Dark Mode Light Mode

Digitale Souveränität aus Brandenburg: Amazon setzt mit Milliarden-Investition auf Europas eigene Cloud

kirstyfields (CC0), Pixabay

Brandenburg rückt ins Zentrum der europäischen Digitalstrategie: Mit einem milliardenschweren Projekt will die Amazon-Tochter Amazon Web Services (AWS) eine eigenständige Cloud-Infrastruktur für Europa aufbauen – abgeschirmt von Zugriffen aus den USA und zugeschnitten auf die sensiblen Anforderungen von Staat, Wirtschaft und kritischer Infrastruktur. Vorgestellt wurde das Vorhaben am Donnerstag im Hasso-Plattner-Institut in Potsdam – und es markiert einen strategischen Einschnitt für den europäischen Cloud-Markt.

Hintergrund des Projekts sind wachsende Sorgen vor Cyberangriffen, politischer Einflussnahme und möglichen Zugriffen aus Drittstaaten. Insbesondere die Abhängigkeit von US-Anbietern hat in den vergangenen Jahren immer wieder Debatten über digitale Souveränität ausgelöst. AWS reagiert nun mit der sogenannten „European Sovereign Cloud“, deren Rechenzentren ausschließlich in der Europäischen Union stehen sollen – konkret in Brandenburg.

Nach Angaben des Unternehmens plant AWS Investitionen von rund 7,8 Milliarden Euro. In einem ersten Schritt will sich der Konzern in bestehende Rechenzentren einmieten, bevor anschließend eigene Anlagen entstehen. Geplant sind unter anderem Standorte südlich von Berlin sowie in Südbrandenburg. Damit wächst die Region weiter zu einem Schwergewicht der digitalen Infrastruktur heran.

Die neue Cloud richtet sich vor allem an öffentliche Einrichtungen, Betreiber kritischer Infrastruktur, Banken sowie Unternehmen mit besonders hohen Datenschutzanforderungen. Ziel ist es, eine rechtssichere Plattform zu bieten, die den strengen Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung und weiteren EU-Regulierungen genügt – ohne Abstriche bei Leistung, Skalierbarkeit und moderner Technologie.

Besonderes Augenmerk legt AWS auf die Frage der Kontrolle. Der Betrieb der europäischen Cloud soll von einer deutschen Gesellschaft übernommen werden, deren Führungsgremien ausschließlich mit EU-Bürgern besetzt sind. Laut AWS-Technologiechef Michael Hanisch sei sichergestellt, dass die Infrastruktur selbst unter Extrembedingungen funktionsfähig bleibe – etwa dann, wenn Europa vom globalen Internet getrennt würde oder die USA den Export bestimmter Software untersagten. Sämtliche Daten verblieben vollständig innerhalb der EU, ergänzt durch ein Verschlüsselungssystem, das selbst AWS-Mitarbeitern keinen Zugriff ermögliche. Damit sollen auch Zugriffe durch US-Behörden ausgeschlossen werden.

Politisch stößt das Projekt auf breite Zustimmung. Digitalminister Karsten Wildberger sprach von einem wichtigen Signal für den Standort Deutschland. Die europäische AWS-Cloud stärke nicht nur die digitale Infrastruktur, sondern belege auch die Attraktivität Deutschlands für Investitionen in Schlüsseltechnologien. Globales Know-how werde hier mit europäischen Sicherheits- und Datenschutzstandards verbunden.

Auch in Brandenburg wird das Vorhaben als Meilenstein gewertet. Wirtschaftsminister Daniel Keller sieht sein Bundesland auf dem Weg zu einem „digitalen Innovations-Hotspot“. Er rechnet damit, dass in den kommenden Jahren insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro in Rechenzentren in Brandenburg fließen könnten. Zwar gilt die Rhein-Main-Region rund um Frankfurt mit dem Internetknoten DE-CIX bislang als führender Standort, doch Brandenburg holt mit großen Schritten auf.

Das Milliardenprojekt von AWS ist damit mehr als nur ein wirtschaftliches Großvorhaben. Es ist ein politisches Signal – für mehr Unabhängigkeit, mehr Sicherheit und für den Anspruch Europas, seine digitale Zukunft selbst in der Hand zu behalten.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Verizon-Netzausfall in den USA: Millionen betroffen, Kunden erhalten 20-Dollar-Gutschrift

Next Post

Republikaner kritisieren Trumps Grönland-Pläne scharf: Parteiintern wächst der Widerstand