Auch in diesem Jahr versammelten sich Hunderte Anhänger neofaschistischer Gruppen in der italienischen Hauptstadt, um an die tödlichen Schüsse auf drei junge Neofaschisten am 7. Januar 1978 in der Via Acca Larentia zu erinnern. Die umstrittene Gedenkveranstaltung löst seit Jahrzehnten Kontroversen aus – insbesondere wegen des wiederholten Zeigens des sogenannten „saluto romano“, des römischen Grußes, der stark an den Hitlergruß erinnert.
Trotz gesetzlicher Einschränkungen bleibt der Faschistengruß bei reinen Gedenkfeiern unter bestimmten Umständen straffrei – vorausgesetzt, es liegt keine politische Absicht vor. Dies bestätigte das oberste italienische Gericht im Januar 2024. Kritiker sehen darin jedoch ein gefährliches Schlupfloch, das radikale Gruppen bewusst nutzen, um nationalistische und antidemokratische Botschaften zu verbreiten.
Ein von der Tageszeitung La Stampa veröffentlichtes Video zeigt, wie mehrere hundert, meist in Schwarz gekleidete Teilnehmer auf den Ruf „Für alle gefallenen Kameraden“ mit dem kollektiven „Presente“ antworten – begleitet vom rituellen Strecken des rechten Arms. Die Szene wiederholte sich insgesamt dreimal. Beobachter und Journalisten berichten von einer gezielten Inszenierung, die an vergangene faschistische Aufmärsche erinnert.
In der Nacht vor der Veranstaltung wurden vier Mitglieder der Jugendorganisation der Regierungspartei Fratelli d’Italia, der Partei von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, bei einer Plakataktion zum Jahrestag der Morde angegriffen. Die Täter sind bislang unbekannt. Meloni verurteilte die Gewalt auf X (ehemals Twitter) deutlich: „Wenn Dissens zur Aggression wird, verliert die Demokratie.“ Politische Gewalt, egal von welcher Seite, sei inakzeptabel.
Linke Gruppen und antifaschistische Organisationen verurteilten die Veranstaltung und forderten erneut ein konsequenteres Vorgehen gegen faschistische Symbolik im öffentlichen Raum. Das Gedenken in der Via Acca Larentia bleibt damit ein jährlich wiederkehrender Brennpunkt im politischen Spannungsfeld zwischen rechter Nostalgie und antifaschistischem Widerstand.
Obwohl das Ereignis formell als Gedenkfeier gilt, werfen Kritiker den Organisatoren vor, die Erinnerung für politische Zwecke zu missbrauchen und das Erbe Mussolinis zu verherrlichen. Der gesellschaftliche Umgang mit dem Faschismus bleibt in Italien auch acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein sensibles Thema.