Anleihemarkt. Steigende Renditen für US-Staatsanleihen hatten signalisiert, dass Investoren Risiken neu bewerten. Da höhere Renditen die Finanzierungskosten für Staat, Unternehmen und Verbraucher erhöhen, gelten sie als empfindlicher Druckpunkt für die Regierung. Am Mittwoch beruhigte sich auch dieser Markt: Anleihen wurden wieder gekauft, die Renditen gaben nach.
Trotz der Erholung bleibt eine gewisse Skepsis. Experten warnen, dass Trumps Politikstil weiterhin für Volatilität sorgen könnte. Einige sehen hinter dem TACO-Muster eher ein „TATA“-Prinzip – „Trump Always Tries Again“. Demnach könnten Maßnahmen zwar verzögert werden, langfristig aber dennoch auf der Agenda bleiben.
Kurzfristig jedoch überwog am Mittwoch der Optimismus. Der freundlichere Ton gegenüber Europa und die Abkehr von unmittelbaren Zolldrohungen nahmen den Märkten einen wichtigen Unsicherheitsfaktor. Ob diese Entspannung von Dauer ist, hängt nun davon ab, wie konkret die angekündigten Abkommen ausfallen und ob der Präsident seinen moderateren Kurs beibehält.