Ein einziges Foto, aufgenommen bei einem herbstlichen Jagdausflug, zieht weiterhin weite Kreise – und könnte nun auch für René Benko strafrechtliche Konsequenzen haben. Nach dem umstrittenen Jagdtreffen im steirischen Signa-Revier, das dem Tiroler Politiker Georg Dornauer bereits seine politische Karriere gekostet hat, rückt nun der gefallene Immobilienunternehmer selbst ins Zentrum staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen.
Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt bestätigte, dass gegen Benko ermittelt wird. Im Raum stehen schwerwiegende Vorwürfe: Verdacht auf Falschaussage sowie ein möglicher Verstoß gegen das Waffengesetz. Auslöser ist jenes Foto aus dem November 2024, das österreichweit für Aufsehen sorgte. Es zeigt eine prominent besetzte Jagdgesellschaft – Dornauer, einen Tiroler Hotelier, Benko und dessen Sohn – posierend mit einem erlegten Hirsch.
Für Dornauer hatte der Schnappschuss gravierende Folgen. Weil er auf dem Bild den sogenannten Beutebruch am Hut trug, der traditionell dem Schützen vorbehalten ist, stand der Verdacht im Raum, er habe selbst geschossen – trotz eines gegen ihn verhängten Waffenverbots. Zwar wurden die Ermittlungen gegen Dornauer damals eingestellt, da Zeugenaussagen, darunter auch jene von Benko, ihn entlasteten. Doch genau diese Aussagen stehen nun offenbar auf dem Prüfstand.
Die Ermittler zweifeln inzwischen an der Glaubwürdigkeit der damaligen Zeugenaussagen. Das Foto ist damit erneut in den Fokus gerückt – diesmal mit umgekehrten Vorzeichen. Neben Benko sollen laut Medienberichten auch der damalige Pirschführer sowie der anwesende Hotelier ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten sein. Zentrale Frage der neuen Ermittlungen: Wer hat tatsächlich den tödlichen Schuss abgegeben?
Brisant ist dabei ein weiterer Aspekt: Auch Benkos damals zehnjähriger Sohn war auf dem Jagdfoto zu sehen. Ob und welche Rolle er gespielt haben könnte, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen. Die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt erklärt sich daraus, dass dort bereits ein älteres Verfahren gegen Benko anhängig ist.
Der einstige Immobilienmogul sitzt seit rund einem Jahr in Untersuchungshaft. Gegen ihn laufen zahlreiche Ermittlungen, zwei Prozesse endeten bislang mit nicht rechtskräftigen Verurteilungen wegen betrügerischer Krida am Landesgericht Innsbruck. In beiden Fällen hat Benkos Anwalt Berufung eingelegt.
Georg Dornauer selbst hält sich aus der neuen Causa heraus. Sein Rechtsanwalt ließ auf Anfrage wissen, dass das aktuelle Verfahren nicht seinen Mandanten betreffe und man sich daher nicht äußern werde.
So bleibt ein Jagdausflug, der einst als gesellschaftliches Ereignis begann, weiterhin ein juristischer Zündstoff. Das Foto, das bereits eine politische Karriere beendete, könnte nun auch für René Benko zu einem weiteren belastenden Kapitel werden.