Seit mittlerweile 20 Jahren befindet sich Aung San Suu Kyi in Haft oder unter Arrest – fünf davon nach dem Militärputsch von Februar 2021. Die einstige Ikone der Demokratiebewegung Myanmars ist heute aus der Öffentlichkeit verschwunden. Über ihren Gesundheitszustand ist kaum etwas bekannt, ebenso wenig über die Haftbedingungen. Doch obwohl sie hinter Gefängnismauern isoliert ist, wirkt ihr politischer und symbolischer Einfluss bis heute nach.
Aung San Suu Kyi wurde nach dem Sturz ihrer gewählten Regierung zu insgesamt 27 Jahren Haft verurteilt. Die Anklagen gelten international als konstruiert. Seit Jahren hat sie keinen Kontakt zu Anwälten oder Unterstützern, einzig Vertreter des Militärregimes sollen Zugang zu ihr haben. Für viele ihrer Anhänger ist sie damit zu einer Art unsichtbarer Märtyrerin geworden – eine Figur, die gerade durch ihr Schweigen an Bedeutung gewinnt.
Das Militär versucht systematisch, ihr Bild aus dem öffentlichen Raum zu tilgen. Dennoch tauchen immer wieder verblasste Poster auf, und ihr Name wird im Verborgenen geflüstert. „Amay Su“, Mutter Su, steht für viele Menschen weiterhin für Hoffnung und den Traum von einem demokratischen Myanmar. Immer wieder fordern internationale Akteure und Teile der Bevölkerung ihre Freilassung und sehen in ihr eine mögliche Vermittlerin im seit Jahren andauernden Bürgerkrieg.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, warum diese Hoffnung nicht unbegründet ist. Bereits 2010, nach Jahrzehnten der Militärherrschaft, wurde Aung San Suu Kyi überraschend freigelassen. Innerhalb weniger Jahre führte sie ihr Land zu den ersten freien Wahlen seit 1960 und wurde de facto Regierungschefin. Damals glaubten viele an einen echten Neuanfang und an reformbereite Kräfte innerhalb des Militärs.
Doch die Lage heute ist eine andere. Das brutale Vorgehen der Junta nach dem Putsch hat zehntausende Todesopfer gefordert und eine junge Generation in den bewaffneten Widerstand getrieben. Kompromissbereitschaft ist auf beiden Seiten kaum noch vorhanden. Anders als früher gibt es im Militär keine sichtbaren Reformer mehr, sondern eine Führung, die auf Gewalt und Abschottung setzt.
Auch Aung San Suu Kyis eigenes Vermächtnis ist ambivalenter geworden. Ihre Rolle bei der Verteidigung Myanmars gegen den Genozidvorwurf im Zusammenhang mit den Rohingya-Verbrechen hat ihr internationales Ansehen stark beschädigt. Viele junge Aktivisten sehen sie heute kritischer als noch vor zehn Jahren.
Und doch bleibt sie einzigartig. Mit 80 Jahren und ungewisser Gesundheit ist unklar, ob sie noch einmal aktiv Politik gestalten könnte. Aber ihre jahrzehntelange Geschichte des Widerstands macht sie weiterhin zur wichtigsten Symbolfigur des Landes. In einem Myanmar ohne klare Führungspersönlichkeiten könnte allein ihre Präsenz den Weg aus der politischen Sackgasse weisen.