Wien erlebt einen außergewöhnlichen Kriminalfall, der Kunstfreunde und Ermittler gleichermaßen alarmiert. Unbekannte Täter drangen rund um den Jahreswechsel in ein prunkvolles Wiener Palais ein, richteten dort eine illegale Silvesterparty aus und hinterließen nicht nur massive Verwüstungen, sondern entwendeten auch wertvolle Kunst- und Einrichtungsgegenstände. Besonders schwer wiegt der Diebstahl eines historischen Gemäldes von Kaiser Franz Joseph aus dem Jahr 1858, nach dem inzwischen international gefahndet wird.
Wie Mitarbeiter des Gebäudes am 2. Januar feststellen mussten, bot sich im Inneren ein Bild der Zerstörung. Die Eingangstür stand offen, die Räume der sogenannten Bel Etage waren verwüstet. Überall lagen leere Bier- und Weinflaschen, Dosen, Gläser und Müll. Die Täter hatten es sich offenbar stundenlang in den prunkvollen Sälen gemütlich gemacht, auf historischen Möbeln gesessen und gefeiert, als gehörte ihnen das Palais.
Nach bisherigen Erkenntnissen bohrten die Einbrecher ein Schloss auf und verschafften sich so Zugang zu dem historischen Gebäude. Anschließend durchstreiften sie ungestört sämtliche Räume, demontierten Inventar und bereiteten offenbar gezielt den Abtransport wertvoller Gegenstände vor. Neben beschädigten Möbeln verschwanden barocke Stühle, Hocker sowie reich verzierte Spiegel mit Goldrahmen. Ein besonders großer historischer Spiegel soll bereits in der Einfahrt zum Abtransport bereitgestanden haben.
Der größte Verlust ist jedoch ein bedeutendes Kunstwerk: Ein Porträt von Kaiser Franz Joseph, gemalt im Jahr 1858 und fester Bestandteil der Ausstattung des Palais. Das Gemälde gilt als kulturhistorisch wertvoll, sein Verschwinden hat die Ermittlungen auf eine neue Ebene gehoben. Inzwischen wurde eine internationale Fahndung nach dem Bild eingeleitet.
Die Polizei sicherte am Tatort zahlreiche Spuren. An zurückgelassenen Gläsern und Flaschen wurden Fingerabdrücke genommen, zudem fanden die Beamten Kleidungsstücke, darunter Jacken, die mutmaßlich von den Tätern stammen. Die Ermittlungen laufen wegen Einbruchs, schwerer Sachbeschädigung und Diebstahls.
Brisant ist zudem, dass es offenbar nicht bei diesem einen Vorfall blieb. Nur wenige Tage später meldete eine Mieterin erneut verdächtige Personen im Gebäude. Mehrere Frauen sollen sich unbefugt im Palais aufgehalten haben. Da die Eingangstür nach dem ersten Einbruch beschädigt war, wurde das Gebäude lediglich mit einer Eisenkette provisorisch gesichert. Ob zwischen beiden Vorfällen ein Zusammenhang besteht, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen.
Der Fall sorgt in Wien für großes Aufsehen. Die Kombination aus respektloser Zerstörungswut, dreister Party in historischen Räumen und dem Diebstahl eines bedeutenden Kaiserporträts macht den Einbruch zu einem der spektakulärsten Kunstverbrechen der jüngeren Zeit.