In Großbritannien dauert derzeit einer der längsten Hungerstreiks seit Jahrzehnten an. Mehrere inhaftierte pro-palästinensische Aktivisten verweigern seit Wochen und teils Monaten die Nahrungsaufnahme, um gegen ihre lange Untersuchungshaft und das Vorgehen der britischen Behörden zu protestieren. Angehörige und Unterstützer zeigen sich alarmiert über den sich rapide verschlechternden Gesundheitszustand der Betroffenen – ein Ende des Protests ist dennoch nicht in Sicht.
Im Zentrum steht die 31-jährige Aktivistin Heba Muraisi aus London. Seit über zehn Wochen befindet sie sich im Hungerstreik und berichtet, ihr Körper baue zunehmend ab. Ärzte warnen vor schweren gesundheitlichen Folgen bis hin zu einem möglichen Herz-Kreislauf-Zusammenbruch. Muraisi sitzt im Frauengefängnis HMP New Hall im Norden Englands und gehört zu einer Gruppe von Aktivisten, die im Zusammenhang mit einer Aktion gegen den israelischen Rüstungskonzern Elbit Systems festgenommen wurden.
Gemeinsam mit Kamran Ahmed (28), der ebenfalls seit mehr als zwei Monaten fastet, zählt Muraisi zur sogenannten „Filton 24“. Den Aktivisten wird vorgeworfen, ein Forschungs- und Entwicklungszentrum des Unternehmens beschädigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft beziffert den entstandenen Schaden auf rund eine Million Pfund. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück und warten weiterhin auf ihren Prozess – der erst für 2026 angesetzt ist. Bis dahin könnten sie insgesamt rund 20 Monate in Untersuchungshaft verbringen.
Besonders umstritten ist, dass die Festgenommenen zeitweise unter Anti-Terror-Gesetzen verhört wurden, obwohl keine Anklage wegen Terrorismus vorliegt. Menschenrechtsorganisationen sehen darin einen gefährlichen Präzedenzfall und sprechen von einer Aushöhlung grundlegender Freiheitsrechte. Die spätere Einstufung der Gruppe Palestine Action als terroristische Organisation hat diese Debatte weiter verschärft.
Die Hungerstreikenden fordern unter anderem ihre sofortige Freilassung auf Kaution, ein Ende der Kommunikationsbeschränkungen in der Haft sowie die Aufhebung des Verbots von Palestine Action. Zudem verlangen sie ein faires Verfahren und kritisieren die aus ihrer Sicht unverhältnismäßig lange Untersuchungshaft.
Das britische Justizministerium betont hingegen, die Gefangenen würden medizinisch betreut und gemäß geltender Vorschriften behandelt. Eine Einmischung in laufende Gerichtsverfahren lehnt die Regierung ab. Unterstützer halten dagegen und vergleichen den Protest mit historischen Hungerstreiks politischer Gefangener, etwa in Nordirland oder zur Zeit der Suffragetten.
Internationale Organisationen wie Amnesty International und UN-Sonderberichterstatter äußern inzwischen große Sorge. Sie warnen vor irreversiblen Gesundheitsschäden und sehen den Fall als Symbol für eine wachsende Einschränkung von Meinungs- und Protestfreiheit in Großbritannien. Währenddessen wächst der öffentliche Druck: Abgeordnete, Aktivisten und Familienangehörige appellieren an die Regierung, den Dialog zu suchen – bevor es zu spät ist.