Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump plant offenbar einen direkten Einstieg beim kanadischen Rohstoffkonzern Lithium Americas – und setzt dabei gezielt politischen und finanziellen Druck ein. Im Zentrum des Interesses steht das strategisch wichtige Thacker-Pass-Projekt im US-Bundesstaat Nevada, das nach seiner geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2028 eine der größten Lithium-Minen der Welt werden soll.
Die Aktien von Lithium Americas legten daraufhin um fast 70 Prozent an der Wall Street zu, nachdem erste Medienberichte über die geplante Beteiligung durch die US-Regierung die Runde machten.
Ziel: Kontrolle über kritische Rohstoffe – und weniger Abhängigkeit von China
Hintergrund der Aktion ist der Versuch der Trump-Regierung, eine eigene Lieferkette für Batterie-Rohstoffe aufzubauen, insbesondere zur Reduktion der Abhängigkeit von China, das nach wie vor über 75 Prozent der weltweiten Lithiumverarbeitung kontrolliert. Zwar besitzen die USA selbst Lithium-Vorkommen, fördern bislang aber weniger als 5.000 Tonnen pro Jahr – ein Bruchteil des globalen Bedarfs.
Thacker Pass könnte allein in der ersten Phase der Produktion bis zu 40.000 Tonnen jährlich liefern – eine strategische Menge, die vor allem von General Motors, einem wichtigen Partner des Projekts, für den Bau von Elektrofahrzeugen genutzt werden soll.
Politik macht Druck – Kredit nur gegen Firmenanteile
Die Finanzierung des Milliardenprojekts war bisher durch einen Kredit in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar durch das US-Energieministerium abgesichert. Doch nun will die Trump-Regierung den Deal neu verhandeln: Begründung ist der stark gefallene Lithiumpreis, durch den Zweifel an der Rückzahlungsfähigkeit aufgekommen seien.
Ein Sprecher des Weißen Hauses:
„Präsident Trump unterstützt dieses Projekt. Er will, dass es ein Erfolg wird – aber es gibt kein Geld umsonst.“
Statt eines reinen Kredits fordert Washington nun eine Beteiligung von bis zu 10 Prozent am Unternehmen Lithium Americas – eine Premiere, da es sich um ein kanadisches Unternehmen handelt, das außerhalb der US-Grenzen gegründet wurde.
Zunehmende Eingriffe der US-Regierung in strategische Industrien
Die geplante Teilverstaatlichung ist Teil einer umfassenderen Strategie der Trump-Regierung, sich direkt an Unternehmen zu beteiligen, die für nationale Sicherheitsinteressen relevant sind. Bereits im August hatte das Weiße Haus Pläne bekannt gegeben, sich an Intel zu beteiligen – ein Schritt, der von Marktbeobachtern als „vergiftetes Geschenk“ bezeichnet wurde.
Im Fall von Lithium Americas hingegen ist die Reaktion an der Börse euphorisch: Investoren sehen offenbar eher die staatliche Rückendeckung als Sicherheitsnetz denn als politisches Risiko.
Ein Präzedenzfall mit internationaler Signalwirkung
Sollte die US-Regierung mit ihrer Forderung durchkommen, könnte dies weitreichende Folgen für den internationalen Rohstoffmarkt haben – insbesondere für Investoren aus Kanada, Australien und Europa, die traditionell stark in kritische Mineralien investieren.
Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass die Geopolitik längst tief in die Rohstoffmärkte vorgedrungen ist – und dass Staaten bereit sind, durch finanzielle und politische Hebel direkten Einfluss auf die Lieferketten der Zukunft zu nehmen.
Fazit:
Der Fall Lithium Americas zeigt exemplarisch, wie sehr wirtschaftliche Förderung und politische Interessen mittlerweile verschmelzen. Präsident Trump setzt auf wirtschaftlichen Nationalismus, abgesichert durch gezielte staatliche Beteiligungen – ein Kurs, der auch unter künftigen Regierungen Schule machen könnte.