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Machtkämpfe, Drohungen, Sabotage? – Neue Entwicklungen im Schattenkrieg zwischen Moskau und Kiew

ELG21 (CC0), Pixabay

Der Ukraine-Krieg bleibt nicht nur eine offene militärische Konfrontation auf dem Schlachtfeld, sondern zunehmend auch ein Nervenkrieg in den Hinterzimmern der Macht. In den letzten Stunden erschütterten gleich mehrere Entwicklungen das ohnehin fragile Gefüge auf russischer Seite – von der überraschenden Entlassung eines hochrangigen Generals über die gezielte Zerstörung russischer Militärtechnik auf der Krim bis hin zum rätselhaften Tod eines Spitzenmanagers aus der russischen Rüstungsindustrie.

General Lapin: Abgang eines umstrittenen Kommandeurs

Wie das kremlnahe Medium RBC berichtet, hat das russische Verteidigungsministerium den langjährigen Frontkommandeur Generaloberst Alexander Lapin (61) aus dem aktiven Militärdienst entlassen. Die Entscheidung kommt nicht überraschend – wohl aber der Zeitpunkt.

Lapin, einst gefeierter Stratege im Syrien-Einsatz, stand seit dem Herbst 2022 unter scharfer Kritik, nachdem ukrainische Streitkräfte die ostukrainische Stadt Lyman zurückerobert hatten. Damals galt er als direkt verantwortlich für die mangelhafte Koordination der russischen Truppen. Trotz der Vorwürfe stieg Lapin später zum Chef des Leningrader Militärbezirks auf – eine Position, die er bis August 2025 innehatte. Nun soll er – einem Bericht der Nachrichtenagentur Tatar Inform zufolge – in den zivilen Bereich wechseln und als Berater für Veteranenangelegenheiten im russischen Teilstaat Tatarstan tätig werden.

In Militärkreisen wird gemunkelt, die Entlassung sei weniger Ausdruck von Altersruhestand, sondern vielmehr ein strategischer Rückzug aus dem Rampenlicht, um größere interne Unruhe im Generalstab zu verhindern. Die russische Militärführung äußerte sich bislang nicht offiziell zu den Hintergründen.

Krim: Präzisionsschlag trifft russische Infrastruktur

Parallel zur Umbesetzung in der Armeespitze meldete der ukrainische Militärgeheimdienst HUR einen spektakulären Sabotageerfolg auf der von Russland besetzten Krim. Demnach wurden in der Nacht auf Samstag bei einem gezielten Einsatz drei Mi-8-Transporthubschrauber sowie eine Radarstation zerstört. Das teilte der Geheimdienst über seinen offiziellen Telegram-Kanal mit.

Der Angriff reiht sich ein in eine Serie ukrainischer Operationen, mit denen gezielt militärische Infrastruktur auf der Krim – einem Schlüsselgebiet der russischen Kriegslogistik – getroffen wird. Die Mi-8-Hubschrauber gelten als Allzweckgeräte: Sie können sowohl Truppen befördern als auch für Kampfmissionen modifiziert werden.

Unabhängige Bestätigungen der ukrainischen Darstellung liegen bislang nicht vor. Die russische Seite äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht zum Vorfall.

Erneut ein toter Manager: Dubioser Tod des Kohlefaser-Chefs

Besonders brisant: Die Nachrichten über eine weitere mysteriöse Todesmeldung aus dem innersten Machtzirkel der russischen Industrie. Wie mehrere russische und ukrainische Quellen berichten, wurde der CEO der Umatex Group, Alexandr Tyunin, leblos am Straßenrand nahe Moskau aufgefunden. In unmittelbarer Nähe: eine Waffe – sowie ein angeblicher Abschiedsbrief.

Darin schreibt der 61-Jährige laut der NGO To Be or Not to Be, er habe seit Jahren unter schweren Depressionen gelitten. Doch in Expertenkreisen wächst die Skepsis. Die Umatex Group ist Russlands einziger Hersteller von Kohlefaser – einem Material, das unter anderem in der Produktion von Shahed/Geran-Drohnen verwendet wird, die Russland regelmäßig gegen die Ukraine einsetzt.

Tyunin ist kein Einzelfall. Seit Beginn des Ukraine-Krieges sind mindestens 35 russische Spitzenbeamte und Manager unter vergleichbaren Umständen verstorben – viele davon aus der Energie- oder Rüstungsbranche. Die Aufklärungsquote der Todesfälle bleibt verschwindend gering.

Das ukrainische Recherchekollektiv InformNapalm kommt nach Auswertung aller Fälle zu einem beunruhigenden Schluss: In zahlreichen Fällen spreche alles für die gezielte Beseitigung von Mitwissern, die zu viel über Korruptionsnetzwerke oder geheim gehaltene Großprojekte gewusst haben könnten.

Ein Staat im Schatten seiner eigenen Macht

Diese Entwicklungen werfen ein Schlaglicht auf die zerrissene Gemengelage im russischen Machtapparat. Während die Ukraine durch gezielte militärische Schläge punktet, scheint die innere Stabilität Moskaus zunehmend brüchig zu werden.

Ob die Entlassung General Lapins tatsächlich eine strategische Neuausrichtung bedeutet oder bloß ein Bauernopfer ist, bleibt abzuwarten. Ebenso ist unklar, ob der Tod Tyunins tatsächlich ein Suizid war – oder ein weiteres Kapitel in einem möglicherweise systematisch orchestrierten Schweigen-Machen.

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