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Massivhaus oder Fertighaus? Wo Bauherren sparen – und welche Nachteile sie kennen sollten

Tumisu (CC0), Pixabay

Fertighäuser werden bei deutschen Bauherren immer beliebter. Im ersten Halbjahr stieg ihr Anteil an den neu genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern auf 26,7 Prozent. Damit wird inzwischen mehr als jedes vierte neu genehmigte Eigenheim in Fertigbauweise geplant.

Die Gründe liegen auf der Hand: Fertighäuser lassen sich meist wesentlich schneller errichten und können gegenüber einem individuell geplanten Massivhaus preisliche Vorteile bieten. Doch die Entscheidung allein vom Kaufpreis abhängig zu machen, wäre zu kurz gedacht. Beide Bauweisen haben Stärken und Schwächen.

Fertighaus kommt weitgehend aus der Fabrik

Der wesentliche Unterschied liegt in der Bauweise. Bei einem klassischen Massivhaus entstehen Wände und Decken überwiegend direkt auf der Baustelle, beispielsweise aus Ziegeln, Kalksandstein oder Beton.

Beim Fertighaus werden dagegen große Teile des Gebäudes industriell vorproduziert. Wand-, Decken- und teilweise Dachelemente kommen anschließend zur Baustelle und werden dort innerhalb kurzer Zeit zusammengesetzt.

Das verkürzt insbesondere die eigentliche Aufbauphase erheblich.

Bauzeit ist ein großer Vorteil des Fertighauses

Wer schnell in sein neues Eigenheim einziehen möchte, findet deshalb beim Fertighaus einen entscheidenden Vorteil.

Die Produktion vieler Bauteile erfolgt unter kontrollierten Bedingungen in Werkhallen und ist damit weniger vom Wetter abhängig. Sobald Fundament oder Bodenplatte vorbereitet sind, kann der eigentliche Aufbau des Hauses vergleichsweise schnell erfolgen.

Beim Massivhaus müssen dagegen zahlreiche Gewerke nacheinander auf der Baustelle arbeiten. Hinzu kommen Trocknungszeiten und eine größere Wetterabhängigkeit.

Allerdings darf die kurze Montagezeit eines Fertighauses nicht mit der gesamten Dauer des Bauprojekts verwechselt werden. Grundstückssuche, Finanzierung, Planung, Baugenehmigung, Erdarbeiten, Bodenplatte oder Keller sowie der Innenausbau benötigen ebenfalls Zeit.

Fertighäuser können günstiger sein – müssen es aber nicht

Auch beim Preis können Fertighäuser Vorteile haben. Standardisierte Planung, industrielle Vorfertigung und eingespielte Arbeitsabläufe ermöglichen den Herstellern eine effizientere Produktion.

Gerade bei weitgehend standardisierten Modellen kann dies die Baukosten reduzieren.

Doch der oft vermittelte Eindruck, ein Fertighaus sei automatisch erheblich billiger als ein Massivhaus, ist zu pauschal.

Wer zahlreiche Sonderwünsche bestellt, einen Keller bauen lässt, hochwertige Haustechnik auswählt oder den Innenausbau auf ein gehobenes Niveau bringt, kann auch bei einem Fertighaus schnell erhebliche Gesamtkosten erreichen.

Beim Vergleich sollte deshalb nicht nur der beworbene Hauspreis betrachtet werden.

Was bedeutet eigentlich „schlüsselfertig“?

Besondere Vorsicht ist bei Begriffen wie „schlüsselfertig“ geboten.

Der Begriff bedeutet nicht automatisch, dass das Haus vollständig bezugsfertig übergeben wird. Entscheidend ist der konkrete Vertrag und die darin enthaltene Bau- und Leistungsbeschreibung.

Bauherren sollten deshalb genau prüfen, welche Arbeiten im vereinbarten Preis enthalten sind.

Fehlen beispielsweise bestimmte Bodenbeläge, Malerarbeiten oder Außenanlagen, können nachträglich erhebliche zusätzliche Kosten entstehen.

Ein seriöser Preisvergleich zwischen Fertig- und Massivhaus funktioniert deshalb nur, wenn tatsächlich vergleichbare Leistungen gegenübergestellt werden.

Massivhaus bietet mehr Freiheit bei der individuellen Planung

Ein klassisches Massivhaus hat seine Stärken vor allem bei der individuellen Gestaltung.

Grundriss, Raumgrößen und architektonische Besonderheiten lassen sich grundsätzlich stärker auf die persönlichen Wünsche der Bauherren abstimmen.

Zwar bieten auch Fertighaushersteller inzwischen zahlreiche Varianten und individuelle Anpassungsmöglichkeiten an. Je weiter ein Bauherr jedoch vom standardisierten Modell abweicht, desto eher können die Preis- und Zeitvorteile der Fertigbauweise schrumpfen.

Wer ein außergewöhnliches Grundstück besitzt oder sehr spezielle architektonische Vorstellungen verwirklichen möchte, kann deshalb mit einem individuell geplanten Massivhaus mehr Gestaltungsspielraum haben.

Schallschutz kann zum wichtigen Unterschied werden

Ein weiterer Punkt ist der Schallschutz.

Massive Wände besitzen aufgrund ihrer höheren Masse grundsätzlich günstige Voraussetzungen, Geräusche zu dämpfen. Das kann sowohl beim Schallschutz zwischen einzelnen Räumen als auch gegenüber Außengeräuschen von Vorteil sein.

Moderne Fertighäuser können ebenfalls hohe Schallschutzstandards erreichen. Dafür kommt es jedoch stark auf den konkreten Wandaufbau und die Qualität der Ausführung an.

Wer besonders geräuschempfindlich ist, sollte sich deshalb die zugesicherten Schallschutzwerte vor Vertragsabschluss genau erläutern und möglichst vertraglich festhalten lassen.

Beim Wärmeschutz entscheidet nicht allein die Bauweise

Beim Energieverbrauch lässt sich dagegen nicht pauschal sagen, dass eine der beiden Bauweisen grundsätzlich überlegen ist.

Sowohl moderne Fertighäuser als auch Massivhäuser können sehr energieeffizient gebaut werden.

Entscheidend sind unter anderem Dämmung, Fenster, Heiztechnik, Lüftung, Gebäudeform und die gesamte energetische Planung.

Ein Fertighaus ist deshalb nicht automatisch energiesparender – ebenso wenig ist ein Massivhaus zwangsläufig energetisch schlechter.

Massivhäuser punkten mit Speichermasse

Massive Bauteile können Wärme aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben. Diese hohe Speichermasse kann dabei helfen, Temperaturschwankungen innerhalb des Gebäudes abzumildern.

Bei leichteren Konstruktionen eines Fertighauses ist diese Speichermasse grundsätzlich geringer. Moderne Dämm-, Lüftungs- und Verschattungskonzepte können diesen Unterschied jedoch teilweise ausgleichen.

Für Bauherren ist deshalb wichtiger, die konkrete Konstruktion des jeweiligen Hauses zu beurteilen, statt ausschließlich auf die Bezeichnung Fertig- oder Massivhaus zu schauen.

Wiederverkaufswert nicht pauschal beurteilen

Auch beim späteren Verkauf hält sich die Vorstellung, ein Massivhaus sei grundsätzlich deutlich mehr wert als ein Fertighaus.

Bei modernen Gebäuden lässt sich das so pauschal nicht sagen.

Für den Immobilienwert spielen vor allem Lage, Grundstück, Alter, energetischer Zustand, Ausstattung, Instandhaltung und Qualität der Bauausführung eine entscheidende Rolle.

Bei älteren Fertighäusern können bestimmte Bauweisen und verwendete Materialien allerdings durchaus Einfluss auf die Bewertung haben. Bei einem Gebrauchtkauf sollte deshalb immer das konkrete Gebäude untersucht werden.

Auch beim Fertighaus bleibt der Bauvertrag entscheidend

Die industrielle Vorfertigung nimmt Bauherren nicht die Notwendigkeit ab, den Vertrag sorgfältig zu prüfen.

Besonders wichtig sind eine detaillierte Bau- und Leistungsbeschreibung, verbindliche Angaben zum Leistungsumfang, Zahlungsplan, Termine, Regelungen zu Sonderwünschen und der Umgang mit möglichen Mehrkosten.

Das gilt gleichermaßen für ein Massivhaus.

Ein niedriger Angebotspreis nützt wenig, wenn wichtige Leistungen fehlen und während der Bauphase teuer nachbestellt werden müssen.

Welche Bauweise lohnt sich mehr?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht.

Fertighäuser sind besonders interessant für Bauherren, die Wert auf eine kurze Bauzeit, planbare Abläufe und ein vergleichsweise standardisiertes Haus legen. Gerade bei wenigen Sonderwünschen können sich daraus Preisvorteile ergeben.

Massivhäuser können dagegen die bessere Wahl sein, wenn individuelle Architektur, große Gestaltungsfreiheit und die Eigenschaften massiver Baustoffe besonders wichtig sind. Dafür müssen Bauherren in der Regel eine längere Bauphase einkalkulieren.

Der steigende Marktanteil von 26,7 Prozent zeigt, dass sich Fertighäuser längst von einer Nischenlösung zu einer wichtigen Alternative entwickelt haben. Welche Variante am Ende tatsächlich günstiger ist, entscheidet jedoch nicht das Etikett „Fertig-“ oder „Massivhaus“, sondern der vollständige Preis für Grundstück, Gebäude, Ausstattung und sämtliche Baunebenkosten.

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