Bei seinem Besuch in Zypern äußerte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj überraschend optimistisch über ein mögliches Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Angesichts jüngster Fortschritte bei den Friedensverhandlungen mit westlichen Partnern könne ein Kriegsende in der ersten Jahreshälfte 2026 realistisch sein, sagte Selenskyj am Rande der Eröffnungszeremonie zur zyprischen EU-Ratspräsidentschaft in Nikosia.
„Die Gespräche mit der Koalition der Willigen, darunter die USA, Großbritannien, Frankreich und weitere Partner, haben einen neuen Meilenstein erreicht“, erklärte Selenskyj gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax Ukraina. Er begrüßte insbesondere die Ergebnisse eines Gipfels in Paris, bei dem konkrete Pläne für internationale Sicherheitsgarantien im Falle eines Waffenstillstands beschlossen wurden.
Frankreich, Großbritannien und weitere Länder signalisierten dabei die Bereitschaft, Truppen in die Ukraine zu entsenden – zunächst zur Unterstützung bei Ausbildung, Luftverteidigung und der Sicherung strategisch wichtiger See- und Lufträume. Auch Deutschland kündigte an, sich aktiv an einem militärischen Schutzkonzept beteiligen zu wollen, allerdings ohne Bodentruppen auf ukrainischem Gebiet.
Selenskyj zeigte sich erfreut über die internationale Solidarität, forderte jedoch auch weiteren wirtschaftlichen Druck auf Russland. „Jeden Dollar, den Russland verliert, verliert es als Aggressor. Sanktionen sind ein Schlüssel zum Frieden“, betonte er.
Die Präsenz einer multinationalen Friedenstruppe in der Ukraine wird von vielen westlichen Regierungen als abschreckende Maßnahme gesehen, die zugleich eine Grundlage für den Wiederaufbau nach Kriegsende schaffen könnte. Moskau lehnt diese Pläne bisher strikt ab und sieht darin eine Provokation. Dennoch wächst die Hoffnung, dass der zunehmende diplomatische Druck und militärische Rückhalt der Ukraine eine Wende in dem seit fast vier Jahren andauernden Krieg bringen könnten.
„Wir glauben fest daran, dass wir diesen Krieg nicht nur überstehen, sondern auch zu einem gerechten Frieden führen werden“, so Selenskyj in Nikosia. Das kommende halbe Jahr könnte damit zu einer entscheidenden Phase im Ringen um ein Ende des Konflikts werden.