In einem aufsehenerregenden Prozess in London hat der britische Politiker Nathan Gill eingeräumt, Geld aus dem Umfeld des Kremls angenommen zu haben. Damit bestätigte der 52-Jährige erstmals Vorwürfe, er habe seine Position als Abgeordneter im Europäischen Parlament genutzt, um prorussische Interessen zu vertreten.
Zahlungen für Auftritte und politische Veranstaltungen
Nach BBC-Informationen erhielt Gill zwischen Dezember 2018 und Juli 2019 Zahlungen, um im ukrainischen Fernsehen prorussische Positionen zu vertreten und Veranstaltungen mit Kreml-nahen Politikern zu organisieren. Verbindungen bestanden insbesondere zu Oleg Woloschyn, einem ukrainischen Politiker, der später des Hochverrats angeklagt wurde und seit 2023 untergetaucht ist.
Politische Laufbahn mit Kurswechseln
Gill war von 2014 bis 2020 Mitglied des Europäischen Parlaments. Zunächst trat er für die rechtspopulistische UK Independence Party (UKIP) an, wechselte jedoch Ende 2018 zur Brexit-Partei. In Brüssel fiel er durch Äußerungen auf, die russische Positionen im Ukraine-Konflikt stützten. Lange bestritt er, dafür Zahlungen erhalten zu haben.
Wende im Prozess
Noch im Februar hatte Gill auf nicht schuldig plädiert. Nun gestand er in einem der Anklagepunkte. Ausschlaggebend waren offenbar Chatnachrichten, die Zahlungen von Woloschyn belegen. „Dieser Fall berührt den Kern unserer demokratischen Werte“, erklärte Richterin Cheema-Grubb. Dominic Murphy, leitender Ermittler beim Anti-Terror-Kommando der Metropolitan Police, betonte, man werde nicht zögern, gegen Versuche vorzugehen, „unsere nationale Sicherheit zu untergraben“.
Urteil im November erwartet
Das Strafmaß soll im November verkündet werden. Beobachter rechnen mit einer sofortigen Haftstrafe. Gills Verteidigung bemüht sich derzeit, seinem Mandanten eine vorübergehende Entlassung aus der Untersuchungshaft zu ermöglichen, damit er vor Antritt der Strafe noch einmal seine Frau und seine fünf Kinder sehen kann.